Sergey Nikolaev, CEO und Co-Founder von Manticore Search (Bild: Screenshot Wiehr)

Manticore Search ist eine benutzerfreundliche Open-Source-Schnelldatenbank für die Suche und hilft dabei, Petabytes an Textdaten auf einem oder Hunderten von Knoten zu durchsuchen und zu filtern, Volltextfilterung zu streamen, automatische Vervollständigung und andere suchbezogene Technologien Websites und Anwendungen hinzuzufügen. Nun versucht Manticore, den Übergang von quelloffenen Angeboten hin zum internationalen Software-Markt für Unternehmen zu vollziehen.

"Manticore" steht eigentlich für einen Begriff aus der persischen Mythologie und bedeutet so viel wie jene Gestalten, "die am meisten Schrecken verbreiten: Mit dem Kopf eines Menschen, dem Körper eines Löwen und dem Schwanz eines Skorpions oder Drachens hat ein 'Mantikor' sehr ferne Ursprünge, die in Indien oder Persien zu finden sind", heisst es zum Beispiel bei Yahoo. Solche Beschreibungen finden sich als erste unter diesem Begriff im Internet, und viele weitere Produkte schmücken sich mit diesem Namen.

Doch die osteuropäischen Schöpfer der Software "Manticore Search" (https://manticoresearch.com/) meinen offensichtlich etwas anderes: Es geht ihnen um eine "quelloffene Open-Source-Suchmaschine", deren Fokus auf Kosten- und Ressourcen-Effizienz liegen soll. Sergey Nikolaev, CEO und Co-Founder von Manticore Search mit Sitz in Russland, führt hierzu aus: "Wir sind viel kostengünstiger als zum Beispiel Elasticsearch und wir wollen Suchaktionen besonders einfach machen. Devops-Teams können sich damit auf ihr Geschäft konzentrieren. Wir bieten auch dann eine Text- und Bildsuche, wenn es keine zunächst offensichtliche Verbindung zwischen Suchtext und Bild gibt."

Eine kurze Definition auf der Webseite von Manticore lautet: "Unsere kostengünstige Suchmaschine Manticore Search ist die benutzerfreundlichste, zugänglichste und kostengünstigste Datenbank für die Suche. Selbst auf kleinen VM/Container-Setups mit minimalen Ressourcen, wie zum Beispiel 1 Core und 1GB Speicher, ist die Effizienz hervorragend und die Geschwindigkeit beeindruckend. Manticore Search ist für eine breite Palette von Anwendungsfällen konzipiert und bietet eine hohe Leistung bei gleichzeitiger Ressourcen-Effizienz für Operationen aller Grössenordnungen."

Manticore Search versteht sich als eine leistungsstarke Open-Source-Suchmaschine, die aus dem Open-Source-Projekt "Sphinx“ hervorging, das 2017 eingestellt wurde. Die Gründer von Manticore Search waren Peter Zaitsev, ehemaliger CEO von Percona, und Mindaugas Žukas, COO von Altinity. Sie übernahmen die Technologie von Sphinx (ebenfalls ein Begriff aus der mythenschwangeren Mythologie, um sie für verschiedene vertikale Branchen zu kommerzialisieren, während sie gleichzeitig Open Source bleiben sollte.

Manticore Search unterstützt seit Version 6.3.0 die Vektorsuche und versucht, ihre Vorteile wie zum Beispiel die Integration in die Github-Problemsuche für Volltextsuche und Vektorsuche einzubringen: "Die Volltextsuche ist nützlich, weil sie eine effiziente Suche ermöglicht, indem sie genaue Übereinstimmungen von Schlüsselwörtern findet. Allerdings stützt sie sich hauptsächlich auf Schlüsselwörter, was manchmal einschränkend sein kann. Im Gegensatz dazu verwendet die semantische Suche Vektorähnlichkeit und maschinelles Lernen, um die Bedeutung hinter jeder Suchaktion zu verstehen. Sie findet dann Dokumente, die dem gesuchten Begriff ähnlich sind." (https://manticoresearch.com/blog/vector-search/). Diese Methode führt laut Manticore oft zu besseren Ergebnissen als klassische Suchverfahren.

In den letzten zwei bis drei Jahren haben sich laut Manticore in der Landschaft der Datenbanken einige wichtige Veränderungen vollzogen: Dazu gehört die neue Kategorie der „Vektordatenbanken“, zu der Open-Source-Plattformen wie Milvus (2019), Vespa (2020), Weaviate (2021) und Qdrant (2022) sowie Cloud-Lösungen wie Pinecone (2019) gehören: Diese Datenbanken sind auf die Vektorsuche ausgerichtet und konzentrieren sich auf die Verwendung verschiedener maschineller Lernmodelle. Von 2022 bis 2023 begannen dann etablierte Datenbanken wie Redis, Opensearch, Cassandra, Clickhouse, Oracle, MongoDB sowie neuere Ansätze von Manticore Search oder Cloud-Dienste von Azure, Amazon AWS und Cloudflare solche Suchfunktionen auf Vektorbasis anzubieten.

Wie CEO Nikolaev auf der IT Press Tour kürzlich auf Malta ausführte, ist der Ansatz seines Unternehmens darauf ausgerichtet, Prozesse von Datenbanken einfacher und nicht komplizierter zu machen: “Manticore Search ist eine moderne, schnelle und voll funktionsfähige Datenbank mit besonderen Funktionen für die Volltextsuche. Unsere Plattform ist in der Lage, klassische Probleme der Datenverwaltung und -suche zu lösen – darunter langsame und komplexe Abfragen, hohen Ressourcen-Verbrauch, Skalierbarkeitsprobleme, SQL-Unterstützung und bisherige Komplikationen bei der Einrichtung und Wartung einer Datenbank.”

Noch in diesem Jahr sollen zudem Auto-Sharing, Security-Authentifizierung, Integration mit Kibana und Auto-Embeddings für die Vektorsuche hinzukkommen. Im Moment verdiene man Geld durch professionelle Dienstleistungen rund um die Open-Source-Software, Support-Abonnements und die Entwicklung neuer Funktionen. Laut Nikolaev habe man bereits Pläne fūr weitere Einnahmen ausgearbeitet, müsse aber Rücksicht auf die gegenwärtige internationale Situation nehmen. Auch müsse man sich stärker auf Marketingaktionen in anderen Ländern konzentrieren. Man strebe auch Kooperationen mit Kapitalgebern an.

Das Motto seines Unternehmens lautet laut Nikolaev: “Wir kümmern uns um die Infrastruktur, während sich die Anwender auf ihre Suchanfragen konzentrieren können.” Auf X habe man schon über 14.000 Follower.

(Auf https://github.com/manticoresoftware/columnar bietet Manticore zahlreiches Material für Installation und Betrieb an.)