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Rechenzentren gehören zur kritischen Infrastruktur und stellen das eigentliche Rückgrad der IT dar. Infolgedessen wird auch die Einhaltung von Vorschriften und der Betriebssicherheit immer wichtiger. Dies beinhaltet Faktoren wie Temperatur, Taupunkt und Luftfeuchtigkeit.

Gastbeitrag von Abhishek Kamerkar, Senior Global Product Manager bei der Fluke Corporation

Es gibt spezifische Empfehlungen zur Luftfeuchtigkeit, um optimale Bedingungen für empfindliche Elektronik zu gewährleisten. Rechenzentren und andere ähnliche Umgebungen nutzen hierfür oft Hunderte von Feuchtigkeitssensoren, um präzise Informationen in Echtzeit zur Einhaltung dieser Empfehlungen zu liefern. Doch schon eine einzige ungenaue Messung kann ein Rechenzentrum viel Geld kosten – aufgrund von Ausfallzeiten, Strafen und Geräteschäden. Eine ordnungsgemässe Kalibrierung ist daher unerlässlich, um sicherzustellen, dass diese Sensoren zuverlässige Daten liefern. Die Kalibrierung dieser Geräte stellt viele Rechenzentren jedoch vor Herausforderungen.

Obwohl es keine direkten Vorgaben von Gesetzgebern und Verbänden gibt, erkennen die meisten Experten und -Praktiker an, dass die Luftfeuchtigkeit typischerweise zwischen 40 und 60 Prozent in Rechenzentren vorteilhaft ist. Moderne Systeme können je nach Geräteklasse und Herstellerempfehlungen einen grösseren Bereich tolerieren. Eine Luftfeuchtigkeit unterhalb der empfohlenen Werte erhöht das Potenzial für elektrostatische Entladungen und damit das Risiko einer Beschädigung empfindlicher elektronischer Komponenten. Dies kann zu einer verkürzten Lebensdauer der Geräte und erhöhten Kosten führen. Umgekehrt kann eine Luftfeuchtigkeit über diesem Bereich Kondenswasserbildung auslösen, was Geräteschäden, Kurzschlüsse und Korrosion hervorrufen kann.

Die Feuchtigkeitskontrolle ist eine vorbeugende Schutzmassnahme, die den Betrieb sichert, Investitionen in die Infrastruktur schützt und dafür sorgt, dass die Umgebung stabil genug bleibt, um die Anforderungen ununterbrochener Datenverarbeitung zu erfüllen. Eine effektive Feuchtigkeitskontrolle spielt eine wichtige Rolle beim Schutz sensibler Daten, bei der Einhaltung von Service Level Agreements (SLAs) und bei der Vermeidung kostspieliger Geräteschäden.

Kalibrierung von Sensoren so wichtig ist

Selbst die strengsten Protokolle zur Feuchtigkeitsüberwachung sind nur so genau wie die Sensoren, die die Messungen vornehmen. Sensoren können mit der Zeit abweichen, sodass die auf dem Monitor angezeigte Prozentzahl der Feuchtigkeit möglicherweise ungenau ist. In einer Rechenzentrumsumgebung können sogar kurzfristige Ungenauigkeiten erhebliche Folgen haben, insbesondere wenn SLAs betroffen sind. Eine einzige Abweichung, selbst wenn sie durch einen fehlerhaften Sensor verursacht wird, kann eine Kette von Problemen auslösen, die sowohl die Compliance als auch den Ruf eines Unternehmens untergraben.

Ungenaue Messwerte können zu unnötigen Anpassungen der Klimaanlage führen, wodurch das Klima schwankt und elektrische Geräte gefährdet werden. Eine Unterkühlung oder übermässige Befeuchtung aufgrund ungenauer Sensoren kann darüber hinaus den Energieverbrauch und die Betriebskosten unnötig in die Höhe treiben. In grossen Anlagen können selbst kleine Ineffizienzen zu Energieverschwendung in Höhe von Tausenden von Euros pro Jahr führen. Eine ordnungsgemässe Kalibrierung stellt sicher, dass Klimaanlagen nur bei Bedarf reagieren, wodurch Rechenzentren ihren CO2-Fußabdruck verringern und ihre Energiekosten senken können.

Ebenso kritisch ist, dass diese falschen Messwerte als Umweltverstösse protokolliert werden können, die möglicherweise SLA-Bedingungen verletzen, selbst wenn die tatsächlichen Bedingungen innerhalb des korrekten Bereichs blieben. Für Rechenzentren, die Branchen wie das Gesundheitswesen, das Finanzwesen oder Behörden unterstützen, können diese Fehler auch zu Audit-Fehlern oder behördlichen Untersuchungen führen. Richtig kalibrierte Feuchtigkeitssensoren sind eine wichtige Schutzmassnahme, um Verstösse gegen SLAs und Fehlentscheidungen im Betrieb zu verhindern. Durch die Sicherstellung, dass Feuchtigkeitssensoren korrekt kalibriert sind und zuverlässige Messwerte liefern, können Rechenzentren die Integrität ihrer Dienste schützen.

Es gibt keine allgemeingültige Empfehlung für die Häufigkeit der Kalibrierung von Feuchtigkeitssensoren. Viele Rechenzentren entscheiden sich jedoch für eine jährliche Justierung. Für Rechenzentren in besonders feuchten Gegenden kann eine häufigere Kalibrierung, beispielsweise halbjährlich, sinnvoll sein. Unabhängig davon, wie häufig die Konfiguration durchgeführt wird, muss sie dokumentiert und nachvollziehbar sein. Die Dokumentation muss internen Audits, SLA-Überprüfungen und behördlichen Inspektionen standhalten. Jeder Feuchtigkeitssensor muss über einen nachvollziehbaren Kalibrierungsnachweis verfügen, aus dem hervorgeht, wann er zuletzt getestet wurde, welcher Referenzstandard verwendet wurde und ob er bestanden hat oder angepasst werden musste.

Herausforderungen bei der Kalibrierung

Feuchtigkeitssensoren in Rechenzentren befinden sich in der Regel in kritischen Bereichen wie dem White Space, Server-Racks, Lüftungsanlagen und Rückluftkanälen – also an Orten, in denen eine genaue Umgebungsüberwachung unerlässlich, die aber oft schwer zugänglich sind. Diese Bereiche sind durch strenge Sicherheitsprotokolle geschützt, die zum Schutz sensibler Daten und Geräte dienen. Die Mitarbeiter sehen sich oft mit mehreren Sicherheitsfreigaben, streng kontrollierten Wartungsfenstern und der Notwendigkeit konfrontiert, sich mit den Facility- und IT-Teams abzustimmen, um die Betriebskontinuität während der Kalibrierung sicherzustellen.

Diese Einschränkungen führen zu praktischen Komplikationen bei einem Vorgang, der ansonsten Routine wäre. So kann beispielsweise das Mitbringen externer Kalibrierungsgeräte eine vorherige Genehmigung, eine Begleitung oder die Einhaltung strenger Änderungsmanagementprotokolle erfordern. In einigen Hochsicherheitsumgebungen muss sogar der Transport von Kalibrierungsdaten zu Dokumentationszwecken außerhalb des Standorts sorgfältig gehandhabt werden, um Verstösse gegen Datenverwaltungsrichtlinien zu vermeiden.

Viele Rechenzentren entscheiden sich dafür, die Kalibrierung ihrer Sensoren auszulagern, doch dieser Prozess kann mehrere Herausforderungen mit sich bringen. Erstens müssen alle Auftragnehmer und ihre Mitarbeiter gründlich überprüft und ihr Zugang sorgfältig kontrolliert und geplant werden, um die Sicherheit in hochsensiblen Bereichen zu gewährleisten. Zweitens werden bei Rechenzentren, die ihre Sensoren zur Kalibrierung an ein externes Labor schicken, der Zeitplan und die Logistik weitgehend von Dritten kontrolliert, was die Einhaltung interner Wartungspläne erschwert. Drittens birgt der Versand von Geräten ausserhalb des Unternehmens inhärente Sicherheitsrisiken durch externes Personal und dessen interne Verfahren. Und schliesslich können die Kosten für die jährliche Kalibrierung von Hunderten von Sensoren schnell steigen.

Viele Rechenzentren, insbesondere Hyperscale-Rechenzentren, stellen deshalb auf eine interne Kalibrierung mit speziellen Tools um, die den Prozess vereinfachen und dennoch Kalibrierungen ermöglichen, die den ISO 17025-Standards entsprechen. Diese sind zwar nicht obligatorisch, erhöhen aber die Glaubwürdigkeit. Diese Tools erzeugen Feuchtigkeit und Temperatur in einer kontrollierten Kammer mit einem Trockner- und Befeuchtungssystem. Der Kalibrator misst die Differenz zwischen der Feuchtigkeit und Temperatur in der Kammer und vergleicht sie mit dem zu testenden Sensor. Bei Abweichungen kann der Sensor angepasst werden, um genaue Messwerte zu erhalten. Diese Geräte sind tragbar und für die Messung verschiedener Sensorgrössen und -spezifikationen konfigurierbar. Einige können sogar mehrere Sensoren gleichzeitig testen, was Zeit spart, ohne die Datenintegrität zu beeinträchtigen.

Durch die interne Kalibrierung kann das Rechenzentrum strenge Sicherheitsprotokollen einhalten, da nur Mitarbeiter mit den entsprechenden Sicherheitsfreigaben die Kalibrierung durchführen dürfen. Die Mitarbeiter können gründlich in den richtigen Kalibrierungsprotokollen geschult werden und die für die Audit-Konformität erforderlichen Unterlagen bereitstellen. Die Kalibrierung kann nach dem regulären Zeitplan durchgeführt werden, ohne dass man auf die Verfügbarkeit eines externen Anbieters angewiesen ist. Obwohl die Anschaffung des Kalibrierungsgeräts eine grosse Investition sein kann, amortisieren sich die Kosten für viele Rechenzentren schneller als erwartet.

Brückenschlag zwischen Compliance und Betrieb

Mit zunehmender Grösse und Bedeutung von Rechenzentren schrumpft der Spielraum für Fehler immer weiter. Die Einhaltung von Vorschriften ist mehr als nur eine regulatorische Checkliste, sie ist eine proaktive Verteidigung gegen Geräteausfälle, Dienstunterbrechungen und kostspielige SLA-Verstösse. Eine genaue Feuchtigkeitsüberwachung ist nur so gut wie die dahinterstehenden Sensoren. Es ist also unerlässlich, dass diese Sensoren regelmässig und ordnungsgemäss kalibriert werden.

Unabhängig davon, ob die Kalibrierung intern oder extern durchgeführt wird, muss der Prozess den Realitäten sicherer Umgebungen, den Dokumentationsanforderungen und den hohen Anforderungen an einen unterbrechungsfreien Betrieb Rechnung tragen. Durch Investitionen in geeignete Tools, Mitarbeiterschulungen und nachvollziehbare Kalibrierungsverfahren können Rechenzentren die Kontrolle über ihre Umgebungsüberwachung übernehmen und die Integrität, Zuverlässigkeit und ihren Ruf schützen. Intelligente Praktiken zur Überwachung der Umgebung werden bald genauso wichtig sein wie die Server selbst.

Kalibrierung (Bild: Fluke)
Kalibrierung (Bild: Fluke)
Gastautor Abhishek Kamerkar , Senior Global Product Manager bei der Fluke Corporation (Bild: zVg)
Gastautor Abhishek Kamerkar , Senior Global Product Manager bei der Fluke Corporation (Bild: zVg)