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Um Cyberkriminalität effektiver zu bekämpfen, hat sich diese Woche die International Cyber Security Protection Alliance (ICSPA) offiziell formiert. Die Non-Profit-Organisation verfolgt nicht zuletzt das Ziel, Exekutivkräfte besser für den Kampf zu wappnen und internationale Kooperationen zu fördern.

"Es gibt nicht einmal in der EU Standards für das Training einer Cybercrime-Einheit, geschweige denn global", betont ICSPA-CEO John Lyons. Um die Verbrechensbekämpfung im Cyberspace effizienter zu machen, setzt die ICSPA auf eine breite Basis aus Unternehmen und Partnern. Zu den Gründungsmitgliedern zählen neben IT-Security-Spezialisten wie Trend Micro und McAfee beispielsweise der Finanzdienstleister Visa Europe und die grosse britische Online-Handelsgruppe Shop Direct. Auf Behördenseite kooperiert die Organisation von Beginn an mit der Europol.

Cyberkirminelle Aktivitäten ufern zunehmend aus und wie Trend Micro betont, boomt der Handel mit vertraulichen Daten. So kann man in einschlägigen Foren schon für 550 Euro einen EU-Pass oder für 350 Euro einen britischen Führerschein bekommen. Kreditkartendaten sind noch billiger. Den Kampf gegen Cybercrime behindert dabei oft mangelnder der Informationsfluss zwischen Wirtschaft und Behörden. "Unternehmen könnten am besten beschreiben, welche Angriffsmethoden sie in der Praxis wirklich sehen", betont Lyons. Doch Ermittler erhalten oft zu wenig Informationen und diese zu spät. Das muss sich ändern.

Mindestens ebenso wichtig ist, Ermittler besser zu qualifizieren. Lyons verweist auf eine Studie des US-Justizministeriums, nach der sich 36 Prozent der zuständigen FBI-Agenten dem Umgang mit Cyber-Attacken, welche die nationale Sicherheit gefährden, nicht gewachsen sehen. "Wenn schon eine Behörde wie das FBI solche Probleme hat, dann sicher auch andere", meint der ICSPA-CEO. Hinzu kommt, dass aufgrund fehlender Standards die Qualifikation von Ermittlern kaum überprüfbar ist. Sie können ihre Expertise somit auch vor Gericht kaum belegen - ein potenzieller Nachteil, wenn es um die Glaubwürdigkeit geht.

Gezielte Kooperation

Die ICPSA will Behörden gezielt auf die Sprünge helfen. "Wir werden uns mit der Europol zusammensetzen und bewerten, welche Cybercrime-Einheiten in der EU am dringendsten Unterstützung brauchen", erklärt Lyons. Dabei soll auch geklärt werden, welche Hilfestellungen jeweils am sinnvollsten ist - von Trainingsmassnahmen bis hin zur finanziellen Unterstützung. In letzterem Fall könnten auch Unternehmen dem Kampf gegen Cyberkriminelle helfen, die selbst keine technische Expertise auf dem Gebiet haben. Zum Start ist die Zahl der ICSPA-Mitglieder noch sehr überschaubar. Lyons bestätigt, dass beispielsweise Sicherheitsspezialisten mit Osteuropa-Expertise wie Kaspersky oder F-Secure wertvolle Partner wären. Ähnliches gilt auch für weitere Vertreter anderer Branchen wie den IT-Konzern HP oder die Bankgruppe HSBC. "Wir hoffen, dass sich diese und andere Unternehmen unsere Tätigkeit ansehen und beitreten werden", meint der ICSPA-CEO.



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