Handy-Pause (Symbolbild:  Pixabay, Sumo IMG)

Die zentraljapanische Stadt Toyoake will die Smartphone-Nutzung für alle ihre 69.000 Einwohner auf zwei Stunden pro Tag beschränken, was eine intensive Debatte über Gerätesucht ausgelöst hat. Der Vorschlag, von dem angenommen wird, dass er der erste seiner Art in Japan ist, wird derzeit von den Gesetzgebern debattiert, nachdem er Anfang dieser Woche von der Stadtverwaltung von Toyoake in Aichi vorgelegt wurde.

Gemäss dem Bürgermeister von Toyoake soll der Vorschlag, der nur ausserhalb von Arbeit und Studium gellte, nicht streng durchgesetzt werden, sondern soll die Einwohner "ermutigen", ihre Bildschirmzeit besser zu verwalten. Es werde keine Strafen für Verstösse gegen die Regel geben, die im Oktober verabschiedet werden soll, so sie vom Gesetzgeber genehmigt werde. "Das Zwei-Stunden-Limit ist nur eine Richtlinie, um die Bürger zu ermutigen", hielt Bürgermeister Masafumi Koki in einer Erklärung dazu fest. Es bedeute nicht, dass die Stadt die Rechte ihrer Einwohner einschränken oder Pflichten auferlegen wolle. Vielmehr hoffe er, dass dies für jede Familie eine Gelegenheit sei, über die Zeit, die sie mit Smartphones verbringen, sowie über die Tageszeit, zu der die Geräte genutzt werden, nachzudenken und zu diskutieren.

Die Nutzung des Smartphones bei Aktivitäten ausserhalb der Freizeit, wie etwa das Ansehen von Videos beim Kochen oder Trainieren, das Online-Lernen und das Üben für ein E-Sportturnier, werde nicht auf die zwei Stunden angerechnet, ergänzte er. Er erkenne an, dass Smartphones "nützlich und unverzichtbar im täglichen Leben" seien, wies aber darauf hin, dass einige Schüler die Schule verpassten, weil sie sich weigerten, das Haus ohne ihr Telefon zu verlassen.

Erwachsene opferten auch ihren Schlaf oder ihre Zeit mit der Familie, damit sie auf ihren Handys und Tablets weiterscrollen konnten, so der Bürgermeister weiters. Mehr als 120 Einwohner riefen während einer Konsultationsphase bei den lokalen Stadtbehörden an und schrieben E-Mails, so die japanische Nachrichtenagentur Mainichi, wobei die Mehrheit (80 Prozent) über den Vorschlag nicht glücklich gewesen sei. Einige zeigten jedoch Unterstützung für den Gesetzentwurf. Laut dem Vorschlag sollten Grundschüler spätestens um 21.00 Uhr mit der Gerätenutzung aufhören, ältere Schüler und Erwachsene spätestens um 22.00 Uhr. Viele nutzten die sozialen Medien, um ihrer Unzufriedenheit über den Vorschlag Luft zu machen, wobei ein Nutzer laut Japan Times kritisierte, dass man nicht einmal ein Buch lesen oder einen Film ansehen könne.