René Vogel, Gründer von Mr. Vision (Bild: zVg)

René Vogel ist Gründer von Mr. Vision und bringt Zukunftstechnologien auf Bühnen und in Unternehmen. Sein Fokus liegt auf humanoiden Robotern, Physical AI, XR-Erlebnissen und smarter Digitalisierung. Im Interview geht er unter anderem darauf ein, warum Zukunftstechnologien nicht nur erklärt, sondern auch live erlebbar gemacht werden sollen.

ICTkommunikation: Mit "Henrietta" bringen Sie einen humanoiden Roboter mit zum "AI Mountain Summit", der am 28. Mai im alpinenn Laax stattfindet. Sie wollen, dass KI nicht nur diskutiert, sondern konkret erlebbar wird, nämlich als physische Technologie, die mit Menschen interagiert, die Aufmerksamkeit schafft und neue Perspektiven auf Arbeit, Kundenerlebnis und Vertrauen eröffnet. Was darf man von "Henrietta" konkret erwarten?

René Vogel: Ich möchte, dass die Leute kurz vergessen, dass sie an einer Konferenz sind. Wenn "Henrietta" vor ihnen steht, sich bewegt, reagiert und vielleicht sogar interagiert, passiert etwas Entscheidendes: Technologie wird real. Viele haben schon Videos gesehen. Aber wenn ein humanoider Roboter plötzlich direkt vor Ihnen steht, verändert das die Wahrnehmung komplett. Mein Ziel ist genau dieser Moment: Staunen, Neugier – und dann die Frage "Was bedeutet das für mich und mein Business?".

ICTkommunikation: Viele Menschen sprechen über KI als Software im Hintergrund. Was verändert sich, wenn KI plötzlich einen Körper bekommt und direkt vor uns steht?

René Vogel: Sobald KI einen Körper hat, wird sie Teil unserer physischen Welt. Das ist ein riesiger Unterschied. Software kann analysieren und entscheiden – aber erst mit einem Körper kann sie handeln. Dinge bewegen, unterstützen, eingreifen. Und noch etwas passiert: Die emotionale Reaktion. Ein Chatbot bleibt abstrakt. Ein Roboter vor Ihnen ist präsent. Plötzlich geht es nicht mehr nur um Technologie, sondern um Interaktion, Vertrauen und auch Verantwortung.

ICTkommunikation: Henrietta soll also Zukunftstechnologie greifbar namachen. Wo sehen Sie heute die spannendsten realistischen Einsatzmöglichkeiten für humanoide Roboter in Unternehmen?

René Vogel: Wir sind noch nicht bei "der eine Roboter macht alles”. Aber es gibt klare erste Felder, wie etwa repetitive Aufgaben in Logistik und Produktion, die Unterstützung bei einfachen Service-Interaktionen sowie Empfang, Events, Kundenkontakt als "Interface” zwischen Mensch und System.
Und was oft unterschätzt wird: Der Mehrwert entsteht nicht nur durch Effizienz, sondern auch durch Erlebnis. Gerade im Kundenkontakt können humanoide Roboter heute schon echten Unterschied machen.

ICTkommunikation: Sie beschäftigen sich mit Physical AI, XR und immersiven Technologien. Wie verändern solche Technologien die Art, wie wir lernen, arbeiten und mit digitalen Systemen interagieren?

René Vogel: Wir gehen weg von "Bildschirm + Maus" hin zu direkter Interaktion. Mit XR können wir Dinge sehen, die sonst unsichtbar sind. Mit Physical AI können Systeme handeln statt nur anzeigen. Dies verändert das Lernen massiv: Man liest nicht mehr nur, sondern man erlebst, man schaut nicht mehr nur zu, sondern man interagiert. Und im Business heisst das: Entscheidungen werden schneller, verständlicher und oft auch intuitiver.

ICTkommunikation: Bei humanoiden Robotern entstehen schnell Faszination, aber auch Skepsis. Welche Reaktionen erleben Sie bei Menschen, wenn sie Henrietta zum ersten Mal begegnen?

René Vogel: Alles – und oft innerhalb von Sekunden. Zuerst kommt fast immer ein “Wow”. Dann folgt Neugier. Viele wollen näherkommen, Fotos machen, interagieren. Und dann kommt oft die zweite Ebene: "Okay… und was bedeutet das für meinen Job?"
Genau diese Mischung ist spannend. Faszination öffnet die Tür – danach kann man über echten Mehrwert sprechen.

ICTkommunikation: Wo liegen aus Ihrer Sicht aktuell noch die klaren Grenzen humanoider Roboter – technisch, wirtschaftlich oder gesellschaftlich?

René Vogel: Ganz klar: Robustheit und Alltagstauglichkeit. Viele Systeme funktionieren gut in kontrollierten Umgebungen. Aber die echte Welt ist chaotisch, unvorhersehbar und voller Edge Cases. Und dazu kommen noch die Kosten, die Energieversorgung sowie Sicherheit und Regulierung.
Auch gesellschaftlich sind wir noch am Anfang: Wir müssen erst lernen, wie wir sinnvoll mit solchen Systemen zusammenarbeiten.

ICTkommunikation: Wenn Sie nach vorne blickst: Werden humanoide Roboter in wenigen Jahren ein normaler Teil unseres Arbeits- und Alltagslebens sein, oder bleiben sie vorerst vor allem ein Erlebnis für Events und Showcases?

René Vogel: Beides – aber nicht gleich schnell. Kurzfristig sehen wir sie vorwiegend dort, wo Sichtbarkeit wichtig ist: Events, Empfang, Marketing. Das ist auch logisch, weil sie dort sofort Wirkung erzeugen. Parallel passiert im Hintergrund aber etwas viel Grösseres: Die Technologie wird Schritt für Schritt robuster, günstiger und spezialisierter. Ich bin überzeugt: In einigen Jahren werden wir humanoide Roboter ganz selbstverständlich in bestimmten Rollen sehen. Nicht überall – aber genau dort, wo sie echten Mehrwert liefern.

ZUR PERSON:
René Vogel ist ein Schweizer IT-Unternehmer, Dozent und Experte für Zukunftstechnologien wie Physical AI (physische KI), humanoide Robotik und Extended Reality (XR). Nach einer jahrzehntelangen Karriere im Kultur- und IT-Sektor gründete er Ende 2024 die Digitalberatung Mr. Vision. Er ist denn auch in der Event- und Techbranche als "Mr. Vision" bekannt. Mit seiner eigenen Firma berät Vogel Unternehmen in Innovationsfragen, hält Keynotes in ganz Europa und macht Zukunftstechnologien im wahrsten Sinne des Wortes "anfassbar“. Sein bekanntestes Markenzeichen ist die humanoide Roboterdame "Henrietta“ (ein Unitree-Roboter), die er live auf Bühnen, Messen und sogar Modeschauen performen lässt, um Physical AI greifbar zu machen.

Vogel prägte davor über zwei Jahrzehnte die digitale Transformation des Schweizer Landesmuseums. Er startete in den 1990er-Jahren in der klassischen IT-Branche und leitete beim Nationalmuseum über 20 Jahre lang die Informatik. Ab Januar 2015 übernahm er zusätzlich die Rolle als Stellvertretender Geschäftsführer des Museumsbetriebs. Unter seiner Führung entstanden prämierte Pionierprojekte wie preisgekrönte Museums-Apps (z.B. bei Best of Swiss Apps).

Für die renommierte KI-Forschungsorganisation Mindfire (Lab42) agierte er zeitweise als Global Project Lead und organisierte in dieser Rolle die International Humanoid Conference in Zürich und Davos. Zudem engagiert er sich als Co-Organisator des Davos Tech Summit für den Bereich Robotik.

Er gibt sein Wissen im Bereich neuer Technologien aktiv weiter, unter anderem seit September 2025 als Dozent für das CAS Future Tech an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich. Er ist zudem Gründer und Präsident des Robotics Owners Club Schweiz (ROCS). Weiters bringt er seine Expertise als aktives Mitglied in der Fachgruppe Innovation von SwissICT sowie seit Oktober 2024 als Jury-Mitglied bei "Best of Swiss Software“ ein.

Die IT-Erfahrung des in Seuzach bei Winterthur lebenden IT-Unternehmers reichen von den Anfängen früher Web-Systeme in den 1990er-Jahren bis zur Programmierung hochmoderner Robotik-Schnittstellen.

AI Mountain Summit in Laax:
Mit "Henriette", dem humanoiden G1-Roboter, bringt René Vogel von Mr. Vision Robotik zum Anfassen Mit "Henriette" an den erstmals durchgeführten "AI Mountain Summit", der am 28. Mai in Laax über die Bühne geht. Der Summit will Entscheidungsträger aus Wirtschaft, Politik und Forschung zusammen bringen und Raum für strategische Diskussionen, praxisnahe Einblicke und persönlichen Austausch schaffen. Zu den Keynote-Rednern zählen Adrian Ott, Chief Artificial Intelligence Officer von EY Schweiz, Digital-Vordenker Sascha Lobo, Microsoft CTO Marc Holitscher, Wolf Lotter, Wirtschaftsjournalist, Autor und einer der prägenden Vordenker der Wissensökonomie, Sina Wulfmeyer, Chief Data Officer bei Unique AI oder der Weisse Arena Chairman Reto Gurtner.
Weitere Infos und Anmeldung: https://mountainsummit.ai/

Galaaxy - Veranstaltungsort für den AI Mountain Summit in Laax (Bild: Galaaxy)
Galaaxy - Veranstaltungsort für den AI Mountain Summit am 28.5. in Laax (Bild: Galaaxy)