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Seit dem 11. September 2001 hat sich ein globaler Markt für Überwachungssoftware entwickelt. Privatfirmen setzen mittlerweile etwa fünf Mrd. Dollar mit elektronischen Spionagewerkzeugen um, wie das Wall Street Journal berichtet. Die Technologie ermöglicht mittlerweile viel mehr, als die Gesetze der meisten Länder erlauben.

Die Software wird nicht nur an zweifelhafte Regimes verkauft, sondern auch an Demokratien. "Es ist bedenklich, dass westliche Staaten diese Mittel einsetzen. Solche Massnahmen sind ein direkter Angriff auf die Demokratie", kritisiert Quintessenz-Obmann Georg Markus Kainz.

Freie Marktwirtschaft

Staatliche Nachrichtendienste haben schon immer Technologien entwickelt, um Kommunikationskanäle abzuhören. 200 Seiten Dokumente, die von einer geheimen Überwachungskonferenz bei Washington D.C. stammen, zeigen jetzt, wie sehr sich mittlerweile auch die Privatwirtschaft auf diesem Sektor engagiert. Auf ähnlichen Symposien auf der ganzen Welt präsentiert die Sicherheitsbranche die neuesten Trends in der Überwachungstechnologie. Korrupte Regimes können deshalb auf sehr fortschrittliche Technologien zurückgreifen. "Die notwendigen Investitionen sind verhältnismässig gering. Die Mittel der Staaten sind beinahe unerschöpflich", so Kainz.

Auf die zwielichtigen Geschäfte angesprochen, reagieren die meisten Firmen verschnupft. Sie berufen sich darauf, dass sie Gesetze befolgen und nicht für eventuellen Missbrauch ihrer Produkte verantwortlich sind. Ausserdem unterliegen die meisten Geschäfte der Geheimhaltungspflicht. "Es wäre wünschenswert, dass die Staaten die Einhaltung von Gesetzen besser kontrollieren. Sie haben aber kein Interesse daran, da das ihre eigene Wirtschaft schwächen würde. Die Situation ist ähnlich wie in der Rüstungsindustrie", sagt Kainz. Die Firmen, die den Markt bedienen, stammen grossteils aus den Industrienationen.

Unglaubliche Fähigkeiten

Die milliardenschwere Industrie liefert überallhin, wo es Nachfrage gibt. Das schliesst auch viele demokratische Staaten ein. "Das US Department of Homeland Security überwacht nach eigenen Angaben 80 Prozent der weltweiten E-Mails. Auch internationale Telefonate und der Datenverkehr im Netz dürften in ähnlichem Ausmass kontrolliert werden. Deutschland, Schweiz und Österreich bespitzeln die Bürger nicht so stark. Das wäre auch sehr teuer. Mit der Vorratsdatenspeicherung eröffnen sich allerdings neue Möglichkeiten für Missbrauch", so Kainz.

Die technischen Möglichkeiten zur Überwachung sind mittlerweile fast unbegrenzt. Eine britische Firma ermöglicht das simultane Scannen von zehntausenden Telefongesprächen. Ein Unternehmen aus Kalifornien hilft chinesischen Handybetreibern, den Internetverkehr auf Handys in Echtzeit zu kontrollieren. Andere Firmen ermöglichen es, Keylogger auf Computern einzuschleusen oder den Internetverkehr eines ganzen Landes zu überwachen. Um sich Zugang zu einem System zu verschaffen, beschäftigen die Sicherheitsfirmen Spezialisten, die Sicherheitslücken in gängiger Software aufdecken. Manchmal werden sogar gefälschte Updates auf Rechnern installiert.

"Absolute Sicherheit gibt es nicht. Der Einsatz von Open-Source-Software kann aber helfen, da alle Nutzer gemeinsam nach Auffälligkeiten suchen. Auch die Vielfalt des Software-Angebots schützt vor Gefahr. Ein Angreifer kann bei vielen Anbietern kaum jeden Antiviren-Hersteller kaufen", erklärt Kainz.



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