Grossbritannien ist stärker von den Umwälzungen durch Künstliche Intelligenz (KI) betroffen als jede andere grosse Volkswirtschaft. Dies zeigt eine Analyse der Deutschen Bank, die 30 Länder berücksichtigt. Danach könnte KI einen relativ grossen Teil der britischen Erwerbsbevölkerung betreffen. Zu den Gründen dafür zählt die Tatsache, dass ein Grossteil der britischen Exporte auf Branchen des Dienstleistungssektors entfällt, der durch die neue Technologie auf den Kopf gestellt werden könnte.
Die Analyse der Deutschen Bank deckt sich mit wachsenden Befürchtungen, dass KI zwar einen erheblichen Schub für das Wirtschaftswachstum bedeuten könnte, aber gleichzeitig auch eine potenzielle grosse Bedrohung für Arbeitsplätze darstellt. Auch der Gouverneur der Bank of England, Andrew Bailey, warnt, dass KI Arbeitsplätze zerstören könnte - schneller, als irgendjemand erwartet.
Die Deutsche Bank hat untersucht, wie "Wissensarbeit" von KI betroffen sein könnte, was sich sowohl auf Arbeitsplätze als auch auf die Handelsbilanzen einer Reihe von Volkswirtschaften auswirken würde. In dem Bericht heisst es, die nächste Phase des KI-Wandels "könnte durch ihre Auswirkungen auf Angestelltenberufe geprägt sein".
"Wenn wir unsere Ergebnisse auf ein Land eingrenzen müssten, das besonders hervorsticht, wäre das Grossbritannien", so Deutsche-Bank-Analyst Shreyas Gopal, der den Bericht verfasst hat. "Ein hoher Anteil der britischen Erwerbsbevölkerung ist in Berufen tätig, die von KI betroffen sind. Und aus Sicht der Aussenbilanz exportiert Grossbritannien derzeit viele Dienstleistungen, die von KI betroffen sein könnten, während es gleichzeitig Waren und andere Dienstleistungen importiert."
Die Tendenz des Berichts deckt sich mit ähnlichen aktuellen Erkenntnissen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) über Londons Anfälligkeit für ein "KI-Arbeitsplatzmassaker". Das sei auch vor dem Hintergrund neuer Untersuchungen der Work Foundation zu sehen, einer Denkfabrik, die an der Lancaster University in Grossbritannien angesiedelt ist.
Diese zeigen, dass junge Menschen, die Arbeit suchen, oft von KI-Bots statt von Menschen abgelehnt werden, was das Selbstvertrauen von Arbeitssuchenden erschüttert, denen es ohnehin schon zunehmend schwerfällt, eine Stelle zu finden. Viele befürchten, dass Einstiegsjobs in traditionell beliebten Berufen für Hochschulabsolventen wie Rechnungswesen und Jura durch KI bedroht sind, da KI mittlerweile viele der Routine-Aufgaben übernehmen kann, die diese Berufe mit sich bringen.
Ungeachtet dessen scheinen die Milliardeninvestitionen vor allem von US-Firmen in Hard- und Software der KI denen in Anwendungen rund um das Internet zwischen 1997 und 2000 zu ähneln, was schliesslich zum Platzen der Dotcom-Blase führte. Die Erwartungen an das wirtschaftliche Potenzial des Internets überstiegen die tatsächlichen Gewinne vieler Unternehmen - bis der Markt diese Überbewertung korrigierte, mahnen Forscher der Cornell University.
