Deutsche Unternehmen holen bei der Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Breite rasant auf, hinken bei der tiefen strategischen Transformation und den Investitionen im internationalen Vergleich aber weiterhin hinterher. Während die Technologie im operativen Alltag und im Mittelstand angekommen ist, fehlt es oft noch an der konsequenten Skalierung in den Kernprozessen.
Jedenfalls hat der Einsatz von KI in der deutschen Wirtschaft das reine Versuchsstadium verlassen. Repräsentative Studien zeigen ein deutliches Wachstum. Laut Erhebungen des IFO Instituts nutzen mittlerweile 54,5 Prozent der deutschen Unternehmen KI – ein steiler Anstieg im Vergleich zum Vorjahr (40,9 Prozent). Und eine aktuelle Untersuchung der IW Consult zeigt, dass rund 40 Prozent des Mittelstands KI einsetzen, was einem Zuwachs von 118 Prozent seit 2024 entspricht. Selbst Kleinstbetriebe integrieren zunehmend Standard-Tools.
Einen Boom gibt es auch bei Startups. Die Gründungsdynamik ist auf einem Allzeithoch. Mehr als jedes dritte neu gegründete Startup in Deutschland hat einen direkten KI-Bezug.
Trotz der hohen Nutzungsraten offenbaren Analysen von Beratungsunternehmen wie Deloitte und KPMG jedoch strukturelle Defizite. So wird KI meist zur punktuellen Optimierung (z.B. Texte schreiben, Kundenservice) genutzt. Nur etwa 5 Prozent der Firmen nutzen die Technologie für eine echte, strukturelle Transformation ihrer Geschäftsmodelle.
Im globalen Vergleich investiert Deutschland viel zu wenig. Während in den USA laut Statista jährlich dreistellige Milliardenbeträge an privaten Geldern in den KI-Sektor fliessen, liegt Deutschland im einstelligen Milliardenbereich weit abgeschlagen im hinteren Mittelfeld. Nur bei sehr wenigen Unternehmen ist das Thema KI gemäss Deloitte direkt auf CEO-Ebene verankert. Zudem bremsen der Fachkräftemangel und Datenschutzbedenken die Skalierung.
Deutschlands grosse Chance liegt nicht bei den klassischen Sprachmodellen, sondern in der Verknüpfung von KI mit der physischen Welt ("Industrial AI"). Tech-Riesen bauen vermehrt industrielle KI-Cloud-Zentren (wie im Münchner Tucherpark), um Fabriken, Robotik und digitale Zwillinge zu vernetzen. Zudem hat die deutsche Bundesregierung die Plattform Industrie 4.0 neu aufgestellt. Zusammen mit Schwergewichten wie Siemens, Bosch und SAP soll KI bis 2030 zum flächendeckenden Standard in der deutschen Produktion werden.
