Die IT der Startups braucht die Unterstützung der Marktführer

Die neue Datacore - von Hyper Converged bis zur Cloud (Bild: zVg)
Die neue Datacore - von Hyper Converged bis zur Cloud (Bild: zVg)

Im Rahmen einer IT Press Tour durch das Silicon Valley konnten Journalisten aus Europa und den USA neun Startups und zwei bereits am Markt platzierte Hersteller aus der Storage-Szene näher kennenlernen. Diesmal berichten wir über das scheinbar bereits am Markt etablierte Storage-Unternehmen Datacore.

Zur Erinnerung: Im Rahmen dieser Tour präsentierte etwa Data Dynamics seinen Ansatz von "file-based Storage Management und Migration", mit dem man bereits grosse Kunden bei Banken und Industrie gewinnen konnte (wir berichteten). Storone und Kaminario stellten dabei die Unterstützung durch grosse Distributoren wie Tech Data vor, die ihnen das Überleben sichern. Kaminario-CEO Dani Golan skizzierte die Marktsituation, in der er selbstkritisch fragte: "Wie viele neue Storage Companies sind eigentlich profitabel?" Als wir Golan früher einmal (im Herbst 2016) in seinem israelischen Hauptquartier trafen, hatte er sich noch überschwenglich optimistisch gegeben und den kurz bevor stehenden Durchbruch bei Umsatz und Gewinn prognostiziert. Doch es kam anders, trotz mehrerer Finanzierungsrunden durch Venture Capitalists.

Inzwischen herrscht in der Startup-Szene allgemein Nüchternheit, und selbst recht erfolgreiche Newcomer wie Nutanix und Pure Storage verhehlen nicht länger, dass sie noch immer nicht profitabel sind (und die zahlreichen Funding-Gelder der Investoren noch immer nicht zurückgezahlt haben).

Auch ein scheinbar bereits am Markt etabliertes Storage-Unternehmen wie Datacore, das mit seinem Virtualisierungsansatz für Speicherumgebungen viele Kunden gewinnen konnte, konzediert nun die Notwendigkeit eines Neuanfangs. Der Gründer und frühere CEO George Teixeira hat sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und hat nun die Position des Chairman inne, nachdem die allein auf on-prem Virtualisierung aufbauende Technologie offenbar nicht mehr im Konkurrenzwettkampf mithalten konnte. Wohl unter dem Druck einiger Financiers ist es zu einem Austausch des Top-Managements gekommen, angeblich wurden bis zu 70 Prozent der fūhrenden Posten neu besetzt. Neuer CEO ist seit April 2018 Dave Zabrowski (früher bei HP, 2010 Gründer von Cloud Cruiser, später an HPE verkauft).

Um sich in der an Storage interessierten Fachöffentlichkeit und bei der alten Kundenbasis interesssant zu machen, lancierte das neue Datacore-Team Anfang Juni zunächst einige sehr verklausulierte und mit Sperrfrist versehene „News“, ohne sie aber inhaltlich zu füllen. Was in den Augen des neuen Managements offensichtlich fehlte, war eine Orientierung in Richtung Cloud und eine Ergänzung des Software-defined Ansatzes des Hauptprodukts SANsymphony in Richtung Hyper-converged Infrastructure. Zabrowski berichtet, dass man mit vielen Kunden gesprochen und den Storage-Markt insgesamt analysiert habe. Resultat der Recherche: Während in der Vergangenheit immer wieder betont wurde, wie einzigartig und erfolgreich der klassische SDS-Ansatz von Datacore sei, heisst die Lösung nun Offenheit und Annäherung an die Konkurrenz von VMware HCI oder an die Monitoring-Lösungen von HPE/Nimble Storage Infosight, Kaminario Clarity, Netapp OnCommand Insight oder Pure 1 von Pure Storage. Anders gesagt: Datacore (noch immer in Privatbesitz) verspricht sich eine Verbesserung der eigenen Situation, indem man den aktuellen grossen Markttrends folgt.

Datacore ist davon überzeugt, mit „HCI-Flex“ und „Datacore One“ in die Liga der einheitlichen Hardware- und Software-Lösungen vorzustossen und mit „Datacore Insight Services“ (DIS) ebenso intelligentes Online-Monitoring wie die Konkurrenten anzubieten.

Das Fachblatt „Storagenewsletter“ vermutet, dass Datacore unter Teixeira zu „habgierig“ („greedy“) gewesen sei – und sich deshalb nicht in Richtung Erweiterung des Produktfolios oder Akquisitionen bewegt habe. Man begnūgte sich mit dem erreichten status quo, mit den über 10.000 Kunden, den 800 Channel-Partnern und einer Präsenz in mehr als 50 Ländern, und das bei lediglich 220 festen Mitarbeitern.

Ob es dem neuen Management-Team und seiner Strategie gelingen wird, das Ruder wieder auf Wachstumskurs herumzureissen, bleibt abzuwarten. Während Datacore früher ein eindeutig identifizierbarer Storage-Player war, ist der Hersteller jetzt „modernisiert“, aber auch verwechselbarer – einer unter anderen in dem riesigen Feld von HCI, Appliances und Monitoring-Systemen. Allerdings: Die Kundenbasis ist beträchtlich, und eine Akquisition durch einen der jetzigen HCI- oder Monitoring-Marktführer wäre nicht besonders verwunderlich. Und die Riege der Datacore-Gründer – heute mehr im Hintergrund – hätte (wieder) einigen Grund zur Freude.

Dave Zabrowski, CEO Datacore (Bild: zVg)
Dave Zabrowski, CEO Datacore (Bild: zVg)