Symbolbild: Pixabay/Geralt

Unternehmen investieren in KI viel Geld, ebenso in Schulungen für Mitarbeiter. Dabei übersehen sie jedoch, dass jeder Mensch unterschiedlich auf die Einführung reagiert. Das wird bei der Einführung der Technik in Unternehmen nicht beachtet, kritisieren Forscher der Texas A&M University.

Arbeitgeber, die den Einsatz von KI vorschreiben, fördern möglicherweise eher die blosse Einhaltung von Vorschriften als die tatsächliche Akzeptanz, so Studienautor Shrihari Sridhar. Diese Sichtweise stützt sich auf Forschungsergebnisse, die auf einer landesweit repräsentativen Umfrage unter 2.144 Erwachsenen in den USA basieren und zeigen, dass nicht alle Menschen auf dieselbe Weise über KI denken oder mit ihr umgehen.

Statt sich klar zum Pro- oder Anti-KI-Lager zu bekennen, äussern viele Umfrageteilnehmer gemischte Gefühle gegenüber der Technologie und sehen in ihr sowohl Vorteile als auch Gefahren. Diese Einstellungen ändern sich oft je nach der jeweiligen Aufgabe. Manch einer kann KI für eine bestimmte Aufgabe begeistert nutzen, ihr bei einer anderen jedoch misstrauisch gegenüberstehen, was darauf hindeutet, dass die Akzeptanz keine einfache Ja-oder-Nein-Entscheidung ist.

Die Umfrage identifiziert zudem das, was die Forscher der Texas A&M University als "Skeptizismus-Nutzungs-Paradoxon" bezeichnen: Einige der Menschen, die die grössten Bedenken gegenüber KI haben, gehören zu den häufigsten Nutzern. "Sie nutzen sie und haben gleichzeitig Angst davor", wundert sich Sridhar. Dass führt er auf mehrere Faktoren zurück.

Manche Mitarbeiter würden sich möglicherweise unter Druck gesetzt fühlen zu zeigen, dass sie KI nutzen und begrüssen, weil ihre Führungskräfte dies von ihnen erwarten. Andere würden möglicherweise umso unruhiger, je häufiger sie das Tool nutzten und erkannten, wie leistungsfähig es sei, und empfänden es zunehmend als Konkurrenz.

"Je mehr sie KI nutzen, desto mehr erkennen sie, wie gut sie ist, und sie sehen, dass KI sie irgendwann überholen könnte. Sie denken: 'Ich kann nicht glauben, dass die Erledigung dieser Aufgabe früher acht Stunden gedauert hat und jetzt nur noch 20 Minuten. Was bedeutet das für mich? Werde ich irgendwann ersetzt?'", fragt Sridhar.

Laut Sridhar und seinem Kollegen Huachao Gao sollten Arbeitgeber ihren Mitarbeitern KI nicht einfach vorschreiben. Sie müssten einen Schritt weiter gehen und die Mitarbeiter nicht nur fragen, ob sie KI nutzen wollen, sondern auch, wie sie sie nutzen und wie sie sich dabei fühlen. Anstelle pauschaler Vorgaben empfiehlen die Experten, sich auf praktische KI-Anwendungen zu konzentrieren, die den Mitarbeitern helfen, echte Probleme zu lösen.

"Fangen Sie beim Arbeitsablauf an. Fangen Sie bei der zu erledigenden Aufgabe an. Zu schauen, wie die Aufgabe früher erledigt wurde, wie man sie besser erledigen kann und wo man KI einsetzen kann, ist ein produktiveres und beruhigenderes Gespräch", unterstreichen die beiden Wissenschaftler abschliessend.