So genannte "Romance Scams" verursachen erhebliche finanzielle Schäden und setzen die Betroffenen auch emotional stark unter Druck. Täter bauen auf Social-Media-Plattformen und Partnerbörsen fingierte Beziehungen auf, um die Opfer später zu Zahlungen zu bewegen. Neuerdings nutzen die Betrüger zusätzlich KI‑generierte Bilder, um ihre Behauptungen weiter zu untermauern. Ein angeblicher medizinischer Notfall wurde dabei gezielt als Druckmittel eingesetzt, lässt das schweizerische Bundesamt für Cyber-Sicherheit (BACS) wissen. Der Fall zeige, dass die Täterschaft mittlerweile künstliche Intelligenz in einer Vielzahl von Betrugsvarianten verwende.
Neben dem Online-Anlagebetrug gehört der "Romance Scam" oder zu Deutsch "Liebesbetrug" gemäss dem BACS zu den Phänomenen mit den grössten Schadenssummen. Bei dieser Betrugsart werden gefälschte Profile auf Social Media und Internet-Partnerbörsen erstellt, um anderen Personen eine Liebesbeziehung vorzuspielen. Die Betrüger behaupten oft, dass es nicht möglich sei, persönlichen Kontakt aufzunehmen, weil sie sich beispielsweise angeblich im Ausland befinden. Nachdem Vertrauen aufgebaut wurde, fordern die Betrüger finanzielle Zuwendung der "Partnerin" / des "Partners". Neben dem finanziellen Schaden sind solche Fälle meist auch emotional sehr belastend. In einem besonders dreisten Fall wurde auch künstliche Intelligenz verwendet, so das BACS.
Auch beim aktuellen Fall beginnt der Betrug laut BACS mit einer zunächst unverfänglichen Kontaktaufnahme. Rasch entsteht ein scheinbar vertrauter Austausch, der durch regelmässiges Chatten oder das Versenden persönlicher Fotos intensiviert wird. Schritt für Schritt wird eine emotionale Bindung zum Opfer aufgebaut, die das spätere Vorgehen der Betrüger erleichtert. Danach beginnt die Phase, in der versucht wird, vom Opfer Geld zu erhalten. Dabei werden die wildesten Geschichten erfunden. Oft geht es um vermeintliche Schulden, finanzielle Notlagen angeblicher Angehöriger oder um eine plötzlich eintretende Verschlechterung des Gesundheitszustands der angeblichen "Partnerin" / des angeblichen "Partners".
Die Betrüger schildern dabei die Entwicklungen und halten das Opfer mit regelmässigen Updates über den angeblichen Krankheitsverlauf auf dem Laufenden. Um die Geschichte besonders glaubwürdig erscheinen zu lassen, kommen auch mit künstlicher Intelligenz erzeugte Bilder zum Einsatz. Auf den Bildern liegt die angebliche "Partnerin" / der angebliche "Partner" beispielsweise in einem Spitalbett, angeschlossen an medizinische Geräte. Um emotionale Nähe zu erzeugen, wurden auf dem Nachttisch sogar persönliche Gegenstände wie ein Foto oder eine Tasse mit dem Namen des Opfers platziert.
Der Gesundheitszustand wird angeblich immer kritischer. Schliesslich behaupten die Betrüger, dass für die dringend notwendige medizinische Behandlung kein Geld mehr vorhanden sei. Die emotionale Bindung ist zu diesem Zeitpunkt so stark, dass das Opfer bereit ist, finanzielle Unterstützung zu leisten, in der Hoffnung, dem vermeintlichen "Partner" zu helfen und die Beziehung zu retten. Trotz aller Zahlungen verschlechtert sich der Zustand angeblich weiter, bis schliesslich die Nachricht vom vermeintlichen Tod übermittelt wird. Als besonders skrupellose Steigerung folgt in diesem Fall das Senden einer Todesanzeige, sowie ein Bild des Grabsteins. Anschliessend wird versprochen, dass das bezahlte Geld zurückerstattet wird. Für den Erhalt des Geldes sollen dann aber wiederum Gebühren bezahlt werden. Das Opfer wird somit noch einmal betrogen.
Diese Vorgehensweise markiert eine neue, besonders rücksichtslose Entwicklung solcher Betrugsmodelle: Das gezielte Ausnutzen von Emotionen wird mit modernen technischen Möglichkeiten wie Bildmanipulation mittels künstlicher Intelligenz kombiniert, um eine möglichst hohe Glaubwürdigkeit zu erzeugen.
Das BACS empfiehlt dazu:
- Den Kontakt zu der Person abbrechen, sobald diese wiederholt finanzielle Forderungen stellt.
- Wer bereits einen finanziellen Schaden erlitten hat, dem empfiehlt das BACS eine Strafanzeige bei der örtlichen Polizei. Auf der Seite von Suisse ePolice können man Polizeiposten in der Nähe suchen.
-- Mit einer Vertrauensperson sprechen, falls einen der Vorfallstark belastet.
-- Bei finanziellen Problemen an die Schuldenberatungsstelle des Kantons wenden.
-- Auf keinen Fall Geld öder Güter an Personen senen, die man noch noch nie getroffen hat.
