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In vielen Unternehmungen und Organisationen fehlt im Bereich "Identity & Access Management" (IAM) noch immer das nötige Basiswissen beziehungsweise muss dieses "on the project" erlernt werden. Zudem fehlt es im Bildungswesen an spezifischen Schulungen für betriebskritisches IAM. Die Winterthurer IAM-Spezialistin IPG hat daher eine eigene Akademie gegründet, die das nötige IAM-Knowhow vermitteln will. Im Interview erläutert Florian Giger, der bei der IPG den Bereich Corporate Services leitet, welche Wege IPG mit der Akademie geht, um IAM in den Unternehmen zu verankern.

Interview: Karlheinz Pichler

ICTkommunikation: Mit "EDU" verfügt IPG seit kurzem über eine eigene Akademie, die "Education & Workshops in IAM" anbietet. Aus welcher Intention heraus hat IPG dieses Standbein aufgebaut? Haben Sie eine Lücke im Bereich IAM-Schulung geortet?

Florian Giger: Mit dem Aufbau des Bereichs "Education" verfolgen wir verschiedene Ziele. Wir stellen bei unseren Beratungs-, Projekt-, und Betriebsaufträgen immer wieder fest, dass die Organisationen im Bereich Identity & Access Management noch nicht über das nötige Basiswissen verfügen, beziehungsweise dieses "on the project" erlernen müssen. Dies kann beispielsweise dazu führen, dass nur mit Mühe oder im Extremfall kein Grundverständnis für IAM und damit keine IAM-Vision und –Strategie im Unternehmen etabliert werden können. Für den Projekterfolg ist es aber unumgänglich, dass alle am gleichen Strick ziehen und wissen, welche Veränderungen ein IAM im Unternehmen auslöst. Ohne diese Grundlagen ist es schwierig, die steuernden und betreibenden IAM-Prozesse effektiv und effizient umzusetzen.

Zudem fehlt es im Bildungswesen an spezifischen Schulungen zum umfassenden und betriebskritischen Thema IAM. Mit dem Bereich "Education" wollen wir diese Lücke mit praxisorientierten Ausbildungselementen schliessen. Wir bieten Unternehmen, Institutionen, Bildungseinrichtungen und Privatpersonen die Möglichkeit, sich zu aktuellen Themen im IAM-Umfeld weiterbilden zu können. Grossen Anklang finden vor allem firmenspezifische Workshops und Schulungen zur IAM-Sensibilisierung und Vorbereitung von Projekten.

ICTkommunikation: Wie muss man sich Ihre Akademie konkret vorstellen? Arbeiten Sie nach dem Muster klassischer Schulungshäuser oder handelt es sich hier eher um eine Art von Kompetenzzentrum, in dem praktisches Wissen vermittelt wird?

Florian Giger: Wir möchten uns hier klar von den klassischen Schulungshäusern abgrenzen. Wir schaffen den Mehrwert für die Teilnehmer, indem wir theoretisches und praktisches Wissen verknüpfen und somit das explizite Wissen um die implizite Wissensdimension erweitern. Unsere Teilnehmer profitieren von "lessons learned" aus aktuellen Projekten und "Best-Practice"-Erfahrungen.

ICTkommunikation: An welche Klientel richten Sie sich mit EDU genau? Fokussieren Sie rein auf Unternehmen oder sprechen Sie auch Privatpersonen damit an?

Florian Giger: In erster Linie sprechen wir Unternehmen an. Es sind aber auch Privatpersonen willkommen, die sich im Identity & Access Management Umfeld weiterentwickeln möchten.

Wir unterscheiden zwischen zwei Zielgruppen. Zum einen sind das an Identity & Access Management interessierte Personen, welche sich zu aktuellen Themen im Schulungsprogramm der Academy weiterentwickeln möchten. Zum anderen sind dies Personen oder Unternehmen, welche eine individuelle Schulung oder einen Workshop wünschen, welcher auf ihre konkreten Bedürfnisse zugeschnitten ist.

ICTkommunikation: Was bietet IPG im Education-Bereich konkret alles an?

Florian Giger: Wir bieten Schulungen zu aktuellen IAM-Themen (Standard-Schulungen) sowie individuelle Schulungen und Workshops (individuelle Schulungen) an. Weiters werden alle unsere Fachberichte und –Artikel von der Academy erarbeitet und publiziert. Damit unterstreichen wir unseren Anspruch, als Experten für das Thema praxisnahes und –erprobtes Wissen zu vermitteln.

ICTkommunikation:
Welche Rolle spielt das Thema "Mitarbeiter-Sensibilisierung" in Ihrer Education-Strategie?

Florian Giger:
Die Mitarbeitersensibilisierung spielt eine wichtige Rolle. Letztendlich hängt das Identity & Access Management in einem Unternehmen immer von den Menschen dahinter ab. Daten-Missbrauch kann eingedämmt, aber nicht verhindert werden. Es gilt deshalb auch innerhalb der Schulungen mit Beispielen aufzuzeigen, wie Mitarbeitende zum einen das Unternehmen zum anderen aber auch sich selber schützen können.

ICTkommunikation: Warten Sie neben der rein fachlichen Behandlung von Themen auch mit Schulungen zu konkreten Produkten und Lösungen auf?

Florian Giger: Schulungen zu konkreten Produkten werden in der Regel durch unsere Software-Partner angeboten. Es besteht aber die Möglichkeit, Produkteschulungen für Gruppen an unseren Standorten durchzuführen. Dies wird aber in erster Linie im Rahmen von individuellen Schulungen behandelt.

ICTkommunikation: Entwickeln Sie auch speziell auf einzelne Unternehmen zugeschnittene Ausbildungseinheiten?

Florian Giger: Ja. Dies bildet einen der zwei Grundpfeiler der Academy. Individuelle Ausbildungen und Workshops können auf Anfrage und Wunsch erstellt und durchgeführt werden. Hierbei bieten wir auch kundenspezifische Anwenderschulungen für Produkte an und ergänzen damit die Standard-Programme der Hersteller. Wir setzen viel daran, dass in den Projekten der Ausbildung ausreichend Zeit und Mittel zugeteilt werden, denn nur so lässt sich ein IAM wirkungsvoll betreiben.

ICTkommunikation: Finden die Aus- und Weiterbildungen am IPG-Hauptsitz in Winterthur statt oder gehen Sie auch direkt zu den Unternehmen vor Ort?

Florian Giger: Die Standard-Ausbildungen finden an zentralen Standorten in der Schweiz, Deutschland und Österreich statt. In der Schweiz können die Schulungen auch am Hauptsitz der IPG stattfinden. Individuelle Schulungen finden am Hauptsitz in Winterthur oder beim Kunden vor Ort statt.

ICTkommunikation:
Auf welchem Wissensstand befinden sich die Schweizer IT-Verantwortlichen in Bezug auf IAM allgemein sowie im internationalen Vergleich?

Florian Giger: Die Frage zeigt schon, wo wir mit erster Priorität ansetzen. IAM ist nicht in der Verantwortung der IT. IAM muss im Management und in den wertschöpfenden Organisationseinheiten etabliert werden. Da setzt unser Education-Angebot an. Nun zu Ihrer Frage: Der Wissensstand ist stark branchenabhängig. Die Schweizer Banken und Vermögensverwalter sind in diesem Thema aufgrund der Regulierungen der Finma (Finanzmarktaufsicht) bereits stark sensibilisiert. Ebenso im Gesundheitswesen, wo das elektronische Patientendossier auch IAM-Fragen aufwirft. In anderen Bereichen der Wirtschaft ist diese Sensibilisierung noch nicht soweit vorgeschritten. Das Middle-Management in Grossunternehmen hat sich generell aber bereits gut in das Thema eingearbeitet. Vielfach fehlt aber die Unterstützung durch die Führungsetage, welche ihre Verantwortung in diesem Sinne noch nicht oder ungenügend wahrnimmt. Im europäischen Vergleich hinkt die Schweiz aber sicher nicht hinterher.

ICTkommunikation: Woher beziehen Sie ihre "Lehrkräfte" für die Akademie? Bilden Sie diese selber aus?

Florian Giger: Bei den Lehrkräften der Akademie handelt es sich um Experten in den jeweiligen Themengebieten. Die Lehrkräfte werden intern von Erwachsenenbildnern geschult, um auch auf didaktischer Ebene überzeugen zu können.

ICTkommunikation: Wie steht es mit Synergieeffekten? – Entwickeln sich aus den Ausbildungssituation mitunter auch konkrete IAM-Projekte mit Unternehmen?

Florian Giger: Es besteht mit Sicherheit die Möglichkeit für ein Cross-Selling, insbesondere bei individuellen Schulungen. Für uns stehen allerdings die Wissensvermittlung, die Sensibilisierung sowie die Anerkennung als Kompetenzzentrum für IAM im Zentrum.

ZUR PERSON:
Florian Giger ist Betriebsökonom M.Sc. und hat an der FH St. Gallen Business Administration mit der Vertiefung Corporate Development studiert. Während seiner Studienzeit hat er sich intensiv mit dem Thema Wissensmanagement in Unternehmen auseinandergesetzt und darin auch seine Masterthesis abgelegt. Giger leitet in der IPG AG den Bereich Corporate Services und ist Mitglied des Managements. In seiner Aufgabe ist er massgeblich am Auf- und Ausbau des Bereichs Education & Workshops in IAM beteiligt.

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Florian Giger, IPG AG, Leitung Bereich Corporate Services und Mitglied des Managements