Smartphone: Segen oder Gefahr für Ältere (KI-generiert von myshoun, pixabay.com)

Smartphones sind ein Segen für ältere Menschen, weil sie mit deren Hilfe in Kontakt zu ihren Kindern, Enkeln und Freunden bleiben können, auch wenn sie weit entfernt wohnen. Sie können allerdings auch Depressionen auslösen. Laut Forschern der Rutgers University ist jedoch entscheidend, wie diese Technik genutzt wird - zur Kommunikation oder zur Abkapselung etwa durch ständiges Spielen.

"Es läuft letztlich auf zielgerichtete Interaktion im Gegensatz zu zwanghaftem Realitätsfluchtverhalten hinaus. Dasselbe Gerät kann die Kluft zu Angehörigen und der Gemeinschaft überbrücken oder als Mauer dienen, um sie auszuschliessen", sagt Chien-Chung Huang von der Rutgers University. Diese Einschätzung basiert auf einer Umfrage mit 2.585 Erwachsenen ab 60 Jahren in 87 Gemeinden in fünf Bezirken von Guangzhou, China.

Sie berichten dabei über ihre Smartphone-Nutzungsgewohnheiten, Kommunikationspräferenzen und ihre soziale Teilhabe im realen Leben. Die Wissenschaftler haben zudem gesundheitliche und demografische Daten erfasst, darunter Alter, Geschlecht, Familienstand, Bildungsstand und Einkommen. Zudem wurden depressive Symptome mit einem bei älteren Erwachsenen häufig verwendeten Screening-Instrument gemessen.

Das Team, zu dem auch Forscher der Guangdong University of Foreign Studies gehören, hat maschinelles Lernen zur Ermittlung genutzt, welche Faktoren am stärksten mit Depressionen assoziiert sind. Diejenigen mit wenigen realen sozialen Kontakten neigen am ehesten zu Depressionen, dicht gefolgt von denen mit Smartphone-Sucht, definiert als zwanghafte oder übermäßige Nutzung, die das tägliche Leben beeinträchtigt.

"Wenn ein älterer Mensch sein Smartphone als Schutzschild gegen die soziale Teilhabe am realen Leben nutzt, droht eine Depression", so Huang. Er identifiziert mehrere Gruppen von Menschen, die besonders anfällig sind für Smartphone-bedingte Depressionen. Es sind beispielsweise ältere Männer mit geringer Bildung, die das Gerät vor allem zur Unterhaltung statt für die Kommunikation nutzen.

Auch Männer, die ihre Lebenspartnerin verloren haben, die zu Lebzeiten für soziale Kontakte zuständig war, seien gefährdet. "Ihr Smartphone wird dann eher zu einer isolierenden Krücke als zu einer Brücke", ergänzt Huang. Hochgradig gefährdet seien auch Personen mit höherem Einkommen und höherem Bildungsniveau, die unter einer Smartphone-Sucht leiden. Diese Erkenntnis lege nahe, dass Wohlstand, Bildung und Zugang zu Technologie keinen Schutz vor Einsamkeit bieten, wenn die Bildschirmzeit reale zwischenmenschliche Beziehungen ersetze.