Die Schweizer Verbindungsspezialistin Huber+Suhner geht strategisch in die Software-Offensive: Das Herisauer Traditionsunternehmen übernimmt das Connected-Intelligence-Geschäft des britischen Konnektivitätsanbieters Motion Applied. Was auf den ersten Blick wie eine klassische Konsolidierung im Transportmarkt wirkt, ist beim genaueren Hinsehen ein Schachzug in Richtung vollintegrierter End-to-End-Systeme.
Herzstück der Akquisition ist eine Technologie mit Rennsport-DNA: Connected Intelligence (mit Sitz im britischen Woking) ist vor allem für seine Plattform Fleet Connect bekannt, die ursprünglich aus dem High-End-Motorsport heraus entwickelt wurde. Fleet Connect ermöglicht extrem stabile, performante Konnektivitätslösungen in hochgradig mobilen Umgebungen. Und genau diese Software-Expertise hat Huber+Suhner bisher gefehlt, um das eigene, stark hardwarelastige Portfolio – bestehend aus Bahnantennen, Hochfrequenzkabeln, Switches und Access Points – zu komplettieren.
Bislang mussten Bahnbetreiber ihre Kommunikationsinfrastruktur oft stückeln: Die physische Infrastruktur (Kabel und Antennen) kam von Hardware-Experten wie Huber+Suhner, die intelligenten Datenströme wurden über Software-Plattformen von Drittanbietern gesteuert. Mit den rund 45 Software-Spezialisten von Connected Intelligence im Boot ändert sich das radikal. Huber+Suhner kann künftig schlüsselfertige Gesamtsysteme für die nächste Generation der Bahnkommunikation (Train-to-Ground und On-Board-WiFi) anbieten. Wie Drew Nixon (COO des Transportsegments bei Huber+Suhner) passend zusammenfasst: "Zuverlässige Kommunikation im Schienenverkehr erfordert ein nahtloses Zusammenspiel von Hardware und Software [...] Kunden suchen zunehmend nach Gesamtlösungen."
Beide Unternehmen arbeiteten in der Vergangenheit schon erfolgreich an Grossprojekten für namhafte Bahnbetreiber wie die Deutsche Bahn, Amtrak und Brightline in den USA sowie Network Rail in Grossbritannien.
Nach dem finalen Abschluss der Transaktion, der noch unter dem Vorbehalt der üblichen behördlichen Genehmigungen steht, wird die Connected-Intelligence-Sparte komplett in das Transportsegment von Huber+Suhner integriert. Zum Kaufpreis vereinbarten beide Parteien Stillschweigen. Spannend für die Tech-Branche: Motion Applied spaltet dieses Geschäft ganz bewusst ab. Die Briten wollen sich künftig voll und ganz auf ihre technologischen Kernkompetenzen im Motorsport sowie im Bereich der Elektrifizierung fokussieren.
