Dem südkoreanischen Elektronikgiganten Samsung droht aktuell der grösste Streik der Unternehmensgeschichte. Rund 48.000 gewerkschaftlich organisierte Mitarbeiter haben einen 18-tägigen Generalstreik angekündigt, der am morgigen 21. Mai beginnen soll. Die Verhandlungen über Bonuszahlungen zwischen dem Management und der Gewerkschaft sind trotz staatlicher Vermittlung festgefahren.
Auslöser des Konflikts zwischen Belegschaft und Management ist, dass Samsung im ersten Quartal 2026 dank des KI-Booms enorme Rekordgewinne eingefahren hat. Der Betriebsgewinn verachtfachte sich im Vergleich zum selben Vorjahreszeitraum.
Nun fordern die Arbeiter und Angestellten des Konzerns eine dauerhafte Gewinnbeteiligung von 15 Prozent des jährlichen Betriebsgewinns. Die Geschäftsleitung von Samsung Electronics hingegen bietet maximal 10 Prozent an, gekoppelt an bestimmte Gewinnschwellen und begrenzt auf drei Jahre. Die Konzernleitung warnt vor Spannungen mit anderen Abteilungen, da die geforderten Rekordboni fast ausschliesslich an die Halbleiter-Sparte fliessen würden, die für die exorbitanten Gewinne hauptveranatwortlich ist.
Ein Mediationsversuch der südkoreanischen Regierung scheiterte bislang. Das Management lehnte den Kompromissvorschlag ab. Ein Gericht hat zudem entschieden, dass eine vollständige Arbeitsniederlegung unzulässig sei. Der Geschäftsbetrieb müsse auf einem normalen Niveau fortgeführt werden. Der Regierung steht als letztes Mittel eine staatliche Notfall-Schlichtung zur Verfügung. Diese Massnahme kann den Streik temporär für 30 Tage untersagen.
Die südkoreanische Zentralbank schätzt, dass der Ausstand das nationale Wirtschaftswachstum um 0,5 Prozentpunkte senken könnte. Der finanzielle Schaden wird auf bis zu 20 Milliarden US-Dollar geschätzt. Die US-Handelskammer in Südkorea warnt zudem vor massiven Unterbrechungen globaler Lieferketten. Da der Markt für Speicherchips wegen des KI-Booms ohnehin angespannt ist, droht eine Verschärfung der Halbleiter-Engpässe. Grosskunden wie Nvidia, AMD und Google könnten direkt von Lieferverzögerungen betroffen sein.
