Populäre KI-Anwendungen wie ChatGPT oder Microsoft 365 Copilot sind zwar im Büroalltag angekommen, doch ihr Potenzial bleibt in der Praxis häufig ungenutzt. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der deutschen Universität Paderborn. Die Experten haben in elf Sparkassen die erfolgreiche Implementierung von sogenannter Arbeitsplatz-KI (AP-KI) untersucht.
"Der grösste Fehler ist, Arbeitsplatz-KI zuerst durchzuplanen. KI funktioniert genau andersherum: einführen, nutzen und erst danach strategisch steuern", so Informatiker Simon Thanh-Nam Trang. Zunächst würden Mitarbeiter KI im Arbeitsalltag ("Run") erproben und eigene Anwendungsfälle ("Build") entwickeln. Später käme strategische Steuerung ("Plan").
Dieses von bisherigen Implementierungsstrategien abweichende Vorgehen bei der Einführung neuer digitaler Technologien stellt viele Unternehmen vor relevante Herausforderungen, so die Wissenschaftler der Universität Paderborn. Ihr neues Einführungsmodell habe zwölf konkrete Handlungsfelder und unterstütze Unternehmen dabei, AP-KI nachhaltig im Alltag zu verankern.
Was für die Privatseite gilt, dürfte auch bei vielen Unternehmen so sein: Die Zahlungsbereitschaft für KI-Dienste in Deutschland steigt laut einer neuen Umfrage des in Berlin domizilierten Digitalverbandes Bitkom. So würden 13 Prozent der KI-Nutzer für mindestens eine Anwendung zahlen - im Vorjahr waren es acht Prozent. Und 29 Prozent können sich vorstellen, bald auf eine Bezahlversion umzusteigen (2025: 22 Prozent).
Im Fokus der Untersuchung steht der "S-KIPilot", eine eigens für die Sparkassen entwickelte AP-KI. Mitarbeiter der Sparkasse testen, adaptieren und integrieren die Technologie zunächst eigenständig in ihre täglichen Aufgaben - häufig noch bevor eine übergreifende strategische Einordnung durch die Führungsebene erfolgt, wie die Paderborner Forscher ermittelt haben.
Entgegen der bisherigen Annahmen zur Implementierung neuer Technologien sind die strategischen Leitplanken der AP-KI für viele Mitarbeiter weniger wichtig. "Arbeitsplatz-KI verändert die Art, wie Arbeit organisiert ist. Für Mitarbeiter verschiebt sich der Fokus vom reinen Systemnutzer hin zum aktiven Architekten", heisst es weiter.
Unternehmen sollten deshalb ihre Steuerungslogik, ihre Prozesse und ihre Rollenbilder grundlegend überdenken. Dazu gehöre unter anderem, Beschäftigte gezielt zu qualifizieren, klare Einsatzszenarien zu definieren und den Mitarbeitenden Räume für die systematische Integration von AP-KI zu bieten. Andernfalls drohe ein Produktivitätsparadoxon.
