Stefan Nogly (Bild: DSAG)

Die Technologietage 2026 der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) vom 17. bis 18. März in Hamburg stehen unter dem Motto: "Lights on Layers. Clarity-by-Design?" Das Licht wird dabei auf drei zentrale "Schichten" gelenkt: Künstliche Intelligenz, Daten und Sicherheit. In diesen Handlungsfeldern erwarten Anwenderunternehmen Klarheit. Was es dafür aus den Perspektiven der Strategie, der Entwicklung und des Betriebs braucht, diskutierten mehr als 3’000 Teilnehmende an den zwei Veranstaltungstagen.

"Derzeit entstehen Technologien im Wochentakt. IT-Systeme kommunizieren miteinander über alle kontinentalen Grenzen hinweg. Datenmengen explodieren, die Risiken nehmen zu und alles wird gleichzeitig immer wichtiger," heisst es in einer Aussendung der DSAG. Orientierung entstehe, wenn SAP und die Anwenderunternehmen ihre Aufmerksamkeit noch stärker auf die Hebel richteten, die den grössten Einfluss auf ihre digitale Entwicklung haben. "Drei davon betrachten wir als DSAG bei den Technologietagen 2026: Künstliche Intelligenz (KI), die Daten und die IT-Sicherheit. Diese drei Bereiche ordnen aktuell nicht nur den Technologiesektor neu, sondern die komplette Wertschöpfung", betont Stefan Nogly, DSAG-Fachvorstand Technologie.

Künstliche Intelligenz sei ein zentraler Hebel, weil sie künftig jede Architektur und jede Business-Capability verändern werde, heisst es in der Mitteilung weiters. Richtig eingesetzt, könne KI Entscheidungen beschleunigen, Prozesse verändern und Aufgaben erleichtern. Im Bereich der KI-Agenten habe man viele Lösungen angekündigt und auch umgesetzt. Aber oftmals würden diese in den Unternehmen noch nicht flächendeckend eingesetzt. SAP verfolge die klare Strategie, die KI aus der Experimentierphase in die Unternehmensrealität und Geschäftsprozesse zu übertragen – ein Weg, den die DSAG ausdrücklich begrüsse. "In ein Multi-Agenten-System zu investieren, ist richtig, denn KI darf nicht nur eine lose Ansammlung von Use Cases sein, sondern muss als orchestriertes System entlang klarer Richtlinien funktionieren", erläutert Nogly. Zudem sei es notwendig, Modelle unterschiedlicher Anbieter integrieren zu können und auch SAP-spezifische Modelle wie SAP-RPT1 zu haben, das strukturierte Geschäftsdaten nativ versteht. Das sei ein echter strategischer Vorteil.

"SAP hat den hohen Anspruch, dass KI Enterprise-ready sein soll. Dazu gehören nicht nur möglichst viele KI-Agenten. Auch Performance, Sicherheit, Compliance, Stabilität und Integration müssen weiterhin von Anfang an mitgedacht und garantiert werden", fordert der DSAG-Technologievorstand. Während SAP bereits viele KI-Funktionalitäten geliefert habe, komme es nun für SAP darauf an, den Unternehmen die Einführung und Nutzung von KI weiter zu vereinfachen.

Um den strategischen Hebel von KI optimal nutzen zu können, benötigten Unternehmen zudem Transparenz über ihre zukünftigen IT-Architekturen. In der Unternehmensrealität werde parallel zur SAP-Strategie in eigene KI-Lösungen investiert. Dies sei zum einen ein Zeichen dafür, dass sich manche Unternehmen noch in einer Experimentierphase befinden und zum anderen die Einstiegshürden von SAP für Unternehmen zu hoch seien.

Das zeige sich auch im aktuellen Investitionsverhalten: Laut DSAG-Investitionsreport 2026 setzen die befragten DSAG-Mitgliederunternehmen bislang im KI-Bereich noch wenige KI-Use-Cases produktiv ein. Ein Grund dafür sei, dass die befragten Unternehmen noch keine SAP-Cloud-Anwendungen im Einsatz hätten. "Darum brauchen die Unternehmen jetzt Klarheit über die zukünftigen Architekturen und Anwendungsszenarien. Gleichzeitig sind sie aber auch gefordert, gezielt, strukturiert und nachhaltig ihr eigenes KI-Know-how aufzubauen, um mit den rasanten Entwicklungen Schritt zu halten", so Nogly.

KI, die stabil, integriert, regulierbar und skalierbar sei, könne den gewünschten Mehrwert für die Unternehmen schaffen. Zudem müssten SAP-KI-Lösungen, Produkte von Drittanbietern sowie kundenspezifische Erweiterungen eng zusammenspielen und betreibbar sein. Ausgangspunkte seien heute komplexe Lizenzmodelle und bestehende heterogene, teils stark individualisierte, Kundenlandschaften. Diese stellten derzeit eine Herausforderung für die breite Nutzung neuer KI-Innovationen dar. Hier müssten Unternehmen, Partner, DSAG und SAP Hand in Hand arbeiten, um individuelle Erweiterungen zu reduzieren und konsequent das Clean-Core-Prinzip verfolgen, sodass bestehende Systemlandschaften in die Cloud überführt oder mit Cloud-Erweiterungen modernisiert werden könnten.

Viele Unternehmen hätten in den vergangenen Jahren erheblich in die Entwicklung von SAP Fiori Apps investiert, um individuelle Prozessanforderungen effizient abzubilden, so die Mitteilung. Diese Lösungen seien tief im Tagesgeschäft verankert, langfristig ausgelegt und erforderten einen Investitionsschutz. "Während SAP mit Joule eine neue Generation der Benutzeroberfläche vorantreibt, ist für unsere Mitglieder entscheidend, dass bestehende Umgebungen weiterhin vollwertig unterstützt und strategisch abgesichert bleiben", sagt Nogly. SAP habe zugesichert, bestehende Fiori-Landschaften langfristig zu unterstützen.

Der Erfolg von KI hänge entscheidend von einer konsistenten Datenbasis ab, was Datenmanagement zu einem strategischen Handlungsfeld werden lasse. Das Fundament für die Harmonisierung von SAP-Daten und ihre Integration mit Drittquellen habe SAP mit der SAP Business Data Cloud (BDC) gelegt. Damit die BDC ihre Wirkung als einheitliche Datenplattform in den Unternehmen entfalten könne, müsse die BDC kontinuierlich weiterentwickelt werden, um ihre Rolle als transparente und anschlussfähige Datenschicht zu stärken.

Dem stünen die oft noch fragmentierten IT-Landschaften bei Unternehmen im Weg. "Abhilfe schaffen mehr vorgefertigte, dokumentierte Datenprodukte mit Kontrolle über die Domänen durch den Anwender plus praxisorientierte und vordefinierte Schulungs- und Governance-Pakete. Auch brauchen die Unternehmen eine klare Katalogisierung der Datenprodukte sowie ein Mapping zwischen kundenspezifischen Strukturen und Standardprodukten", so Nogly. Die Abbildung einer modernen Data Governance stelle sicher, dass Datensilos, redundante Strukturen und unterschiedliche Interpretationen von Begriffen und Kennzahlen aufgelöst würden. Hier könne die SAP BDC wirksam unterstützen, damit KI durch KI-Agenten, moderne Analytics-Funktionen und intelligente Prozesse nutzenstiftend eingesetzt werden könne.

Neben KI-Innovationen und einer gesunden Datengrundlage benötigten Unternehmen desweiteren sichere und resiliente Prozesse. Die IT-Sicherheit bilde die Grundlage für die zuverlässige und verantwortungsvolle Nutzung von Cloud und KI sowie den Zugriff auf Daten. Hier müsse klar sein, dass KI auch auf der Seite von Angreifern genutzt werden könne und so das Sicherheitsrisiko steigen lasse. Security sei eine Haltung, die sich durch Standards, Messbarkeit sowie einen klaren Prozess mit gelebten Abläufen und fortlaufendem Enablement zeige. "Mehr Daten, mehr autonome Systeme und der Einsatz von KI vergrössern die Angriffsfläche, die Komplexität und den Anspruch an die Resilienz. Im Rahmen der Datenstrategie geht es um Data-Ownership und die nachvollziehbare Herkunft der Daten. Das dafür notwenige Betriebs- und Governance-Modell haben viele Unternehmen noch nicht verinnerlicht", streicht Nogly hervor.

Dabei seien die technischen Funktionen aus DSAG-Sicht nicht alles. Darüber hinaus bräuchte es wie erwähnt Enablement, Best Practices und Referenzartefakte, die es den Unternehmen ermöglichten, Governance nicht nur zu definieren, sondern zu leben. Im Kontext der SAP-KI-Strategie müssten die Unternehmen verstehen, wie die KI-Agenten arbeiten, welche Daten sie nutzen und welche Richtlinien und Heuristiken Entscheidungen steuern. "In einer KI-getriebenen Welt brauchen wir transparente Entscheidungswege, klar definierte Freigaben und eine Vertrauen schaffende Nachvollziehbarkeit, sowohl technisch als auch regulatorisch", fasst Nogly zusammen.

Das Innovationstempo von SAP in den Bereichen Cloud, KI und Analytics sei hoch und stelle Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen. Viele befänden sich noch in der Einführung neuer Cloud‑Technologien und benötigten weitere Orientierung, sonst wachse die technologische Distanz zwischen SAP und Unternehmen.

Um Transformationen und Innovationen zeitnah umsetzen zu können, helfen die Enablement-Programme für SAP-Lösungen – und ein weiterer Ausbau dieser Angebote würde von der DSAG begrüsst werden. "Wichtig sind dedizierte Förderprogramme, Migration-Toolkits und noch praxisnähere Referenzarchitekturen für hybride Szenarien. Wir arbeiten mit SAP daran, Meilensteine für Unternehmen zu definieren, damit sie den Aufwand abschätzen und einplanen können", so Nogly. Die DSAG-Mitgliedsunternehmen könnten in diesem Zusammenhang ebenfalls ihre Stärken ausspielen, mit kontinuierlichem, praxisnahem Feedback an SAP zum konkreten Bedarf. Als konstruktive Grundlage für Roadmaps – von der Produktstrategie bis zur Preispolitik.

Eine zentrale Rolle bei der Unterstützung der SAP-Anwender im Umgang mit den Innovationen und Herausforderungen komme der Community in der DSAG zu. Die verschiedenen Gremien erarbeiten kontinuierlich fachliche Empfehlungen und böten zahlreiche Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch. Mit der DSAG-Academy gebe es zusätzlich ein spezifisches Enablement-Angebot, das vor allem die Themen KI, Daten und Security mit praxisorientierten Qualifizierungsformaten wirksam unterstütze.

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