Der ICT-Fachkräftemangel betrifft alle Branchen (Grafik: zVg)

Bis 2030 wird in der Schweiz eine Lücke von 38'700 ICT-Fachkräften entstehen. Dies geht aus einer aktuellen Studie von ICT-Berufsbildung Schweiz hervor. Trotz verstärkter Anstrengungen in der Nachwuchsförderung kann die Lücke nicht geschlossen werden, wenn nicht entsprechend gegengesteuert wird. Wobei die Berufsbildung als grösste Zubringerin den eigentlichen Schlüssel zur Deckung des Fachkräftebedarfs darstellt. Denn 79 Prozent aller ICT-Abschlüsse haben ihren Ursprung in der Berufsbildung. Die Lehrstellenquote müsse von 5.9 auf 8.1 Prozent erhöht werden, um den steigenden ICT-Fachkräftebedarf zu sichern, so die Studie.

Der nationale Verband ICT-Berufsbildung Schweiz untersucht seit nunmehr 2010 zweijährlich die Fachkräftesituation im Berufsfeld der "Informations- und Kommunikationstechnologien" (ICT) und erstellt eine Entwicklungsprognose für die kommenden acht Jahre. Die aktuelle Studie weist erneut ein überdurchschnittliches Wachstum des Berufsfelds aus: 2021 ging demnach eine rekordhohe Zahl von 246'400 Personen einer ICT-Tätigkeit nach. Dies sind 40.5 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Die Covid-19-Pandemie führte im Jahr 2020 zwar zu einem Beschäftigungsrückgang um 1.7 Prozent, dieser war jedoch bereits ein Jahr später wieder überkompensiert.

Zunehmender Mangel im Bereich ICT Security

Bis ins Jahr 2030 braucht die Schweiz aufgrund von Pensionierungen, Abwanderungen und der digitalen Transformation insgesamt 119'600 zusätzliche ICT-Fachkräfte (Brutto-Fachkräftebedarf). Davon betroffen sind alle ICT-Berufe, im Bereich ICT Security ist jedoch eine besonders starke Beschäftigungsdynamik zu verzeichnen. Seit 2010 hat sich die Zahl der Security-Fachkräfte auf 5’100 verdreifacht. Trotz dieses Wachstums werden bis 2030 60 Prozent zusätzliche ICT-Security-Fachkräfte benötigt. Um diesem Bedarf nachzukommen, hat ICT-Berufsbildung Schweiz in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und der Schweizer Armee den eidgenössischen Fachausweis "Cyber Security Specialist" entwickelt. Seit dessen Einführung 2019 habe sich die Anzahl Prüfungskandidat/innen jährlich verdoppelt, heisst es. Auch in der Mediamatik konnte der Mangel demnach durch aktive Bildungsoffensiven abgemindert werden.

Berufsbildung als Schlüssel zur Deckung des Fachkräftebedarfs

Die bisherigen Ausbildungsanstrengungen zeigen laut der Untersuchung Wirkung: 37'800 ICT-Fachkräfte aus dem Bildungssystem werden demnach bis 2030 zur Verfügung stehen. Kombiniert mit einer erwarteten Zuwanderung von 43'600 verbleibt so eine Lücke von 38'700 ICT-Fachkräften (Bildungsbedarf). Die Berufsbildung ist dabei mit Abstand die grösste Zubringerin an ICT-Fachkräften auf allen Bildungsstufen. Sechs von zehn ICT-Lernenden absolvieren innerhalb von fünf Jahren nach Lehrabschluss eine tertiäre Ausbildung. An den Fachhochschulen verfügen sogar rund zwei von drei Studierenden im Bereich der ICT über einen Berufsbildungsabschluss. Somit haben insgesamt 79 Prozent aller ICT-Abschlüsse ihren Ursprung in der Berufsbildung. Andreas W. Kaelin, Präsident von ICT-Berufsbildung Schweiz, hebt hervor: "Nur dank der Berufsbildung können der Wirtschaft die ICT-Fachkräfte zugeführt werden, die für die Prosperität und Innovationskraft der Schweiz notwendig sind."

Die Zahl der ICT-Lernenden sei 2021 durch die intensive Lehrstellenförderung schweizweit auf 10'414 gestiegen, ist der Studie weiters zu entnehmen. Im Verhältnis zur Zahl der Vollzeitäquivalente im ICT-Berufsfeld (176'500) ergibt dies eine Lehrstellenquote von 5.9 Prozent. Langfristig sollte dieser Wert auf 8.1 Prozent ansteigen, um den prognostizierten ICT-Fachkräftebedarf durch inländisch ausgebildeten Berufsnachwuchs decken zu können, so ICT-Berufsbildung Schweiz. "Spätestens mit neun ICT-Beschäftigten sollten Betriebe die Bereitstellung einer ICT-Lehrstelle eingehend in Betracht ziehen – egal in welcher Branche sie tätig sind", empfiehlt Serge Frech, Geschäftsführer von ICT-Berufsbildung Schweiz.

ICT-Fachkräftemangel betrifft die ganze Volkswirtschaft

Zwei von drei ICT-Fachkräften arbeiten ausserhalb der ICT-Kernbranche. Diese Querschnittsfunktion unterstreiche die enorme ökonomische Bedeutung des Berufsfelds. Die Schweizer Wirtschaft habe die Bedeutung der Berufsbildung zur Sicherung des Fachkräftenachwuchses erkannt, betont die ICT-Berufsbildung Schweiz. Bei der Schweizerischen Post und Swisscom ist man sich demzufolge einig, dass sich die Investition in die Berufsbildung langfristig lohne. Deshalb hätten sich beide Unternehmen an der Konzipierung des neuen Berufs "Entwickler/in digitales Business EFZ" beteiligt und würden ab 2023 entsprechende Lehrstellen anbieten. Dank der Durchlässigkeit der Bildungslandschaft sei für qualifizierten Fachkräftenachwuchs auf allen Bildungsstufen gesorgt. "In Kombination mit der Passerelle und der Berufsmaturität ermöglicht die berufliche Grundbildung den Hochschulen eine grosse Studierendenschaft, die zudem eine fundierte Praxisausbildung mitbringt", sagt Prof. René Hüsler, Mitglied des Executive Committee von Digitalswitzerland und Direktor des Departements Informatik sowie stellvertretender Rektor der Hochschule Luzern (HSLU).

Die gesamte Studie zum Download hier!!



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