Die Openstack Foundation stellt sich neu auf

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Zwei mal pro Jahr versammelt die Openstack Foundation ihre Community aus Opensource-Entwicklern, Anwendern, Herstellern und Service Providern an verschiedenen Orten rund um den Globus. Auf dem letzten Treffen, das kürzlich in Vancouver, an der Westküste Kanadas stattfand, zeichnete sich eine Konsolidierung der alternativen Cloud-Plattform ab.

Zwar kamen weniger Besucher, und auch der Marketplace mit IT-Ausstellern war in der Vergangenheit schon grösser und imposanter gewesen, doch es zeigte sich, dass der Informations- und Diskussionsbedarf im Convention Center von Vancouver ungebrochen war. Es fanden wie gewohnt viele thematische Sessions zu den verschiedenen Baustellen der Plattform wie Computing, Networking oder Storage statt, in denen neue Features und Erweiterungen vorgestellt wurden. Und es waren dort viele Fragen und Diskussionsbeiträge der Teilnehmer zu vernehmen. Zusätzlich waren überall im Convention Center inoffizielle Treffen und Diskussionen zwischen den anwesenden Community-Leuten zu beobachten. Sich heutzutage nur online auszutauschen, reicht ganz offensichtlich nicht aus, wie auch ähnliche Eindrücke auf anderen Opensource-Konferenzen wie Cloud Foundry oder Kubecon + Cloudnativecon bestätigen.

Mit dieser Entwicklung können die grossen hauptsächlich auf Showeffekte und Kundenbindung ausgerichteten Konferenzen wie beispielsweise die von Dell EMC, Oracle oder Salesforce oder anderen nicht mehr mithalten. Dort geht es eher langweilig zu, und proprietäre “Lösungen” stehen im Vordergrund. In Vancouver hatten die Veranstalter nur noch einen Vormittag für die grossen Keynotes angesetzt – ebenfalls eine löbliche Änderung, da diese häufig wenig informativ sind, sondern der blossen Selbstdarstellung dienen.

Statt fader Keynotes fanden an den anderen Tagen verschiedene thematisch gebündelte kürzere Vorträge statt: Mit “Opendev” hatte die Openstack Foundation schon im Vorjahr einen eigenen Event ins Leben gerufen, der in Vancouver in das Programm integriert wurde. Opendev will sich um die “Schnittstellen zwischen einer offenen Infrastruktur und modernen Applikationen” kümmern. Es gab in Vancouver verschiedene Vorträge und Panels zu dem Thema CI/CD (Continuous Integration, Deployment und Delivery), inclusive Devops und Modelle für “cloud-native” Software. Benjamin Mako Hill von der University of Washington wies in seiner Präsentation auf den Widerspruch hin, den das prominente Community-Tool Github, das nun von Microsoft übernommen wird, darstellt: Es ist ein Forum und eine Dokumentationsstelle für Opensource-Projekte, das sich aber selbst in privater, proprietärer Hand befindet und seine Webseite stark reguliert und kontrolliert.

Google und Netflix stellten ihr Spinnaker-Projekt (“Continuous Delivery for Enterprise”) vor, und Elizabeth K. Joseph von Mesosphere und sehr aktiv in der Openstack Foundation, sprach über das Apache-Mesos-Projekt (Resource Sharing und Distributed Computing). Im Anschluss an den ersten Opendev-Event wurde letztes Jahr ein Edge Computing Working Group gebildet, die jetzt ein “Cloud Edge Whitepaper” als Diskussionsbasis in der Foundation vorstellte. Bei Edge Computing geht es um neue Anwendungen, Services und Workloads, die “zunehmend nach einer Art von Systemen verlangen, die direkt eine verteilte Infrastruktur unterstützen”. In einer Cloud-Umgebung müssen demnach entfernte Systeme stärker einbezogen werden: Daten, die vor Ort (at the edge) entstehen und die für zentrale Auswertungen gebraucht werden, sollen sofort übermittelt werden.

Das Management-Tool “Zuul” wird ebenfalls in die Openstack Foundation aufgenommen. Das neue Projekt wurde ursprünglich zum Testen in CI/CD-Umgebungen entwickelt. Inwischen wird es von Unternehmen und Organisationen wie BMW, Godaddy, Openlab oder Wikimedia unterstützt.

Neu ist ferner ein eigenes Container-Projekt der Foundation. Container und ihre Verwaltung gehörten bisher nicht zu den zentralen Aufgaben von Openstack. Container und die von Google freigegebene Orchestrierungs-Software Kubernetes nahmen einen breiten Raum der Sessions und Diskussionen in Vancouver ein. Darüber hinaus wurde mit “Kata Containers” der Schritt in diese neue Welt einer Konkurrenz zu bestehenden Container-Ansätzen getan. Laut Openstack können mit Kata Containers “containerisierte IT-Aufgaben mit so grosser Sicherheit isoliert werden, wie sie sonst nur mit virtuellen Maschinen (VMs) erreichbar ist, jedoch ohne die Leistungseinbußen einer reinen VM-Lösung“. Damit biete diese Lösung eine „schnelle und sichere Implementierungsoption für hochgradig regulierte Arbeitslasten“. Das Anwendungsspektrum soll von der öffentlichen oder privaten Cloud bis hin zu Container-as-a-Service und Edge Computing reichen. Kata Containers wurde zuerst von Intel und Hyper.sh entwickelt und soll primär den virtuellen Maschinen von VMware und Microsoft Azure Konkurrenz machen. VMware war erst vor kurzem mit einer Security-Lösung herausgekommen, die „flüchtige“ Container in nach aussen isolierte virtuelle Maschinen packt.

Die Openstack Foundation ist eine der grössten Opensource-Gruppen neben der Linux Foundation oder der Apache Foundation. Während sie sich in der Vergangenheit auf einen offenen Ansatz für Cloud-Infrastruktur beschränkte, zeigte die Veranstaltung in Vancouver eine deutliche Veränderung: Unter dem Openstack-Dach finden sich nun neue Initiativen wie Container, Opendev (IC/DC) oder Zuul, ähnlich wie bei der Linux Foundation, die zum Beispiel auch die CNCF (Cloud Native Compute Foundation) beherbergt. Die Openstack-Führungscrew Mark Collier, Jonathan Bryce und Lauren Sell schliesst nicht aus, dass weitere Aktivitäten folgen könnten – darunter Machine Learning oder Artificial Intelligence (AI).

Das würde auf jeden Fall frischen Wind in die bestehende Community bringen. Und eine Konkurrenz zu der Linux Foundation wird der ganzen Opensource-Welt einen weiteren Schub geben. Wie heisst es doch so schön: Konkurrenz belebt das Geschäft. Die grossen IT-Konzerne müssen aufpassen, dass sie diese Entwicklung nicht verschlafen.

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