Die Zukunft des autonomen Fahrens findet ab sofort nicht mehr nur in San Francisco oder Shenzhen statt, sondern auch in der Schweizer Agglomeration. Am 28. September fällt nämlich im zürcherischen Furttal der Startschuss für den öffentlichen Passagierbetrieb des Pilotprojekts "Iamo" (intelligente automatisierte Mobilität). Damit können Einwohner:innen erstmals in der Schweiz selbstfahrende Autos im regulären Strassenverkehr per App buchen und nutzen.
Hinter dem Projekt steht ein starkes Konsortium aus dem Swiss Transit Lab (STL), den Kantonen Zürich und Aargau sowie den SBB. Technologisch wird auf modernste Komponenten gesetzt:
-- Fahrzeuge: Zum Einsatz kommen drei vollelektrische SUVs des Modells Nissan Ariya.
-- Autonomes Fahrsystem: Die integrierte Hard- und Software für das automatisierte Level-4-Fahren stammt vom Tech-Giganten WeRide. Die Fahrzeuge navigieren mithilfe hochpräziser digitaler Karten, die in der einjährigen Trainingsphase erstellt wurden, kombiniert mit Echtzeitdaten aus Laserradaren (LiDAR) und Kameras.
-- On-Demand-Plattform: Die Buchungs-App wurde von Ioki, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn, entwickelt.
Wer im Furttal wohnt oder zu Besuch ist, kann über die Iamo App eine Fahrt zwischen knapp 100 vordefinierten Haltepunkten in den Gemeinden Otelfingen, Dänikon, Boppelsen und Hüttikon buchen. Ganz fahrerlos ist die Fahrt vorerst allerdings noch nicht: Auf dem Fahrersitz befindet sich aus rechtlichen und Sicherheitsgründen immer eine geschulte Sicherheitsperson, die im Notfall eingreifen kann. Der Beifahrersitz bleibt komplett frei. Gefahren wird anfangs ausserhalb der Hauptverkehrszeiten, jeweils täglich zwischen 13:00 und 17:00 Uhr. Eine Fahrt kostet eine Grundpauschale von 4.70 Franken plus 38 Rappen pro Kilometer.
Das auf fünf Jahre ausgelegte und rund 11 Millionen Franken schwere Projekt soll erproben, wie autonomes Fahren die "erste und letzte Meile" im öffentlichen Verkehr (ÖV) sinnvoll ergänzen kann – vor allem in Regionen und zu Zeiten, in denen klassische Busse und Bahnen an ihre Wirtschaftlichkeitsgrenzen stossen. Im weiteren Projektverlauf ist geplant, die Flotte um autonome Kleinbusse zu erweitern, die dann nach Genehmigung durch das Bundesamt für Strassen (Astra) komplett fahrerlos unterwegs sein und aus einer zentralen Leitstelle fernüberwacht werden.
