Die erwartete Bereinigung auf dem deutschen Mobilfunkmarkt wird aufgeschoben: Die niederländische Telefongesellschaft KPN und der spanische Telekomkonzern Telefonica werden ihre deutschen Töchter E-Plus und O2 vorerst nicht fusionieren.

Das KPN-Management habe verschiedene Optionen geprüft, vor allem mögliche Synergieeffekte auf dem deutschen Markt, teilte die E-Plus-Muttergesellschaft am Mittwoch in Den Haag mit. Namen nannte das Unternehmen nicht.

"Wir glauben heute noch fester daran, dass im deutschen Markt bedeutende Werte stecken", hieß es in der Mitteilung weiter. Die Turbulenzen an den Finanzmärkten hätten einer Vereinbarung aber im Wege gestanden. Medienberichten zufolge hatten die beiden Unternehmen eine Zusammenlegung ihrer deutschen Tochter erwogen. Telefónica hatte vor wenigen Wochen angekündigt, ihre deutsche Tochter O2 an die Börse zu bringen. Der spanische Konzern benötigt dringend Geld, um seinen hohen Schuldenberg abzubauen.

Den Niederländern sitzt dagegen ein neuer Großaktionär im Nacken. Gegen den Willen des Managements will der mexikanische Milliardär Carlos Slim, neuer Großaktionär der Telekom Austria, bis zu 28 Prozent an KPN erwerben. Seinen Aktionären hatte der KPN-Vorstand empfohlen, nicht auf die Offerte einzugehen. Das Unternehmen sei deutlich mehr wert, als die gebotenen 8 Euro je Aktie.

Anfang Juni kündigte KPN an, die Werthaltigkeit seiner Beteiligungen offen zu legen und strategische Optionen für E-Plus zu prüfen. Die deutsche Tochter ist die wichtigste Beteiligung der Niederländer und die Nummer drei auf dem deutschen Mobilfunkmarkt. Das Unternehmen gilt dabei mit seiner Vielmarkenstrategie, die vor allem das Discountsegment bedient, als extrem erfolgreich. Nach eingehender Untersuchung zeigte sich das Management nun vom Wert seines Deutschland-Geschäfts überzeugt.