Während in Europa bereits Funktionen wie Notbremsung, Geschwindigkeitsassistent und Fahreraufmerksamkeitsüberwachung vorgeschrieben sind, um die Zahl von Verkehrsunfällen zu reduzieren, bleibt ein kritischer blinder Fleck bestehen: die Gesundheit der Fahrenden. Das Schweizer Technologie-Innovationszentrum CSEM schliesst nun diese Lücke mit "Drivercheck". Dabei handelt es sich um eine miniaturisierte Kamera im Innenraum, die Herzschlag, Atmung und Wachsamkeit kontinuierlich und mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) in Echtzeit überwacht.
Wenn Müdigkeit, Stress oder ein plötzlicher medizinischer Notfall erkannt wird, kann das System den Fahrer warnen – und die Daten könnten vom Fahrzeug genutzt werden, um Assistenzfunktionen wie sicheres Abbremsen oder Parken auszulösen. Drivercheck wird erstmals am 8. Oktober auf der "Incabin Europe" in Barcelona vorgestellt.
Seit 2020 verlangt Norwegen eine gründliche Untersuchung aller tödlichen Verkehrsunfälle, einschliesslich obligatorischer Autopsien. Die Ergebnisse sind frappierend: Plötzliche medizinische Ereignisse sind laut dem norwegischen Verkehrsministerium "weitaus häufiger als erwartet". Dies bestätige, wofür Drivercheck entwickelt wurde – die Gesundheit des Fahrers als letztes fehlendes Glied in der Verkehrssicherheit, so die CSEM-Forscher.
Stellt man sich etwa vor, man fährt spät in der Nacht nach Hause und plötzlich durchzuckt ein stechender Schmerz den Arm und man sieht nur noch verschwommen. Es ist kein Anfall von Müdigkeit – es ist ein Herzinfarkt. Bevor Panik ausbricht, löst hier Drivercheck einen Alarm aus und übergibt die Kontrolle an die fortschrittlichen Fahrerassistenzsysteme des Fahrzeugs, die dann Warnsignale ausgeben, das Auto verlangsamen, die Warnblinkanlage einschalten und das Fahrzeug in Sicherheit lenken.
Was wie Science-Fiction klingt, ist heute Realität. Mit einer winzigen Kamera und fortschrittlicher KI erkennt Drivercheck Mikroblinzeln, das auf Schläfrigkeit hindeutet, subtile Haltungsänderungen, die Ablenkung verraten, und Herzfrequenzspitzen, die auf einen medizinischen Notfall hinweisen. In Tests hat das System die Herzfrequenz mit einer Fehlerquote von weniger als drei Schlägen pro Minute gemessen und Schläfrigkeit mit einer Genauigkeit von über 95 Prozent erkannt.
"Drivercheck fungiert wie ein Schutzengel – immer wachsam, ohne den Fahrer abzulenken§, kommentiert Nadim Maamari, Gruppenleiter Edge AI & Vision bei CSEM. "Unser Ziel ist einfach: Leben retten, indem wir 30 Sekunden vor dem Ernstfall eingreifen."
Drivercheck wurde laut CSEM-Angaben mit dem Schwerpunkt auf Datenschutz entwickelt. Das System zeichnet keine persönlichen Informationen, kein Gender, keine ethnische Zugehörigkeit und keine biometrischen Profile auf. Die gesamte Verarbeitung erfolge "onboard" mit 40 bis 60 Bildern pro Sekunde ohne Cloud-Verbindung. Dadurch werde die vollständige Einhaltung sowohl des Schweizer Datenschutzgesetzes als auch der europäischen DSGVO gewährleistet.
DriverCheck wird als anpassbares Hardware-Software-Kit angeboten, das von Automobilherstellern, Zulieferern und Flottenbetreibern integriert werden kann. CSEM startet derzeit ein gemeinsames Entwicklungsprogramm, um die Lösung anzupassen und zu industrialisieren.
