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Die Cloud-Tochter des US-amerikanischen Online-Versandhandelsriesen Amazonn, Amazon Web Services (AWS), hat die allgemeine Verfügbarkeit ihrer unabhängigen Cloud für Europa bekannt gegeben. Bei der sogenannten "AWS European Sovereign Cloud" handelt es sich um eine neue, unabhängige Cloud für Europa, die sich vollständig in der EU befindet, sowie physisch und logisch von anderen AWS Regionen getrennt ist.

Die Rechenzentren für das Cloud-Angebots sollen sich in Brandenburg befinden, wie AWS im Hasso-Plattner-Institut (HPI) in Potsdam bekannt gegeben hat. Damit gehte AWS auf Befürchtungen ein, dass die US-Regierung unter Präsident Donald Trump amerikanische Cloud-Dienste ausspähen oder ungerechtfertigt abschalten könnte.

Für die Einrichtung der europäischen Cloud plant AWS in Brandenburg Investitionen in Höhe von etwa 7,8 Milliarden Euro. In einem ersten Schritt wird sich AWS in bestehende Rechenzentren einmieten. Anschliessend ist ein schrittweiser Aufbau eigener Rechenzentren in Brandenburg geplant - darunter eines südlich von Berlin und eines in Südbrandenburg.

Die "European Sovereign Cloud" der Amazon-Tochter adressiert vor allem den öffentlichen Sektor, aber auch Betreiber kritischer Infrastruktur (KRITIS) sowie Banken und andere Unternehmen, die höhere Anforderungen an den Datenschutz haben. Die europäische AWS Cloud soll eine rechtssichere Basis bieten, um die strengen Anforderungen der Europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und andere EU-Regulierungen zu erfüllen, ohne auf die Leistungsfähigkeit einer modernen Cloud verzichten zu müssen, heisst es.

Das neue Angebot unterscheidet sich von der herkömmlichen AWS Cloud in mehreren Punkten: Zum einen erfolgen Betrieb, Kontrolle und Verwaltung des Angebotes ausschliesslich durch Personal aus der Europäischen Union. Sämtliche Daten verbleiben vollständig innerhalb der EU. Ausserdem bietet AWS ein Verschlüsselungssystem an, dass dafür sorgt, dass selbst AWS-Mitarbeiter keinen Zugriff auf die Daten haben. Die soll auch Zugriffe von US-amerikanischen Behörden verhindern.

Weiters hat AWS in Potsdam auch Pläne dargelegt, die European Sovereign Cloud auf weitere EU-Länder zu erweitern, um strenge Anforderungen an Isolation, Datenresidenz im jeweiligen Land und niedrige Latenz zu erfüllen. Dies beginnt mit neuen souveränen AWS Local Zones in Belgien, den Niederlanden und Portugal.

AWS Local Zones stellen eine Art von Infrastruktur dar, die es Kunden ermöglichen soll, ihre Daten an einem bestimmten geografischen Standort zu speichern, um Datenresidenzanforderungen zu erfüllen oder latenzempfindliche Anwendungen auszuführen. Die angekündigten AWS Local Zones werden laut Mitteilung Teil der AWS European Sovereign Cloud sein und die Souveränitätskontrollen von der AWS Region in Deutschland auf die EU ausweiten. Kunden mit strengeren Anforderungen an Datenisolation oder Datenresidenz hätten damit die Möglichkeit, AWS Dedicated Local Zones, AWS AI Factories, oder AWS Outposts an von ihnen gewählten Standorten zu nutzen, einschließlich ihrer eigenen On-Premises-Rechenzentren.

"Indem wir eine Cloud aufbauen, die in ihrer Technologie, ihrem Betrieb und ihrer Kontrolle vollständig europäisch ist, ermöglichen wir Organisationen, mit Zuversicht zu innovieren und dabei die vollständige Kontrolle über ihre digitalen Ressourcen zu behalten," sagt Stéphane Israël, Managing Director AWS European Sovereign Cloud and Digital Sovereignty.

AWS hat auch einige Personalien annonciert. So wurde Stefan Höchbauer, Vice President AWS Global Sales Germany and Europe Central, zu einem Geschäftsführer der AWS European Sovereign Cloud ernannt. Er werde eng mit Stéphane Israël zusammenarbeiten, der die AWS European Sovereign Cloud leitet und für Management und Betrieb verantwortlich sein wird. Zudem gibt es fünf neue Mitglieder im Beirats: drei Amazon Mitarbeiter:innen – Stéphane Ducable, Vice President of EMEA Public Policy bei AWS; Ian McGarry, Director von Amazon Cloudwatch; und Barbara Scarafia, Vice President und Associate General Counsel für Europa bei Amazon – sowie zwei unabhängige Beiratsmitglieder, General a.D. Philippe Lavigne und Sinéad McSweeney. General a.D. Philippe Lavigne war zuletzt als Supreme Allied Commander Transformation der Nato tätig. Sinéad McSweeney ist derzeit Mitglied in verschiedenen Gremien, darunter das Institute of International and European Affairs. Zuvor war sie Vice President of Public Policy and Philanthropy bei Twitter.

Stéphane Israël, Chef AWS European Sovereign Cloud (Bild: zVg)
Stéphane Israël, Chef AWS European Sovereign Cloud (Bild: zVg)