Zuora und die "Subscription Economy"

Verfasst von Hartmut Wiehr am 03.05.2017 - 11:55

Zuora ist 2007 gegründet worden und hat seinen Firmensitz in San Mateo im kalifornischen Silicon Valley. Es als Startup zu bezeichnen, trifft nicht ganz den Kern der Sache. Wer zum Beispiel die grossflächige Büroetage in San Mateo betritt, findet nicht das so verbreitete, künstliche Durcheinander eines "jungen Startups“ mit Sportgeräten und einem gepflegten kreativen Sponti-Image, sondern vielmehr eine gediegene Atmosphäre eines am Markt angekommenen Unternehmens.

Zuora hat Stand 2017 etwa 600 Mitarbeiter, über 800 Kunden, konnte bisher 242,5 Millionen Dollar an Funding-Geldern auftreiben und steht kurz vor dem Börsengang.

Wie CEO Tien Tzuo, früher CMO von Salesforce, vor einer Gruppe von europäischen Journalisten berichtete, verfolgt Zuora ein anspruchsvolles Geschäftsmodell: Man will nichts weniger als eine "neue Kategorie zwischen CRM und ERP etablieren“. Die bestehende Wirtschaft solle sich auf der bereits vorhandenen Basis von nahezu grenzenlosen Internet-Verbindungen in eine "Subscription Economy“ verändern. Und Zuora liefert die dazu benötigten organisatorischen und technischen Hilfestellungen. Man sieht sich als "Management Hub“, der die Neuerfindung der Unternehmen aktiv unterstützt. Laut von Zuora zitierten Marktuntersuchungen gebe es auf der Welt insgesamt etwa 6,8 Milliarden potentiell an Subskriptionen interessierte Webbenutzer und 80 Prozent der Konsumenten würden neue Konsumptionsmodelle begrüssen.

Anstatt einmal für ein Produkt zu bezahlen (und es später durch ein neueres voll zu ersetzen) sollen Unternehmen und Privatkunden ein Produkt oder eine Dienstleistung als fortlaufendes Subskriptionsmodell kaufen: Mit der Cloud als Zwischenglied soll so ein „säkularer Shift in der Wirtschaft“ zustande kommen. Die Frage „Warum Subskription?“ beantwortet sich nach Tzuo sehr einfach: „Die Einkünfte auf der Basis von Subskriptions-Verträgen wachsen wesentlich schneller als traditionelle Einnahmen.“

Als bereits existierende Beispiele für dieses Geschäftsmodell nennt Tzuo Firmen wie Adobe (Photoshop), Ford, Komatsu, Microsoft (Office 365), PTC, Salesforce oder SCNF, die alle mit Subskriptionsmodellen experimentieren. HPE arbeite derzeit an einer Umstellung seiner Verkaufsangebote für Software: In den nächsten zehn Monaten sollen an die 100 Prozent der HPE-Software nur noch als Subscription erhältlich sein.

Zuora bietet seinen Kunden sechs „Platform Engines“ zur Einführung und Umsetzung der "Subscription Economy“ an:
- subscription metrics and predictive scoring
- dynamic pricing
- lifecycle order management
- event triggered billing
- global payments
- subscription subledger management

Zuora ist insgesamt eine SaaS-Plattform (Software-as-a-Service), die eine End-to-End-Lösung für Unternehmen bei Bezahlprozessen, Preisgestaltung, Verkaufsprozessen, Finanzierung oder der Sammlung von Kundeninformationen bietet. Die einzelnen Plattformen verzeichnen ferner das Ausstellen von Rechnungen, Produktkatalogen oder Steuerberechnungen. Hinzukommen Reports und Analysen über Kundeninformationen, Einkaufsverhalten oder die finanzielle Situation der Kunden. Die Zuora-Programme können in andere Geschäftsapplikationen integriert werden, wofür es auch einen speziellen Marktplatz für die Entwicklung von entsprechenden Apps und APIs gibt.

In Europa ist Zuora bisher mit Niederlassungen in München, London und Paris vertreten.

Bild: Zuora

Zuora-Chef Tien Zuo (Bild: Wiehr)