Visionarity: Mit Gamifizierung, Mobility und Multi-Partner-Programmen das gesamte Gesundheitswesen durchdringen

Verfasst von Karlheinz Pichler am 13.03.2018 - 13:05

Das Basler Startup Visionarity übernimmt von Swisscom Health das Gesundheitsportal Healthi und will sich damit zu einem zentralen Player im europäischen E-Health-Markt aufschwingen. ICTkommunikation unterhielt sich mit Visionarity CEO Kolja A. Rafferty über die Hintergründe der Healthi-Akquisition und die weitere strategische Marschrichtung des Unternehmens.

Interview: Karlheinz Pichler

ICTkommunikation: Was ist der eigentliche Hintergrund, dass Visionarity von Swisscom Health das Gesundheitsportal "Healthi" übernimmt?

Kolja A. Rafferty: Swisscom Health fokussiert strategisch auf das B2B-Geschäft, insbesondere auf Vernetzungslösungen für das Gesundheitswesen und auf Praxissoftware für Ärzte und Therapeuten. Visionarity wiederum konzentriert sich darauf, Menschen an Programme des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) heranzuführen. Healthi ist eine Plattform für BGM, digitale Gestaltung von Kundenbeziehungen im Versicherungsumfeld und damit verbundenen Bonus-Programmen. Visionarity bietet das auch, konzentriert sich mit dem eigenen Angebot aber zusätzlich darauf, mittels spielerischer Anreize – wir nennen das Gamification – und mobilen Applikationen Kunden zu mobilisieren und sie in BGM-Programme einzubinden. Healthi passt also perfekt zu Visionarity. Durch die Kombination der Plattformen entstehen hervorragende Synergien. Unsere Kunden werden das zu schätzen wissen.

ICTkommunikation: Wo sind die aktuellen Geschäftsschwerpunkte von Visionarity und wie passt "Healthi" genau in das Unternehmenskonzept?

Kolja A. Rafferty:
Visionarity hat das Ziel, europäischer Marktführer im Bereich des BGM und der digitalen Kundenplattformen für Krankenkassen zu werden. Die Akquisition von Healthi bringt uns anorganisches Wachstum und strategisch eine Portfolio-Erweiterung. Zudem ist der Kauf von Healthi eine optimale Vorbereitung unserer anstehenden Series-B-Finanzierungsrunde und ein starkes Argument gegenüber potentiellen Investoren. Wir konzentrieren uns darauf, mittels digitaler Kompetenzen Teilnehmer für BGM-Programme zu mobilisieren, beispielsweise Personen mit wenig Interesse an Bewegung und Sport. Durch unsere Lösungen tragen wir dazu bei, Risiken wie Adipositas, Bluthochdruck, Diabetes Typ 2, Depressionen oder Burnout zu senken. So nehmen medizinisch bedingte Fehlzeiten und Krankheitskosten ab. Institutionen, die unsere Programme für ihre Mitarbeiter nutzen, amortisieren die Investitionen bereits nach spätestens 12 Monaten.

ICTkommunikation: Welche Rolle wird "Healthi" in diesem Unternehmenskonzept künftig genau einnehmen?

Kolja A. Rafferty: Wie ich schon sagte: Die Kombination erhöht den Nutzen – jetzt verfügen wir über eine zusätzliche und extrem leistungsstarke Plattform im BGM und digitalen Kundenmanagement für Versicherungen. Healthi wird beim weiteren Ausbau der Visionarity-Plattform integriert und als Produkt fortgeführt.

ICTkommunikation: Hält Swisscom Health weiterhin Anteile an der Plattform oder übernimmt Visionarity die Plattform zur Gänze?

Kolja A. Rafferty: Visionarity hat Healthi gekauft und ist Eigentümerin.

ICTkommunikation: Wie haben die Kunden von Healthi auf die Übernahme reagiert?

Kolja A. Rafferty: Alle Healthi-Kunden wurden informiert, darunter so bekannte Brands wie Toppharm, Swica und Swisscom. Im Rahmen eines Betriebsübergangs haben wir ja auch die für das Portal zuständigen Mitarbeiter von Swisscom Health übernommen. Die Kunden werden also weiter wie gewohnt betreut. Sie profitieren von einer gewachsenen Community sowie den technischen Innovationen und Synergien, die es durch die Kombination der Plattformen gibt.

VISIONARITY HAT DAS ZIEL,
EUROPÄISCHER MARKTFÜHRER IM BEREICH
DES BGM UND DER DIGITALEN KUNDENPLATTFORMEN
FÜR KRANKENKASSEN ZU WERDEN!

Kolja A. Rafferty

ICTkommunikation: Sie sprachen davon, europäischer Marktführer im BGM und digitalen Kundenmanagement für Versicherungen zu werden. Wie wollen Sie dies konkret bewerkstelligen? Streben Sie Partnerschaften in den verschiedenen Ländern an?

Kolja A. Rafferty: Visionarity hat – neben der Schweiz – Kundenbeziehungen in Deutschland, England, Spanien und Frankreich. Hochkarätige Partnerschaften, wie mit Garmin und IBM, bringen uns vertrieblich und technologisch weiter. Wir sind auf Basis der heute verfügbaren und zukünftig wichtigen Technologien fit, etwa beim Thema des Einsatzes Künstlicher Intelligenz. Mit den Beratungsfirmen Leverage Experts (LE) und Iskander Business Partner hat Visionarity zudem Spezialisten an Bord, die über grosse Erfahrung bezüglich Wachstumsstrategien und Internationalisierung verfügen. Krankheitskosten, nicht zuletzt durch einen Mangel an Bewegung begünstigt, sind überall ein Problem für Unternehmen, Versicherungen und die Gesellschaft. Wir haben Lösungen – und sind mit vielen interessanten Firmen im Gespräch.

ICTkommunikation: In der Medienmitteilung zur Übernahme von Healthi war davon die Rede, dass LE das Geschäft organisiert und begleitet habe. Welche Rolle spielt LE bei Visionarity?

Kolja A. Rafferty: Seit Juli 2016 begleiten LE-Manager Visionarity bei der Markt-Ausrichtung und der Wachstumsrealisierung. LE ist ausserdem Finanzierungspartner. Hier wurde Potential für Synergien identifiziert und die Strategie internationalisiert. Berater von LE unterstützen in den Bereichen Markteintritt und -positionierung, bei der Entwicklung und Veränderung von Geschäftsmodellen, bei Wachstums- und Innovations-Initiativen sowie bei Veränderungsprozessen. LE hat die Akquisition von Healthi für Visionarity betriebswirtschaftlich und prozessbezogen betreut und finalisiert.

ICTkommunikation: Halt Healthi bereits Kunden in der EU-Zone?

Kolja A. Rafferty: Nein, Healthi verfügt über tolle Kunden in der Schweiz. Die Internationalisierung wird durch Visionarity erfolgen.

ICTkommunikation: Was für einen Zweck hat Healthi eigentlich, was kann diese Plattform genau?

Kolja A. Rafferty:
Healthi ist eine Plattform für den digitalen Kundendialog, speziell für das Gesundheits-, das Versicherungswesen und für BGM-Programme. Content zu gesundheitsrelevanten Themen kann speziellen Nutzergruppen zur Verfügung gestellt werden. Gesundheitsspezifische Aktionen der Teilnehmer werden individuell gemessen, ausgewertet, die erreichten Werte kommuniziert und richtiges Verhalten gezielt belohnt. Healthi ist die erste eHealth-Plattform, die geldwerte Leistungen unterschiedlicher Partner aus Versicherungen, Handel und Gesundheitswesen mit Teilnehmeraktivitäten verbinden kann. Das ist die Basis für umfassende Loyalitätsprogramme im Gesundheitssystem, zum Beispiel für eine eHealth-Bonus-Karte.

ICTkommunikation: Was die Datensicherheit anbelangt - wie wird der Schutz der Kundendaten garantiert?

Kolja A. Rafferty: Der Datenschutz orientiert sich an den geltenden gesetzlichen Bestimmungen, ab 25. Mai dann insbesondere an den Regeln der Europäischen Datenschutzgrundverordnung. Das gilt für die vorhandene Visionarity-Plattform und für Healthi.

ICTkommuniktion: Kann man IoT-Geräte und Sensoren direkt mit der Plattform verbinden?

Kolja A. Rafferty: Unsere Plattformen sind für den IoT-Einsatz vorgesehen. Eine breite Palette von Fitness-Trackern, Sensoren und sonstigen mobilen Wearables können verbunden werden. Die Auswahl wird entsprechend der Marktentwicklung stetig erweitert.

ICTkommunikation: Welche Rolle spielt Gamification bei dieser Plattform?

Kolja A. Rafferty: Healthi verfügt nur über rudimentäre Ansätze zur Gamifizierung. Dies ist ein Schwerpunkt der Visionarity-Plattform. Hier haben wir ein gutes Beispiel für die Synergien und den Mehrwert, der sich für Healthi-Kunden aus der Kombination beider Plattformen ergibt.

ICTkommunikation: Wo sehen sie mittelfristig die grössten Herausforderungen für Visionarity?

Kolja A. Rafferty: Wir wollen mit unseren Ansätzen Gamifizierung, Mobility und Multi-Partner-Programmen europäisch das gesamte Gesundheitswesen durchdringen – und so einen Mehrwert für Versicherungen und Unternehmen schaffen. Unsere Vision ist eine gesündere Gesellschaft, weil es uns gelingt, Menschen mit unseren Programmen zu einem gesünderen Lebensstil zu motivieren. Gleichzeitig vernetzen wir die Bezugsgruppen und schaffen so tiefe gegenseitige Bindungen und Loyalitäten. Der nächste Schritt ist unsere Series-B-Finanzierungsrunde, mit der Visionarity das spannende Kapitel als Startup beenden wird. Wir müssen konsequent unsere Internationalisierung betreiben, im Fokus ist da zunächst die weitere Expansion innerhalb Europas.

ICTkommunikation: Wann wollen Sie mit Visionarity laut Ihrem Businessplan Gewinne schreiben?

Kolja A. Rafferty: Kundenbezogen sind wir teilweise schon dabei. Visionarity verfolgt eine ambitionierte Vertriebsstrategie mit einem hochprofitablen Geschäftsmodell. Aktuell müssen wir natürlich noch intensiv in den Aufbau von Verkauf und Marketing investieren – und darauf achten, dass wir gesund und planmässig wachsen. Insofern sind wir eben noch in der Startup-Phase. Grundsätzlich können wir unseren Kunden einen Return of Invest innerhalb von 12 Monaten offerieren, wenn sie unsere Programme und Lösungen nutzen. Die Verantwortlichen in den Firmen, mit denen wir sprechen, nehmen das wohlwollend zu Kenntnis.

Blick auf die Healthi-Plattform (Bild: Screenshot)

Kolja A. Rafferty, CEO von Visionarity: 'Visionarity hat das Ziel, europäischer Marktführer im Bereich des BGM und der digitalen Kundenplattformen für Krankenkassen zu werden!' (Bild: zVg)