Epicenter.works, eine Interessenvertretung für Grund- und Freiheitsrechte, startet eine Kampagne gegen den AMS-Algorithmus, der Arbeitslose automatisch schubladisiert und damit über deren Chancen oder Chancenlosigkeit für Unterstützungs- oder Weiterbildungsmaßnahmen entscheidet.

Der Verein ruft die Bundesregierung dazu auf, diesem "ungerechten und intransparenten" System ein Ende zu bereiten. Die Entwicklung des höchst umstrittenen Algorithmus hat 1,8 Millionen Euro gekostet, die jährlichen Kosten für Wartung und Pflege des Systems liegen bei 61.000 Euro.

Zur Erinnerung: Der AMS-Algorithmus soll die Jobchancen von Arbeitslosen berechnen und legt künftig fest, welche Arbeitslosen das AMS wie stark fördern soll. Der Ende 2018 testweise gestartete Algorithmus soll mit 1. Juli österreichweit eingeführt werden. Das Computerprogramm benützt Profildaten, um Jobsuchenden zwei verschiedene Ziele zuzuweisen. Das Ziel, kurzfristig einen Job zu finden, und das Ziel, langfristig einen Job zu finden. Danach erfolgt die Einteilung der Arbeitssuchenden in drei Gruppen. Die Gruppe A mit hohen Chancen am Arbeitsmarkt hat kaum Chancen auf AMS-Ausbildungen oder Kurse. In Personen der Gruppe C mit geringen Chancen soll auch nicht viel Budget gesteckt werden denn das soll auf Gruppe B konzentriert werden, in die Personen mit mittleren Chancen auf einen Job, kommen. Sie sollen vollen Zugang zu AMS-Ressourcen haben. Schlechtere Chancen werden etwa Frauen, Personen über 50 Jahren und Menschen mit chronischen Krankheiten oder Behinderungen zugeschrieben.

Bei der Pressekonferenz von Epicenter.works erklärte Kampagnenleiter Andreas Czák: "Dieses System ist teuer, intransparent und es kann nicht funktionieren, da es auf zu starken Vereinfachungen beruht. Wer sich auf dieses System verlässt, macht einen schwerwiegenden Fehler und verbaut Menschen ihre Zukunft."

Sieben Forderungen und viele Unterstützer

Auch die Politikwissenschafterin und Leiterin des Momentum Instituts, Barbara Blaha, sieht negative Folgen dieses Systems auf die Arbeitswelt und die damit einhergehenden arbeitsmarktpolitischen Probleme: "Wir brauchen neue Mittel für Umschulungen und mehr AMS-Mitarbeiter, um die Rekordarbeitslosigkeit zu bekämpfen. Das will man aber nicht tun, stattdessen soll der Algorithmus dieses politische Problem technisch lösen - auf Kosten der Arbeitslosen." Neben Momentum Institut unterstützen bereits viele andere Organisationen unsere sieben Forderungen: Mehr Transparenz, eine rein freiwillige Teilnahme am System, ein Recht auf Information und das Begehren, zu fördern statt zu strafen.

Aus wissenschaftlicher und evidenzbasierter Sicht liefert Ben Wagner von der Wirtschaftsuniversität Wien noch zahlreiche Gründe gegen dieses unfaire System, aus dem sich auch die Forderung nach einem allgemeinen Risikocheck für Algorithmen ableitet: "Technische Systeme sind besonders geeignet, bestehende Diskriminierungen zu verstärken und verstetigen. Daher sind vollständige Transparenz und unabhängige Audits von technischen Systemen, die für die öffentliche Daseinsvorsorge genutzt werden so wichtig, um jede mögliche Diskriminierung auszuschließen, bevor sie eingesetzt werden."

Die sieben Forderungen im Detail: www.amsalgorithmus.at



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