Die dialogorientierte Künstliche Intelligenz (KI) "Kai" hilft Studenten, die mit psychischen Problemen zu kämpfen haben - und das besser als eine Gruppentherapie. Diese Erkenntnis haben Psychologen der Reichman University und der Hebräischen Universität Jerusalem gewonnen.
Studenten, die mit dem von den Forschern der Reichman University und der Hebräischen Universität Jerusalem entwickelten Bot "Kai" interagiert haben, berichteten von weniger Angst, einer stärkeren Linderung ihrer Depressionssymptome und einer allgemeinen Verbesserung ihres Wohlbefindens im Vergleich zu denen, die an einer Gruppentherapie teilnahmen. Die Forscher hoffen, dass dialogorientierte KIs zu einer ausbaufähigen Ressource für die psychische Gesundheit werden könnten.
Obwohl je nach Betrachtungsweise bis zu zwölf Prozent aller Menschen unter psychischen Problemen leiden, erhalten allenfalls 25 Prozent von ihnen tatsächlich Hilfe, sagen die Forscher. Hauptgrund sei der Mangel an ausgebildeten Fachkräften. Die traditionelle Einzeltherapie stösst zudem auf erhebliche Hindernisse aufgrund des ungleichen Zugangs zur Versorgung und des anhaltenden sozialen Stigmas, das viele davon abhält, Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Apps für psychische Gesundheit könnten möglicherweise Abhilfe schaffen, doch Betroffene empfänden sie oft als unpersönlich oder nicht flexibel genug, um individuellen Bedürfnissen gerecht zu werden. Das führe dazu, dass viele Menschen die Nutzung solcher Apps aufgeben; Studien zufolge springen gut 96 Prozent der Nutzer noch im ersten Monat ab.
Der Aufstieg generativer KI hat den Fokus erneut auf dialogorientierte Chatbots gelenkt, die Wissenschaftler als vielversprechende Alternative für traditionelle digitale Tools für psychische Gesundheit ansehen. Es gab bisher jedoch nur wenige fundierte Belege dafür, dass dialogorientierte KIs psychiatrische Symptome reduzieren und ob Menschen überhaupt eine hilfreiche therapeutische Allianz mit Chatbots eingehen können.
Um Abhilfe zu schaffen, haben die Forscher 995 Studenten rekrutiert, die unter emotionalen Belastungen litten. Ein Drittel der Teilnehmer interagierte mit Kai. Die Dialog-Software nutzt unter anderem die kognitive Verhaltenstherapie, um die Antworten auf jeden Nutzer individuell zuzuschneiden.
Die zweite Gruppe nahm an traditionellen persönlichen Gruppentherapiesitzungen mit professionellen Psychologen teil. Die dritte Gruppe erhielt keine Betreuung. Die Ergebnisse zeigen, dass die dialogorientierte KI sowohl die Gruppentherapie als auch die Nichtbehandlung bei der Verringerung von Angstzuständen übertrifft.
