Amazon-Paket: Verkäufer werden geschröpft (Foto: Archiv)

Der US-amereikanische Online-Versandhandelsriese Amazon berechnet unabhängigen Verkäufern auf seiner Plattform monatlich bis zu 5.000 Dollar (etwa 4.500 Euro), um beim Kundenservice mit echten Menschen statt Bots zu sprechen. Wenn die eigenständigen Anbieter laut der "Washington Post" die Gebühr nicht bezahlen, sind sie Problemen wie Hackerangriffen oft völlig ausgeliefert.

Auf Amazon sind momentan etwa 2,5 Mio. unabhängige Händler zu finden. Sie müssen bereits eine monatliche Gebühr zahlen, um auf der Plattform ihre Waren anbieten zu dürfen. Mit der Kundenservice-Gebühr bekommen sie zusätzlich einen eigenen Betreuer zugewiesen, der laut Amazon "persönliches Coaching und Mentoring" anbietet, damit sie "konkurrenzfähig bleiben und sich auf das Wachstum des eigenen Geschäfts konzentrieren können".

Bezahlen Anbieter hingegen nicht, gibt es immer noch einen Kundenservice, jedoch ist dieser deutlich langsamer und weniger aufmerksam. Es besteht die Möglichkeit, dass Anfragen bei Bots landen und keine individuelle Beratung stattfindet. Jeff Peterson, ein kalifornischer Amazon-Verkäufer, war dem Bericht zufolge drei Wochen lang einem Hacker-Angriff schutzlos ausgeliefert, weil er die Gebühr nicht bezahlt hatte und kein Amazon-Mitarbeiter für ihn verfügbar war, obwohl er mehrmals bei der Hotline des Unternehmens anrief.

Viele unabhängige Verkäufer fühlen sich von Amazon ungerecht behandelt. Von jedem Dollar, den sie auf der Plattform mit Transaktionen erhalten, landen 35 Cent wieder bei dem Megakonzern. Amazon selbst bestreitet, dass eigenständige Händler schlecht behandelt werden. In einem Brief an die Aktionäre meinte CEO Jeff Bezos, dass sie die hauseigenen Verkäufe massiv übertreffen würden. Im Jahr 2018 hätten unabhängige Verkäufer 58 Prozent der Transaktionen auf der Plattform abgewickelt.