Neue Schwachstelle in Intel-Prozessoren entdeckt

Symbolbild: iStock
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Die IT-Security-Experten von Bitdefender haben offenbar eine neue Sicherheitslücke identifiziert, die sämtliche moderne Intel Prozessoren betrifft. Diese Prozessoren nutzen gemäss Bitdefender die CPU-Funktion Speculative Execution, über die eine Side-Channel-Attacke erfolgen könne. Die Schwachstelle ermögliche den Zugriff auf Passwörter, Token, private Unterhaltungen sowie andere vertrauliche Daten von Privatanwendern und Unternehmen. Alle Rechner, bei denen neuere Intel-Prozessoren zum Einsatz kommen und auf denen Windows ausgeführt wird, seien betroffen, inklusive Server und Notebooks, heisst es. Bitdefender habe über ein Jahr mit den Technologiepartnern an einer Veröffentlichung dieser Schwachstelle gearbeitet – Patches stünden nun zur Verfügung oder sollen in Kürze veröffentlicht werden.

Die Schwachstelle wurde demnach weniger als drei Monate nach dem letzten Sicherheitsalert zu Intel-Prozessoren bekannt. Speculative Execution ist eine Funktion, die darauf abzielt, die Geschwindigkeit der CPU zu beschleunigen, indem Vermutungen darüber getroffen werden, welche Anweisung als nächstes folgen könnte. Speculative Execution kann Spuren im Cache hinterlassen, die es Angreifern ermöglichen, mit einem Seitenkanalangriff in den privilegierten Bereich des Arbeitsspeichers einzudringen, den der Betriebssystem-Kernel belegt. Dieser neu entdeckte Angriffsweg kombiniere Speculative Execution von Intel und die Verwendung eines spezifischen Befehls des Windows Betriebssystems innerhalb eines sogenannten Gadgets, betonen die Bitdefender-Experten.

Der Angriff umgehe alle bekannten Schutzmechanismen, die nach Bekanntwerden von Spectre und Meltdown im Frühjahr 2018 implementiert worden seien. Gemeinsam mit Intel habe Bitdefender über ein Jahr daran gearbeitet, nun die Öffentlichkeit über diesen Angriffsmechanismus informieren zu können.

"Die Erforschung solcher Angriffswege ist höchst komplex, da sie erstens tiefstes Wissen über die Funktionsweise moderner Prozessoren, zweitens ein umfassendes Verständnis der Prozesse innerhalb von Prozessoren und Betriebssystemen sowie drittens Kenntnisse von Speculative Execution und Seitenkanalattacken erfordern", erläutert Gavin Hill, Vice President, Datacenter and Network Security Products bei Bitdefender. Und zur potentiellen Gefahrenlage: "Kriminelle, die über das Wissen um diese Angriffsmöglichkeit verfügen, wären in der Lage, weltweit die wichtigsten und am besten geschützten Daten von Unternehmen und Privatanwendern zu stehlen oder sie für Erpressung, Sabotage und Spionage zu missbrauchen."

Microsoft und andere Partner haben bereits Patches veröffentlich, beziehungsweise sind dabei diese zu evaluieren und gegebenenfalls zu veröffentlichen.

Die neueste Enthüllung folgt der Mitte Mai dieses Jahres bekanntgewordenen Sicherheitsschwachstelle bei Intel-Prozessoren mit dem Namen „Micro-Architectural Data Sampling“, die es Angreifern erlaubt, auf privilegierte Kernel-Mode-Informationen zuzugreifen, die bis dahin als unerreichbar für die meisten Anwendungen galten. Weitere Informationen zu diesem Angriffsmechanismus finden sich auf dem Bitdefender Labs Blog.

'Die Erforschung solcher Angriffswege ist höchst komplex,' sagt  Gavin Hill, Vice President, Datacenter and Network Security Products bei Bitdefender (Bild: zVg)
'Die Erforschung solcher Angriffswege ist höchst komplex,' sagt Gavin Hill, Vice President, Datacenter and Network Security Products bei Bitdefender (Bild: zVg)