Symbolbild: Adobe/Stock

Was KI (Künstliche Intelligenz) anbelangt, so kommen Schweizer Unternehmen gemäss dem "Cisco AI Readiness Index 2025" offenbar nicht wirklich vom Fleck. In den letzten zwölf Monaten hat sich die "KI-Readiness" von Schweizer Unternehmen demnach nur leicht erhöht. Während 2023 7 Prozent und 2024 8 Prozent zur Spitzengruppe, der am besten auf KI vorbereiteten Unternehmen gehörten ("Vorreiter"), sind es in diesem Jahr 9 Prozent.

Auch die Anzahl der Unternehmen in der zweitbesten Kategorie "Verfolger" ist in der Schweiz dem Index zufolge fast konstant geblieben. 2024 waren es 26 Prozent, jetzt sind es 27 Prozent. Damit sind in der Schweiz nur 36 Prozent der Unternehmen gut oder sehr gut auf KI-Anforderungen eingestellt, gerade mal zwei Prozent mehr als im letzten Jahr. Damit kommt die Schweiz nicht wirklich voran und liegt lediglich im europäischen Mittelmass.

"KI steht ganz oben auf der Agenda. Doch um vom europäischen Mittelmass in die Vorreiterrolle zu kommen, braucht es Mut zur Transformation und den Willen, neue Geschäftsmodelle zu erschliessen," analyisiert Christopher Tighe, Geschäftsführer von Cisco in der Schweiz.

In den meisten Einzelkategorien liegen Schweizer Unternehmen europaweit ebenfalls nur im Mittelfeld, wie der Index belegt. Besonders negativ sieht es demnach allerdings im bereich KI-Infrastruktur aus. Hier sind nur 35 Prozent der Unternehmen gut oder sehr gut vorbereitet – Platz 5 von 9 untersuchten Ländern in Europa. In den anderen Kategorien "Strategie", "Daten", "Governance", "Talent" und "Kultur" liegen Schweizer Unternehmen auf Platz 3 oder 4.

Zwar sind die Schweizer Unternehmen ambitioniert: Über 80 Prozent planen konkret, sogenannte AI-Agents zu entwickeln oder bereits einzusetzen. 37 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass KI-Agenten innerhalb des nächsten Jahres mit Mitarbeitern zusammenarbeiten werden.

Gleichzeitig geben nahezu 79 Prozent an, dass der Druck steigt, rasch sichtbare Resultate und klaren Return on Investment zu liefern. AI wird damit nicht mehr als Zukunftsprojekt betrachtet, sondern als unmittelbarer Wettbewerbsfaktor: Mehr als 73 Prozent der befragten Unternehmen stufen künstliche Intelligenz bereits heute als eine der höchsten Prioritäten im IT-Budget ein.

Trotz dieser hohen Investitionsbereitschaft wächst die Sorge über Kosten und Regulierung. Besonders ausgeprägt ist die Befürchtung, dass steigende Gehälter im AI-Bereich die Budgets überfordern könnten – dies geben 67 Prozent der Schweizer Unternehmen an. Ebenfalls rund 79 Prozent sehen sich mit zunehmend komplexen regulatorischen Anforderungen konfrontiert.

Die Studie von Cisco zeigt ein klares Muster unter den globalen Vorreitern:
-- KI ist Teil ihres Kerngeschäfts und nicht nur ein Nebenprojekt. Fast alle Vorreiter besitzen eine definierte KI-Roadmap, aber nur 48 Prozent der gesamten Schweizer Unternehmen. 38 Prozent verfügen in der Schweiz über einen Change-Management-Plan. Für nur 25 Prozent ist KI die oberste Investitionspriorität in der Schweiz.
-- Sie bauen eine Infrastruktur, die mitwächst. Während in der Cisco-Studie weltweit 71 Prozent der Vorreiter sagen, dass ihre digitalen Netzwerke vollständig flexibel sind und sich sofort für jedes KI-Projekt skalieren lassen, sind dies nur 10 Prozent der Schweizer Unternehmen. Und lediglich 26 Prozent der Schweizer Unternehmen investieren in den nächsten 12 Monaten in neue Rechenzentrumskapazitäten.
-- Sie bringen Pilotprojekte in die Produktion. Erfolgreiche Vorreiter haben einen ausgereiften Innovationsprozess und bereits KI-Anwendungsfälle umgesetzt. Das gilt jedoch nur für 10 Prozent der Schweizer Firmen und erst 20 Prozent haben solche Anwendungsfälle bereits finalisiert.
- Sie messen, was wichtig ist. 95 Prozent der globalen Schrittmacher verfolgen die Auswirkungen ihrer KI-Investitionen – fast viermal mehr als in der Schweiz (26 Prozent). Lediglich jedes vierte Schweizer Unternehmen (23 Prozent) ist zuversichtlich, dass die Anwendungsfälle neue Umsatzquellen erschliessen.

Über den Cisco AI Readiness Index 2025:
Der Cisco Index "AI Readiness" ist eine weltweite Studie, die bereits das dritte Jahr in Folge durchgeführt wurde. Sie basiert auf einer anonymen Umfrage unter 7’985 IT-Führungskräften in 30 Märkten, deren Organisationen mindestens 500 Mitarbeitende haben. 203 Befragte kamen aus der Schweiz. Die Bewertung der KI-Bereitschaft erfolgt anhand von sechs Säulen: Strategie, Infrastruktur, Daten, Governance, Talent und Unternehmenskultur. In allen Kategorien werden die Unternehmen anhand angegebener Leistungsmerkmale in die vier Gruppen "Vorreiter", "Verfolger", "Nachzügler" und "Abgehängte" eingeteilt.

Grafik: Cisco
Grafik: Cisco
Grafik: Cisco
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