Setzt bei KI auf Selbstregulierung: Donald Trump (Foto: Pixabay/Wokandapix)

US-Präsident Donald Trump und die Spitzen der führenden amerikanischen Technologieunternehmen haben sich auf ein gemeinsames, freiwilliges Abkommen zur Zukunft der Künstlichen Intelligenz geeinigt. Bei einem Treffen im Weissen Haus, an dem unter anderem Meta-Chef Mark Zuckerberg, Alphabet-Boss Sundar Pichai, Nvidia-Chef Jensen Huang, OpenAI-Präsident Greg Brockman und Anthropic-Chef Dario Amodei teilnahmen, wurde ein Dokument unterzeichnet, das Trump als "moralisch bindend“ und als eine Art "Verfassung“ für die Branche bezeichnete.

Statt auf strenge staatliche Gesetze oder internationale Regulierungen setzt die Trump-Administration voll auf das Prinzip der freiwilligen Selbstkontrolle. Die beteiligten Tech-Riesen verpflichten sich in der Vereinbarung dazu, robuste interne Kontrollen für ihre Systeme zu etablieren, mit unabhängigen externen Prüfern zusammenzuarbeiten und spezielle Ausschüsse in ihren Vorständen einzurichten. Trump argumentierte, dass die wirtschaftlichen Interessen der Konzerne bereits der beste Schutz seien, da die Unternehmen bei schwerwiegenden Fehlern ihre eigene Existenz aufs Spiel setzten. Zur Flankierung erwägt die Regierung die Einsetzung eines zehnköpfigen Gremiums, um die Branche zu überwachen.

Ein zentraler Pfeiler des Treffens war zudem das klare Bekenntnis zum massiven Ausbau von Rechenzentren. Trotz wachsender Proteste in US-Gemeinden wegen des enormen Energie- und Wasserbedarfs dieser Anlagen stellt sich Trump kompromisslos hinter die Tech-Branche. Jede Verlangsamung des Ausbaus oder eine Überregulierung der Technologie würde laut dem US-Präsidenten dem globalen Rivalen China in die Hände spielen. Mit dem Pakt sichert sich die Tech-Industrie den politischen Rückenwind für den milliardenschweren Infrastruktur-Boom, während die Regierung die technologische Vormachtstellung der USA sichern will.

Die Einigung im Weissen Haus mag von der Tech-Branche als historischer Schulterschluss gefeiert werden, hinterlässt jedoch einen faden Beigeschmack. Das Prinzip der freiwilligen Selbstregulierung ist in der Praxis oft kaum mehr als ein zahnloser Tiger. Wenn Unternehmen selbst darüber entscheiden, welche Sicherheitsbarrieren sie einziehen, drohen ethische Bedenken im harten Wettbewerb um die Marktführerschaft schnell ins Hintertreffen zu geraten. Ein "moralisch bindendes“ Dokument ersetzt keine unabhängige, gesetzliche Aufsicht.

Gleichzeitig offenbart der bedingungslose Fokus auf den Ausbau von Rechenzentren eine besorgniserregende Prioritätensetzung: Indem berechtigte Sorgen von Bürgerinitiativen über den massiven Ressourcenverbrauch kurzerhand dem geopolitischen Wettlauf mit China untergeordnet werden, schafft die Politik einen Präzedenzfall. Big Tech erhält damit nicht nur regulatorische Narrenfreiheit, sondern auch einen staatlich abgesegneten Freifahrtschein für den Ressourcenverbrauch. Ob das die technologische Vormachtstellung sichert oder lediglich die Risiken auf die Allgemeinheit abwälzt, bleibt die entscheidende Frage.