Als Trittbrettfahrer in der Datenleitung soll die an der University of Michigan entwickelte Software Telex den Netzzensoren weltweit ein Schnippchen schlagen. Die Verbindung zu nicht blockierten Seiten wird genutzt, um von den Behörden unerwünschte Seiten am Computer des Users anzeigen zu lassen.

"Wir haben das Programm auch schon in China getestet und es gab kein Problem mit der Zensur", schildert Alex Halderman, der zum vierköpfigen Entwicklungsteam gehört. Um die Netzsperren zu unterlaufen, bedient sich Telex einer gewieften Methode. Will der Nutzer eine blockierte Seite aufrufen, so stellt das Programm als Client zuerst die Verbindung zu einer unverdächtigen Seite ausserhalb des Herkunftslandes her. Bei diesem Request wird eine verschlüsselte Markierung (Tag) mitgesandt, die nur vom Telex-Serviceprogramm erkannt wird. Hat ein Internet Service Provider dieses in Betrieb, so kann nutzt diese "Telex Station" dessen Verbindung, um die Anfrage zu entschlüsseln und den eigentlich gewünschten Inhalt zurück zu liefern.

Gängig ist aktuell die Umgehung der Zensursysteme durch die Herstellung eines Netzwerktunnels zu einem Proxyserver, der die Verbindung blickdicht für den Zensor macht. Dies jedoch führt zu einem Katz- und Maus-Spiel, da die benutzten Proxys in der Regel schnell auf der Blacklist der staatlichen Autoritäten landen. Für den Telex-Nutzer sind dabei keine Spezialkenntnisse von Nöten, die Software soll ihre Arbeit vollautomatisch verrichten. Um breite Funktionstüchtigkeit zu gewährleisten, müssen jedoch möglichst viele ISPs Telex-Stationen bereit stellen.

Die Software befindet sich erst im frühen Proof-of-Concept-Status, die Entwickler zeigen sich mit den bisherigen Ergebnissen sehr zufrieden. "Wir haben den Client von Peking aus getestet und konnten damit sogar Youtube-Videos in HD-Qualität streamen, obwohl Youtube dort blockiert wird", vermeldete Halderman in einem Blogeintrag.