Frauentaxi-Apps werden zum Renner

Verfasst von Lutz Steinbrück/pte am 27.11.2017 - 12:08

Immer mehr private Taxifirmen setzen in Brasilien ausschliesslich auf Frauen am Steuer. Ein Trend, der zunehmenden Sicherheitsbedenken weiblicher Fahrgäste geschuldet ist, deren Vertrauen ins eigene Geschlecht diesbezüglich naturgemäss grösser ist. Erfolgreich am Markt ist Femitaxi, deren Fahrdienste sich per App ordern lassen. Der Fahrdienst verfügt über 1.000 Fahrerinnen, die in sechs brasilianischen Städten knapp 20.000 Fuhren pro Monat übernehmen. Das Unternehmen hat weitere lateinamerikanische Märkte im Visier.

Noch beliebter aber ist die Konkurrenz-App Ladydriver. Sie wurde im März in São Paulo gelauncht. Hier sind sogar 8.000 Chauffeurinnen am Start, die schon über 100.000 Kunden durch die Strassenschluchten der Megacity kutschiert haben. Dieser Anbieter plant eine Expansion nach Rio de Janeiro.

Ihr rasantes Wachsen verdanken mobile Taxi-Services mit Fahrerinnen den zunehmenden Sorgen um die öffentliche Sicherheit im Land, speziell in den Metropolregionen. Allein zwischen August 2016 und August 2017 ist die Zahl der Vergewaltigungsversuche im Bundesstaat São Paulo laut Kriminalstatistik um über zehn Prozent in die Höhe geschnellt. Auch andere bekannte, via App nutzbare Taxi-Dienste wie Uber, Spain's Cabify oder 99 haben angesichts dieser Negativentwicklung die Sicherheitsvorkehrungen für Fahrer und Passagiere in den Fahrzeugen erhöht.

"Das Problem der sexuellen Nötigung im öffentlichen Transportwesen gab es schon immer, aber es wurde nicht darüber gesprochen", so Gabriela Correa, Gründerin und CEO von Ladydriver. "Jetzt melden sich die Frauen zu Wort, engagieren sich in entsprechenden Initiativen und thematisieren ihr Schutzbedürfnis." Eine Kampagne auf öffentlichen Bussen in Brasilien zeigt drastische Fälle von Gewalt gegen Frauen. U-Bahnen in den Millionenstädten Belo Horizonte und Recife haben Zugwaggons nur für Kundinnen eingeführt.

In Rio gibt es bereits seit über zehn Jahren Frauentaxis. Auch in europäischen Städten wie Berlin, Hannover oder Wien gibt es sie. Hier werden die Fahrten allerdings per Telefon vereinbart. Aber auch via App bestellbare Mitfahrservices, die sich auf Chauffeurinnen und weibliche Mitfahrer beschränken, sind kein rein brasilianisches Phänomen: In den USA etwa gibt es seit 2014 Shetaxi in New York, 2016 startete See Jane Go in Kalifornien durch, und in diesem Jahr feierte Safr in Boston Premiere.
http://femitaxi.com.br
http://ladydriver.com.br