Bei der Schweizer Bundesverwaltung gibt es weiterhin erhebliche, wiederkehrende Defizite bei den Informatik-Schlüsselprojekten. Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) stellt ein schlechtes Zeugnis aus und kritisiert, dass die Bundesbehörden im Wesentlichen dieselben Fehler wie vor zehn Jahren wiederholen. Trotz punktueller Nachbesserungen in Einzelprojekten würden die übergeordneten Lehren nicht auf neue Grossvorhaben übertragen.
Ein aktueller Synthesebericht der EFK (basierend auf 24 Projektprüfungen der Jahre 2024 und 2025) benennt zentrale Defizite. So fehle es häufig an einer lückenlosen Gesamtplanung. Prioritäten blieben unklar, wodurch Ressourcen nicht strategisch zugeteilt würden. Bei Grossprojekten wie dem Gesundheitsprogramm Digisanté würden Millionen an Steuergeldern investiert, ohne vorab messbare Ziele zu definieren. Der tatsächliche Mehrwert bleibe unbeweisbar. Der Übergang von der Entwicklungsphase in den laufenden Betrieb scheitere regelmässig an mangelndem internen Support und einer zu grossen Abhängigkeit von externen Dienstleistern. Zudem verbessere sich die Zusammenarbeit zwischen dem Bund und den Kantonen nicht spürbar. Dem Bund fehle in vielen Bereichen die nötige gesetzliche Durchsetzungskraft für einheitliche Lösungen. Auch beim sicherheitsrelevanten Notfunksystem Polycom wurde etwa kritisiert, dass sich das System nicht ausreichend in Echtzeit überwachen lasse, um Angriffe sofort zu erkennen.
Zu den namhaften Projekten, die in der Kritik stehen, zählen "Auszahlung Arbeitslosengelder" (AVAM), Polycom (Sicherheitsfunk), Digisanté (Gesundheitswesen) und ZEMIS (Migration). Im Fokus steht aber auch die E-ID (Digitale Identität). Hier warnt die EFK eindringlich, dass der Bund hier bei Fehlern "faktisch keine zweite Chance" für das Vertrauen der Bevölkerung habe.
Die Schweizer Bundeskanzlei relativiert die scharfe Kritik teilweise. Sie betont, dass die Bundesverwaltung jährlich rund 200 IT-Projekte abschliesse und die grosse Mehrheit davon erfolgreich verlaufe. Schlüsselprojekte seien naturgemäss mit einem hochkomplexen Umfeld und schwierigen Anspruchsgruppen konfrontiert. Dennoch hat der Bundesrat reagiert: Die Bundeskanzlei erhielt den offiziellen Auftrag, die zentrale Steuerung und Kontrolle der digitalen Transformation über alle Departemente hinweg grundlegend weiterzuentwickeln, um von Einzellösungen zu standardisierten, gemeinsamen Systemen überzugehen.
