Der US-Software-Riese Adobe hat seine Finanzzahlen für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2026 vorgelegt und meldet einen neuen Rekordumsatz von 6,76 Milliarden US-Dollar. Dies entspricht einem Wachstum von 13 Prozent im Vergleich zum selben Vorjahresquartal (12 Prozent in konstanten Währungen). Damit wurden die durchschnittlichen Analystenerwartungen von 6,70 Milliarden Dollar leicht übertroffen.
Auch beim Gewinn verzeichnete das Unternehmen starke Zuwächse: Der bereinigte Gewinn je Aktie (Non-GAAP) stieg auf 6,13 US-Dollar (Analystenschätzung: 6,09 Dollar). Der operative Cashflow erreichte mit 2,52 Milliarden Dollar ebenfalls einen Q3-Bestwert.
Der zentrale Fokus der Bilanz liegt klar auf Adobes rasanter Transformation im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI). Das Unternehmen gab bekannt, dass der Annualized Recurring Revenue (ARR) aus reinen "AI-first“-Produkten im Jahresvergleich um mehr als 150 Prozent auf über 650 Millionen Dollar nach oben geschossen ist. Die Strategie, generative KI-Tools wie Firefly nativ in die Flaggschiff-Produkte der Creative Cloud zu integrieren, scheint sich zunehmend finanziell zu monetarisieren.
Gleichzeitig knackte Adobe einen historischen Meilenstein: Über alle Kreativ- und Produktivitätslösungen hinweg verzeichnet das Unternehmen nun mehr als eine Milliarde monatlich aktive Nutzer (MAU). Die Web- und Mobil-Angebote im Freemium-Bereich (inklusive Adobe Express) wuchsen dabei um über 70 Prozent auf mehr als 100 Millionen User.
Abseits der nackten Zahlen kündigte Adobe eine fundamentale personelle Weichenstellung an: Der langjährige CEO Shantanu Narayen, der das Unternehmen 29 Jahre lang prägte, wird zum 1. Dezember 2026 den Posten des Executive Chair übernehmen. Nachfolger an der Konzernspitze wird Anil Chakravarthy, der bisherige President of Customer Experience. Chakravarthy übernimmt die Führung zu einem kritischen Zeitpunkt, an dem das Unternehmen die globale KI-Skalierung beschleunigen muss.
Trotz der starken Q3-Zahlen und einer Anhebung der Prognose für das Gesamtjahr 2026 (erwarteter Umsatz zwischen 26,576 und 26,626 Milliarden Dollar) gab die Aktie im nachbörslichen Handel um gut 2 Prozent nach. Grund dafür ist die Vorsicht der Anleger an der Wall Street: Die Umsatzprognose für das anstehende vierte Quartal lag mit angepeilten 6,80 bis 6,85 Milliarden Dollar hauchdünn hinter den Markterwartungen. Investoren treibt zudem die Sorge um, dass die aggressive "Freemium-Strategie“ – also das Anlocken von Nutzern über kostenlose KI-Funktionen – die profitablen kostenpflichtigen Abonnements verzögert und kurzfristig die operativen Margen belastet. Adobe steht nun unter Zugzwang zu beweisen, dass sich die enorme KI-Nutzung langfristig in stabilen, wiederkehrenden Software-Umsätzen niederschlägt.
