Stromverbrauch Schweizer Rechenzentren moderat (Symbolbild: Pixabay/Yamu Jay)

Im Jahr 2024 betrug der Stromverbrauch der Rechenzentren in der Schweiz 2,1 TWh, was ungefähr 3,6 Prozent des helvetischen Gesamtverbrauchs entspricht. Bis 2030 wird ein Anstieg des Stromverbrauchs der inländischen Rechenzentren auf 2,5 bis 3,2 TWh erwartet. Dies geht aus einer neuen Studie hervor, die von Energieschweiz, einem Programm des Bundesamtes für Energie (BFE), in Auftrag gegeben wurde.

Seit der letzten Erhebung im Jahr 2019 ist der Verbrauch von Rechenzentren um knapp 20 Prozent gestiegen. Während bei den grossen kommerziellen Rechenzentren (44 Prozent des Verbrauchs) eine deutliche Zunahme verzeichnet wurde, stagniert oder sinkt der Verbrauch vieler unternehmensinterner Rechenzentren (56 Prozent des Verbrauchs). Der Grund liegt gemäss der Studie in Effizienzsteigerungen und IT-Auslagerungen in die Cloud oder an spezialisierte Anbieter. Dies erkläre auch, warum der Verbrauch gesamthaft nur moderat zugenommen habe.

Die letzte Studie von 2019 berücksichtigte auch Serverräume und hatte dadurch einen grösseren Untersuchungsumfang. Um die Erhebung zu vereinfachen, wurden die Serverräume diesmal nicht einbezogen. Bei gleicher Systemgrenze betrug der Verbrauch 2019 insgesamt 1,77 TWh, was 3,1 Prozent des damaligen Schweizer Stromverbrauchs ausmachte. Der Verbrauch stieg von 2019 bis 2024 um 18 Prozent (durchschnittlich 3,4 Prozent jährlich).

Das verbleibende Energieeffizienzpotenzial wird auf rund 0,8 TWh geschätzt, also fast 38 Prozent des gesamten Stromverbrauchs von Rechenzentren in der Schweiz. Der Spielraum für Verbesserungen ist bei der IT-Ausstattung etwas grösser als bei der Gebäudeinfrastruktur.

Einzig die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich betreibt am Swiss National Supercomputing Centre (CSCS) in Lugano einen KI-Supercomputer. Unternehmen sowie Privatpersonen nutzen im Ausland vortrainierte KI-Modelle. In der Schweiz gibt es noch keine Rechenzentren, die auf das Trainieren von Large Language Models (LLM, grosse Sprachmodelle) ausgelegt sind. Solche Rechenzentren weisen eine Leistung von mehreren Hundert Megawatt auf. Die in der Schweiz gebauten grossen Rechenzentren dienen bisher vor allem Cloud-Anwendungen.

Laut dem Bericht zur Studie "Rechenzentren in der Schweiz – Stromverbrauch und Effizienzpotenzial" könnte der Gesamtstromverbrauch der Rechenzentren in der Schweiz bis 2030 auf 2,5 bis 3,2 TWh anwachsen. Der Verbrauch kommerzieller Rechenzentren könnte sich mehr als verdoppeln. Gemäss diesem "maximalen" Szenario könnte der Stromverbrauch der Schweizer Rechenzentren bis 2030 auf 3,5 TWh steigen (was 6,0 Prozent des 2024 in der Schweiz verbrauchten Stroms entspricht). Das BFE beabsichtigt, den Verbrauch und die Effizienz von Rechenzentren in den nächsten Jahren verstärkt zu überwachen.

Die Swiss Datacenter Association (SDCA) begrüsst im Rahmen einer Aussendung die Ergebnisse als wichtige Grundlage für eine faktenbasierte Debatte. Sie würde belegen, dass Schweizer Rechenzentren trotz deutlich steigender digitaler Nachfrage mit Augenmass wachsen würden, weil professionelle Betreiber kontinuierlich in Effizienz investieren.
Die SDCA verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass Rechenzentren die physische Grundlage der modernen Schweiz darstellen. Sie ermöglichten den Zahlungsverkehr der Banken, die Kommunikationsinfrastruktur der Unternehmen, die digitalen Dienste der Bundesverwaltung und der Kantone, die Patientendaten der Spitäler und die Plattformen, auf denen Millionen Menschen täglich arbeiten, kommunizieren und sich informieren. Ohne Rechenzentren stünde die Schweizer Wirtschaft und Verwaltung still, so die SDCA. Ihr Stromverbrauch sei deshalb nicht isoliert zu betrachten, sondern im Verhältnis zu dem, was er ermöglicht: eine funktionierende, wettbewerbsfähige und digital souveräne Volkswirtschaft.

SDCA-Präsident Roger Süess kommentiert: "Die BFE-Studie zeigt ein deutlich nüchterneres Bild, als viele Schlagzeilen vermuten lassen. Schweizer Rechenzentren stehen nicht für einen unkontrollierten Stromanstieg, sondern für professionelle, zunehmend effiziente digitale Infrastruktur. Wer die Zahlen im Verhältnis zum Gesamtstromverbrauch und zu den erzielten Effizienzgewinnen liest, erkennt: Der Standort Schweiz kann Digitalisierung und Energieeffizienz sehr wohl zusammenbringen."