Content versus Überzeugung: Weniger Fake News ändert daran nichts (Bild: ChatGPT/Dall-E)

Die signifikante Verringerung von Content aus unzuverlässigen Quellen auf Facebook und Instagram verändert die grundlegenden politischen Überzeugungen und Einstellungen von Menschen nicht. Das zeigt ein Experiment von Forschern der University of California, Berkeley. Der Effekt tritt auch bei jenen auf, die zuvor oft Inhalte aus solchen Quellen gesehen hatten.

Den Experten um Doktorand Olivier Bergeron-Boutin zufolge können soziale Netzwerke zwar beeinflussen, was Menschen sehen. Der Kampf gegen Fehlinformationen und politische Polarisierung müsse jedoch tiefere Ursachen berücksichtigen, die bestimmen, woran Menschen am Ende des Tages tatsächlich glauben, so das Team der University of California, Berkeley.

Im Test wurde die Sichtbarkeit von Inhalten zum US-Präsidentschaftswahlkampf 2020 aus unzuverlässigen Quellen auf Facebook und Instagram um 70 Prozent reduziert - mit kaum Folgen auf die politischen Überzeugungen. Auch waren die Inhalte aus unzuverlässigen Quellen nicht gleichmässig unter den Nutzern von Facebook und Instagram verteilt.

Die meisten Nutzer beider Plattformen sahen nur sehr wenige solcher Inhalte. Stattdessen entfiel der Grossteil der Exposition auf eine relativ kleine Gruppe: 23 Prozent der Facebook-Nutzer und lediglich elf Prozent der Instagram-Nutzer waren für rund 80 Prozent der gesamten Sichtbarkeit von Informationen aus unzuverlässigen Quellen verantwortlich.

"Die Konfrontation mit Inhalten aus unzuverlässigen Quellen in sozialen Medien ist seltener und stärker konzentriert, als viele Menschen annehmen. Darüber hinaus hatte die Verringerung der Sichtbarkeit dieser Inhalte nicht die Auswirkungen auf Überzeugungen, Einstellungen und Verhalten, die viele vermutet hatten", so Ko-Autor Brendan Nyhan vom Dartmouth College.

Die Studie macht zudem auf ein weiteres Problem aufmerksam, das Wissenschaftler in diesem Forschungsbereich bereits seit langer Zeit benennen: Um zu verstehen, wie soziale Medien die Gesellschaft beeinflussen, benötigen Forscher Zugang zu den Plattformen und vor allem deren Algorithmen selbst - doch dieser Zugang wird zunehmend eingeschränkt, heisst es.