Western Digital erneuert sich mit breit aufgefächerter Storage-Technologie

Software Definde Storage und Partner (Bild: WD)
Software Definde Storage und Partner (Bild: WD)

Western Digital (WD) gehört neben Seagate und Toshiba sowie einigen kleineren Herstellern zu jenen, die die Krise des Festplattenmarkts, den vor etwa 20 Jahren noch über 100 Firmen bevölkerten, überlebt haben. Klar, ohne Festplatten läuft auch heute nichts in der IT, doch die Konkurrenz durch Flash und SSDs befindet sich im stetigen Wachstum. So dass auch Western Digital rechtzeitig in solche Zukunftsmärkte eingestiegen ist.

Doch der Konzern Western Digital hat sich in den letzten Jahren noch breiter aufgestellt. Auf einem Seminar, das die auf Storage spezialisierte Agentur A3 kürzlich in London veranstaltete, zeigte WD einen Überblick über sein gegenwärtiges Produkt- und Servicespektrum.

Storage ist die gemeinsame Basis der verschiedenen Angebote, wobei WD längst über die Fixierung auf Festplatten hinausgegangen ist und heute diverse Produkte für Unternehmen, aber auch für private Anwender auf den Markt bringt. Esther Spanjer, Director of Business Development EMEAI für das Enterprise-Portfolio, betonte denn auch, "dass sich die Datenlandschaft weiter entwickelt und heute Speicher-Locations wie das Core (Rechenzentrum), Edge, Endpoints und die Cloud umfasst". Um sich den neuen Entwicklungen anzupassen, habe WD in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Akquisitionen unternommen. Heute umfasst, so Spanjer, das Portfolio von WD Festplatten, SSDs, Systeme und Plattformen.

WD sieht sich bei HDDs (Festplatten) und SSDs (NAND Flash) als Marktführer. Heute sei, so Spanjer, zwischen Kapazität & HDDs = Big Data und Performance & SSDs = Fast Data zu unterscheiden. Für die "next decade of Big Data" präsentiert WD diese Hardware-Plattformen: NVMe SSDs, SAS SSDs, SATA SSDs, Air HDDs und Helium HDDS.

Ferner unterscheidet WD heute zwischen der ursprūnglichen Hardware-Plattform "Ultrastar", die Flash und HDDs umfasst, und weiteren Bereichen wie Composable Infrastructure unter dem Titel "Openflex" mit Software-Funktionen für dauerhafte Datenhaltung, Cloud mit "Activescale" (aus der Akquisition von HGST) und den Eigenschaften "Object Storage" und "Geo-Distributed" und schliesslich Primary mit "Intelliflash" (aus der Akquisition von Tegile System). Damit stellt WD heute nicht mehr nur (Platten-) Hardware her, sondern verfügt über alle ultramodernen Storage-Entwicklungen von Unified Block und File Storage bis zu Object Storage und Speichersysteme mit NVMe, All-Flash und hybriden Formen, erhöhter Performance und vielen Management-Funktionen.

Auffallend an der Darstellung von Spanjer und ihrem Kollegen Eyal Shani, Director of Product Marketing Enterprise, auf dem Londoner Event war, dass man sich nicht weiter bei dem Zweck, den Unterschieden und den Zielen dieser Technologien und der zahlreichen einzelnen Produkte aufhielt, sondern den Schwerpunkt der Darstellung aufs Allgemeine und Zukünftige der Storage-Entwicklung abstellte. So versuchte Shani drei generellere Kategorien in den Vordergrund zu rücken:

1) "Scale" steht bei WD dafür, dass Storage bereits 37 Prozent aller Ausgaben für IT-Infrastruktur ausmacht - weshalb WD als traditioneller Speicherproduzent natürlich gut aufgestellt sei. WD sieht eine wachsende Bedeutung von IaaS (Infrastructure as a Service) und will hier mehr Marktpräsenz zeigen. Die Datenmengen steigen laut WD auch dadurch, dass einzelne Bilder immer mehr durch datenintensive Videos verdrängt werden - WD habe die entsprechenden Lösungen aus Hardware und Software dafür.

2) Mit "Hybrid" will sich WD stärker für den wachsenden Bereich der Mischung von Cloud-, Multi-Cloud- und On-Prem-Umgebungen profilieren. Die Voraussage lautet hier: 10 Prozent der Unternehmen werden hybride Infrastrukturen und ihre Management-Möglichkeiten akzeptieren.

3) Und unter "Customization" versteht WD einen Trend auf Seiten der Anwender, mehr rechenintensive Software für Artificial Intelligence und Machine Learning einzusetzen, was auch die Verbreitung von "cold" oder langfristig angelegten Speichersystemen begūnstigen werde.

Als Bannerträger des Storage-Fortschritts konzentrierte sich WD im weiteren Verlauf seiner Session auf den Produktbereich "Activescale" mit der Amplidata Object-Storage-Technologie und das Intelliflash-Portfolio und All-Flash-Arrays. Insgesamt kommen die zielstrebigen Akquisitionen der letzten zehn Jahre zum Tragen: Zu den elf zugekauften Unternehmen gehören Arkeia, HGST, Sandisk, Virident Systems, Upthere und Tegile Systems. Vor allem Sandisk mit seinem Portfolio an Flash-Seichern, HGST und Tegile Systems mit seinen hybriden und All Flash Arrays haben mit dazu geführt, dass WD heute mehr als ein blosser Produzent von Festplatten dasteht.

Auch auf seiner Webseite und seinen Blogs schneidet WD heute eher allgemeine und unkonventionelle Themen an, so veröffentlichte man vor kurzem den Blog-Beitrag "Why RAID Systems Are Dangereous - and Why You Should Stop Using Them" (https://blog.westerndigital.com/why-you-should-stop-using-raid-systems/).

Die Zukunft sieht WD in der "Data Infrastructure (R)Evolution", die durch Software und mehr zusammengesetzte Komponenten gekennzeichnet sei: "converged", "hyper-converged" und "composable" sollen die neuen Speichersysteme und -infrastrukturen sein. Die rein physikalischen Systeme würden an Bedeutung verlieren, während sich software-defined und überfassende Strukturen mehr ausbreiten. Solche Aussagen erinnern denn auch mehr an die grossen Hersteller von Speichersystemen wie Dell EMC, IBM, NetApp oder auch Pure Storage, die schon des längeren solche Ideen vertreten und mit ihren Produkten in die Märkte tragen.

Die Kunden können laut WD heute mit Software Defined Storage eine Speicher-Infrastruktur nach ihren jeweiligen Anforderungen aufbauen. WD arbeitet deshalb mit vielen Partnern bei den Software- und den Hardware-Anbietern zusammen - darunter Red Hat, VMware, Microsoft oder Openstack bei Software und Dell EMC, HPE oder Cisco und Lenovo bei Hardware.

Ein Problem für WD besteht darin , dass es am Markt noch immer hauptsächlich als "Festplatten-Hersteller" wahrgenommen wird. Das könnte potentielle Kunden davon abhalten, sich überhaupt mit dem viel breiteren Angebot von WD zu beschäftigen. Analysten wie die von Gartner Research sind da schon weiter: Sie haben WD in ihren Report "Magic Quadrant for Distributed File Systems and Object Storage" aufgenommen - auf Augenhöhe mit Dell EMC, IBM, Hitachi, Netapp oder Huawei.

Bild: WD
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Bild: Gartner
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