Rund ein Drittel der österreichischen Unternehmen wurde in den letzten 24 Monaten Opfer von Wirtschaftskriminalität. Das zeigt die aktuelle „Global Economic Crime and Fraud Survey 2020“ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Pricewaterhousecoopers (PWC). Betrug durch Kunden, Cyberkriminalität sowie Vermögensdelikte sind die häufigsten Straftaten.

Für die repräsentative Erhebung, die von PWC seit zwei Jahrzehnten weltweit alle zwei Jahre durchgeführt wird, wurden über 5.000 Führungskräfte in 99 Ländern befragt. Vor allem Straftaten wie Betrug durch Kunden, Cyberkriminalität und Vermögensdelikte beeinträchtigten Unternehmen weltweit. Die Befragten berichteten von mehr als 11.500 Fällen von Wirtschaftskriminalität, mit einer Gesamtschadenssumme von 42 Milliarden US-Dollar. Weltweit gibt sogar knapp die Hälfte aller befragten Teilnehmer (47 Prozent) an, innerhalb der letzten 24 Monate Opfer von Wirtschaftskriminalität geworden zu sein. Damit bleibt der weltweit hohe Anteil von 2018 (49 Prozent) auch weiterhin fast unverändert bestehen. Durchschnittlich berichten die Unternehmen von sechs Wirtschaftsdelikten innerhalb der letzten zwei Jahre. „Der Kampf gegen Wirtschaftskriminalität wird niemals aufhören. Es geht darum, das Problem an der Wurzel zu packen um zukünftigen Betrugsfällen vorzugreifen und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Ob mittels neuester Technologien, effektiver Prozesse oder maßgeschneiderter Schulungen – vorrangiges Ziel ist es, Unternehmen das Rüstzeug mitzugeben, Wirtschaftsverbrechen stärker entgegenzuwirken“, erklärt Kristof Wabl, Forensics Leader bei PWC Österreich.

Die schwerwiegendsten Wirtschaftsdelikte sind weltweit gleich

Die drei häufigsten Arten von Wirtschaftskriminalität sind weltweit Betrug durch Kunden (35 Prozent), Cyberkriminalität (34 Prozent) und Vermögensdelikte (31 Prozent). Gleichzeitig fügen diese drei Deliktsarten Unternehmen den empfindlichsten wirtschaftlichen Schaden zu. Etwa 13 Prozent der weltweit Befragten, die in den letzten 24 Monaten mit einem Wirtschaftsdelikt konfrontiert waren, gaben an, insgesamt mehr als 50 Millionen US-Dollar verloren zu haben. Die direkten finanziellen Schäden sowie die Ausgaben für Bußgelder, Strafen und Gegenmaßnahmen im Krisenfall können genau beziffert werden. Andere Schäden lassen sich hingegen kaum bemessen, zum Beispiel die Schädigung der Reputation des Unternehmens, eine Verschlechterung der Marktposition, die Beeinträchtigung der Mitarbeitermotivation oder die Einbußen künftiger Geschäftsmöglichkeiten.

Die Täter: Wer hinter den Betrugsfällen steckt

Wirtschaftskriminalität trifft Unternehmen aus allen Richtungen. Auffällig in der globalen Betrachtung: Die Täter sind ebenso häufig Mitarbeiter (37 Prozent) wie Externe (39 Prozent). Von Fällen kollusiven Verhaltens, also der betrügerischen Absprache, berichtete jeder Fünfte der weltweit Befragten. Während Geschäftspartner weiterhin ein großes Risiko darstellen, ist auch ein Anstieg von kriminellen Aktivitäten von Führungskräften zu verzeichnen. Wirft man einen Blick auf die internen Täter, so sticht ins Auge, dass Personen aus dem mittleren Management und operative Mitarbeiter weit mehr als die Hälfte der Straftaten begehen. Alarmierend ist, dass jedes vierte Delikt (26 Prozent) aus dem Kreis der oberen Führungsebene verübt worden ist. Externe Täter sind für die betroffenen Unternehmen oftmals nicht unbekannt. Bemerkenswert ist, dass die Hälfte der Unternehmen kein ausgereiftes Risikomanagementprogramm für Geschäftspartner etabliert hat, obwohl weltweit jeder fünfte Befragte angab, dass die schwerwiegendste Straftat von einem Verkäufer/ Zulieferer ausging. In Österreich verzichten sogar 36 Prozent (vs. Global: 21 Prozent) komplett auf Mechanismen zur Überprüfung und laufenden Kontrolle ihrer Geschäftspartner.

Unternehmen sollten sich vorbereiten, vor allem in Österreich

Die Ergebnisse der Umfrage legen nahe, dass vor allem heimische Unternehmen Aufholbedarf betreffend Präventivmaßnahmen in Zusammenhang mit Wirtschaftskriminalität haben. So gab ein Viertel der österreichischen Studienteilnehmer an (Österreich: 25 Prozent vs. Global: 14 Prozent), über keinerlei Programme zu verfügen, die sich mit Risiken im Zusammenhang mit Wirtschaftskriminalität befassen. Darüber hinaus berichtet mehr als die Hälfte der österreichischen Teilnehmer (Österreich: 54 Prozent vs. Global: 47 Prozent), nur ein informelles oder überhaupt kein Risk Assessment als Präventivmaßnahme gegen Wirtschaftskriminalität durchzuführen. Zudem gab mehr als die Hälfte der heimischen Teilnehmer an (Österreich: 56 Prozent vs. Global: 40 Prozent), nur begrenzt oder gar keine Prüfung der Effektivität der internen Kontrollen durchzuführen.

Kristof Wabl, Forensics Leader bei PWC Österreich, empfiehlt Unternehmen, sich rechtzeitig auf wirtschaftskriminelle Angriffe und die damit verbundenen Risiken vorzubereiten: „Die Möglichkeiten der Prävention sind so vielfältig wie die Unternehmen selbst. Wichtig ist, dass ein nachvollziehbares Bewertungssystem im Unternehmen etabliert wird. Dieses sollte aufzeigen, wie die Inhalte der Programme zur Prävention von Wirtschaftskriminalität laufend auf ihre Aktualität und Vollständigkeit hin überprüft werden. Und natürlich, dass diese Programme auch tatsächlich wirkungsvoll Fehlverhalten vorbeugen und solches auch aufdecken können. Nicht zuletzt spielen die in Unternehmen gelebten Werte ein wichtiges Element in der Prävention von Wirtschaftskriminalität.“ Der Einsatz von Technologie ist eine weitere Möglichkeit, sich mit der Vorbeugung und Entdeckung von Wirtschaftskriminalität zu beschäftigen. „Der gezielte Einsatz von geeigneten Tools und die fortlaufende Analyse von Daten verschaffen Unternehmen Vorteile im Kampf gegen Wirtschaftskriminalität. Nicht wegzudenken sind hier Meldesysteme für Hinweisgeber, die seit der Verabschiedung der EU-Richtlinie zum Schutz von Whistleblowern eine Vielzahl österreichischer Unternehmen zum Handeln zwingt“, erklärt Wabl in seiner Rolle als Leiter der „Arbeitsgruppe Whistleblowing“ bei Transparency International - Austrian Chapter.

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