Symbolbild: Pixabay, Viarami

Die rasend fortschreitende Digitalisierung transformiert die bestehende Arbeits- und Wirtschaftswelt grundlegend. Wie sich die neuen Technologien aber letztlich tatsächlich auf Geschäftsmodelle und Betriebsabläufe auswirken, ist noch ungewiss. Rund um den Jahreswechsel lasssen wir Expert:innen und Unternehmen zu Wort kommen und einen Blick auf die Trends von 2026 werfen. Heute an der Reihe ist Simon Bowes, seines Zeichens European Corporate Vice-President for Manufacturing Industry Strategie von Blue Yonder.

Gastbeitrag von Simon Bowes, European Corporate Vice-President for Manufacturing Industry Strategie von Blue Yonder

2026 wird künstliche Intelligenz endgültig als fester Bestandteil in die globale Lieferkettenstrategie der Fertigungsindustrie integriert sein. Nach Jahren zunehmender Störungen durch Kriege, Terrorismus, Naturkatastrophen oder Handelskonflikte, wie die jüngst eskalierten Zollerhöhungen, erkennen immer mehr Unternehmen, dass Resilienz in den aktuell unsicheren Zeiten mehr bedeutet, als Unterbrechungen und Ausfällen zu widerstehen. Um erfolgreich zu sein, müssen Unternehmen zusätzlich Systeme einsetzen, die in der Lage sind, selbstständig zu lernen, sich an Veränderungen anzupassen und vorausschauend zu handeln.

Laut der "Supply Chain Compass"-Studie von Blue Yonder sind 74 Prozent der führenden Unternehmen der Ansicht, dass KI die Betriebsabläufe verändert. In einem nächsten Schritt müssen sämtliche Daten in ein einheitliches, strukturiertes Format gebracht und die einzelnen Prozesse so miteinander vernetzt werden, dass Teams auf Basis von KI-gestützten Erkenntnissen selbstständig handeln können.

Mithilfe prädiktiver KI können Hersteller Nachfrageschwankungen oder Lieferengpässe Tage oder sogar Wochen im Voraus erkennen. Zudem erleichtert generative und agentenbasierte KI den Umgang mit Informationen. Lagerverwalter oder Disponenten müssen nicht mehr ihre Dashboards aufwändig nach Informationen durchsuchen. Stattdessen fassen intelligente Agenten die Wochenaktivitäten zusammen, kennzeichnen Lieferanten mit schwacher Performance und schlagen Lösungen vor. Die Zusammenarbeit von Mensch und KI verwandelt das, was einst eine administrative Tätigkeit war, in einen strategischen Entscheidungsprozess, der jedoch ein fundiertes Supply-Chain-Know-how voraussetzt. Ohne diese integrierten Kenntnisse wird es für Unternehmen sehr mühsam sein, KI-Tools so zu trainieren, dass sie präzise Empfehlungen abgeben können.

Durch die anhaltenden Disruptionen suchen Unternehmen nach den kürzesten und sichersten Lieferwegen, sodass sich Nearshoring und Friendshoring zunehmend als zentrale Strategien für resiliente Lieferketten im Mainstream etablieren. KI unterstützt die Regionalisierung und modelliert auf Basis einer automatisierten, fortlaufenden Szenarioplanung Lösungsoptionen für Kosten, Vorlaufzeit und Risiko.

2026 werden nicht Unternehmen mit den längsten Lieferketten erfolgreich sein, sondern diejenigen, die dank KI intelligent agieren und Erkenntnisse schnell und in grossem Umfang umsetzen können.

Gastautor Simon Bowes, European Corporate Vice-President for Manufacturing Industry Strategie von Blue Yonder ('Bild: zVg)
Gastautor Simon Bowes, European Corporate Vice-President for Manufacturing Industry Strategie von Blue Yonder ('Bild: zVg)