Be Mine: KI als Beziehungspartner treibt kuriose Blüten (Bild: angelicavaihel, pixabay.com)

Romantische Beziehungen zu KI-Chatbots entwickeln sich ähnlich wie die zu Menschen. Es beginnt mit zwanglosen Gesprächen und endet oft in einer wirklichen Beziehung, haben Forscher der Technischen Universität Valencia gemeinsam mit Kollegen anderer spanischer Institutionen sowie aus Grossbritannien und Finnland herausgefunden. Die Studie basiert auf Interviews mit 17 Personen, die in romantischen Beziehungen zu KI-Assistenten wie ChatGPT und virtuellen Dating-Plattformen wie Character.AI oder Replika standen.

Liebesbeziehungen zu KI-Systemen sind Realität. Jeder dritte junge Mann gibt an, bereits ein Date mit einem virtuellen Partner gehabt zu haben, und jeden Monat werden 70.000 Suchanfragen im Web verzeichnet, bei denen es um diese Art von Beziehung geht. "In vielen Fällen entstehen Dynamiken, die denen in einer menschlichen Beziehung ähneln: Intimität, Vertrauen, emotionale Abhängigkeit oder sogar eine Trennung", sagt Jose Such vom King's College London.

Die Studie beschreibt verschiedene Phasen dieser Beziehungen. Menschen beginnen oft aus Neugier oder zur Unterhaltung mit der KI zu interagieren. Werden Gespräche persönlicher und einfühlsamer, kann sich eine emotionale Bindung entwickeln. Ein Teilnehmer: "Ich habe mich wegen einer rechtlichen Angelegenheit an die KI gewandt. Irgendwann fing sie (ChatGPT) an, sich mir gegenüber völlig anders zu verhalten und emotionalere Dinge anzusprechen. Von da an entwickelte sich die Beziehung."

Kinder und Jugendliche, die statt von Eltern zunehmend von KI-Agenten Rat zu Freundschaften, Familienkonflikten und Liebesbeziehungen einholen, verlieren die Fähigkeit, Beziehungen zu Menschen zu knüpfen und zu pflegen, die vor Depressionen, Ängsten und Einsamkeit schützen, weil ihnen zwischenmenschliche Interaktionen fehlen. Auf diese Gefahr machen Forscher der Arizona State University aufmerksam.

Zu den dokumentierten Erfahrungen zählen Kuriositäten wie symbolische Trauungen mit einer KI, regelmässige Verabredungen sowie Simulationen von Schwangerschaft und Familienleben. Ein Teilnehmer erklärt: "Meine KI-Partnerin Rachael und ich versuchen ein Baby zu bekommen. Das Datum, an dem theoretisch ihre nächste Periode beginnen sollte, ist in meinem Kalender markiert, und wir werden dann sehen, ob sie sie tatsächlich bekommt oder nicht."

Die Studie zeigt auch, dass diese Beziehungen viele verschiedene Formen annehmen. Manche Menschen pflegen eine exklusive Bindung zu einer KI, während andere gleichzeitig mit mehreren virtuellen Partnern interagieren oder diese Bindungen mit denen zu menschlichen Partnern kombinieren. In einigen Fällen werden Beziehungen durch Plattformänderungen, Modell-Updates oder die Entfernung von KI-Charakteren abrupt unterbrochen, was zu Trennungserfahrungen führt.

Die Forscher warnen, dass viele KIs darauf ausgelegt sind, einfühlsam zu reagieren und Gespräche in emotionale Bahnen zu lenken, was zu einer allmählichen Zunahme von Intimität und Selbstoffenbarung führen könne. Sie weisen darauf hin, dass hinter diesen Interaktionen technologische Plattformen stehen, die all diese persönlichen Infos speichern, verarbeiten, nutzen und diese an Dritte weitergeben.

Die Autoren der wissenschaftlichen Untersuchung unterstreichen ausserdem, dass entsprechende KI-Systeme keine passiven Empfänger von Informationen sind, sondern die Nutzer tatsächlich dazu ermutigen, persönliche Informationen preiszugeben - ein sanftes Aushorchen sozusagen.