Eine neue Ära im Silicon Valley hat begonnen. Am Mittwochabend führte John Ternus erstmals als offizieller CEO durch das traditionelle Herbst-Event von Apple in Cupertino. Erst seit dem 1. September im Amt, stand der 51-jährige Ingenieur vor der gewaltigen Aufgabe, das Erbe von Tim Cook anzutreten, der nach 15 Jahren an der Spitze auf den Posten des Verwaltungsratsvorsitzenden gewechselt ist. Die Übergabe wurde von Apple gewohnt perfekt inszeniert: Nach einem humorvollen Cameo-Auftritt im Intro-Video nahm Cook leise im Publikum des Steve-Jobs-Theaters Platz und überliess Ternus die ganz grosse Bühne.
Beobachter und Medien zeigten sich vom Auftritt des neuen Chefs gleichermassen beeindruckt. Ternus, der zuvor als Hardware-Entwicklungschef agierte, gilt im Gegensatz zum zahlen- und logistikorientierten Cook als echter "Product Guy“. In dunklem Pullover und Jeans präsentierte er sich ruhig, unaufgeregt und nahbar. Besonders auffällig war die bewusste Rückbesinnung auf die Ära des legendären Firmengründers Steve Jobs. Ternus nutzte nicht nur die berühmte Präsentationsformel "One more thing“, sondern zog das am heissesten erwartete Produkt des Abends schliesslich spektakulär aus seiner eigenen Hosentasche.
Das absolute Highlight der Keynote war die Enthüllung von Apples erstem faltbaren Smartphone: dem iPhone Duo. Damit wagt Apple nach Jahren des Abwartens den lang ersehnten Vorstoss in das Segment der Foldables. Zusammengeklappt besitzt das Gerät in etwa die Masse eines Reisepasses, während es aufgeklappt ein beeindruckendes 7,6-Zoll-Display offenbart, das sogar den Apple Pencil unterstützt. Apple versucht, die Kinderkrankheiten der Konkurrenz zu umgehen – so soll die typische Falte in der Bildschirmmitte kaum noch sichtbar sein. Um das Gerät extrem dünn zu halten, wurden jedoch Kompromisse eingegangen: Es verzichtet auf FaceID und setzt stattdessen auf einen Fingerabdrucksensor. Mit einem Einstiegspreis von 2.299 Euro (1.999 US-Dollar) ist das Duo zudem das teuerste iPhone aller Zeiten.
Neben der spektakulären Hardware-Neuheit nutzte Ternus den Auftritt, um Apples strategische Richtung im anhaltenden Richtungsstreit um Künstliche Intelligenz (KI) zu untermauern. Er positionierte das iPhone klar als den zentralen "intelligenten persönlichen Hub“ für die digitale Zukunft. Während Konkurrenten auf Datenbrillen oder völlig neue Gadgets setzen, bleibt das Smartphone für Apple das Zentrum des KI-Zeitalters. Dabei grenzte Ternus den Tech-Riesen scharf von anderen KI-Anbietern ab, indem er den Datenschutz betonte: Berechnungen von "Apple Intelligence“ sollen prioritär direkt auf dem Gerät oder über hochsichere, eigene Cloud-Server (Private Cloud Compute) abgewickelt werden.
Flankiert wurde die Doppelpremiere aus neuem Chef und neuem Falthandy von den alljährlichen Updates für die klassische iPhone-18-Reihe – die unter anderem ein neues Farbdesign in einem Burgunder-Dunkelrot erhält – sowie Aktualisierungen für die Apple Watch und die AirPods.Mit diesem Abend hat John Ternus ein klares Signal der Kontinuität und des gleichzeitigen Aufbruchs gesendet. Ob seine Wette auf das hochpreisige iPhone Duo und die eigene KI-Strategie aufgeht, werden die Verkaufszahlen im kommenden wichtigen Weihnachtsquartal zeigen. Der erste Eindruck zeigt jedoch: Apple wird unter dem Ingenieur Ternus wieder spürbar technischer und produktfokussierter.
