Rohingya in Myanmar häufig als Ziel von Hass-Postings (Bild: Wikipedia/ CC BY 2.0)

Experten der Carnegie Mellon University (CMU) bekämpfen Hass-Postings im Social Web nun technisch. Eine Künstliche Intelligenz (KI) durchforstet Millionen von Meldungen in Sekunden und unterscheidet dabei "Hate speech" von positiven Kommentaren ("Help speech"). Letztere können dann von menschlichen Moderatoren aufgegriffen und in den Social-Feeds der Nutzer hervorgehoben werden, um das Internet generell "sicherer und umgänglicher" zu gestalten, so die Forscher.

"Auch wenn das Web mittlerweile mit negativen Inhalten vollgestopft wird, können wir trotzdem immer noch positive Kommentare finden", erklärt Ashiqur KhudaBukhsh, Post-Doc am Language Technologies Institute (LTI) der CMU. Das Problem sei allerdings, dass es dem Einzelnen in Anbetracht der rapiden Zunahme an Hass-Postings meist nur mehr schwer möglich sei, überhaupt auf diese positiven Meldungen zu stossen. "Indem wir genau diese Inhalte finden und hervorheben, können wir das Internet genauso zu einem besseren Ort machen, wie wenn wir schädlichen Content aufspüren und ausmerzen und ihre Verursacher aussperren", ist der Experte überzeugt.

Natürlich sei es für Menschen völlig unmöglich, sich durch Millionen von Postings zu arbeiten, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Für diese Aufgabe brauche es eine ausgereifte KI, wie LTI-Leiter Jaime Carbonell betont: "Die Analyse derart grosser Datenmengen in so kurzer Zeit ist nur möglich aufgrund der jüngsten Fortschritte im Bereich des Maschinellen Lernens. Nur so können Maschinen wirklich verstehen, was ein Autor mit seinem Kommentar eigentlich sagen will."

Um ihre Methode zu testen, liessen die CMU-Wissenschaftler ihre KI-Software eine umfassende Analyse von insgesamt knapp einer Viertel Million Youtube-Kommentaren durchführen, die sich mit der Flüchtlingskrise der Rohingya in Myanmar auseinandersetzen. "Diese Minderheit ist der Hate speech im Netz grösstenteils völlig hilflos ausgeliefert. Die meisten Mitgleiter können kein Englisch, verfügen über keinen Internetzugang oder sind einfach zu beschäftigt damit, am Leben zu bleiben, um selbst Inhalte online zu stellen", stellt KhudaBukhsh klar.

Das Ergebnis: Als normaler Nutzer stösst man auf Googles Videoportal im Schnitt lediglich auf rund zehn Prozent von Meldungen, die sich positiv zum Thema äussern. Sobald man allerdings die KI-unterstützte Methode anwendet, um positive Inhalte zu finden, und diese anschliessend von Moderatoren stärker in den News-Feeds hervorheben zu lassen, steigt die Zahl der positiven Kommentare sprungartig auf 88 Prozent an. "Das zeigt, wie viel Potenzial dieser Ansatz hat", meint KhudaBukhsh.



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