Startup-Szene: Wie man Daten mit neuen Methoden verarbeitet (1)

Verfasst von Hartmut Wiehr am 11.06.2017 - 23:52

Es ist noch nicht so lange her, dass man im deutschsprachigen Raum von elektronischer Datenverarbeitung (EDV) gesprochen hat, wenn es um IT (Information Technology) ging. Um Daten dreht sich heute erst recht alles, was mit der IT in den Unternehmen zu tun hat – von geschäftskritischen bis zu eher flüchtigen Notizen, Kalendereinträgen oder E-Mails. Und mit der Durchsetzung von Cloud-Strukturen, Digitalisierung der Produktion oder den vielfältigen Formen von Geschäften im Internet haben die Angebote von Big Data, Analytics und Tools, die den Unternehmen Unterstützung bei der Bewältigung der unaufhörlich wachsenden Datenmengen versprechen, Konjunktur.

Das britische Wirtschaftsmagazin "The Economist" hat in einer Titelgeschichte vom 6. Mai 2017 wieder einmal den Vergleich mit der Erdölproduktion aufleben lassen: Daten seien das neue Erdöl, das so wie die Ölproduktion im 20. Jahrhundert nun im 21. den Motor der gesamten globalen Ökonomie darstelle. Man muss nicht unbedingt gleich soweit gehen, aber eines bleibt sicher: IT und Daten bestimmen in einer ganz neuen Weise das Geschäftsleben. Es ist deshalb auch kein Zufall, dass nach der Entwicklung von Datenbanken, die fast alle Formen von Software in irgendeiner Weise bestimmen, nun neue Formen der Datenbearbeitung und -entschlüsselung Bedeutung gewinnen. Viele Startups widmen sich solchen Themen. In diesem und einem weiteren Artikel stellen wir ein paar neue Ansätze zur Verarbeitung von Daten vor.

Waterline Data
Das 2013 gegründete Unternehmen ist in Mountain View im kalifornischen Silicon Valley beheimatet und konnte bereits Funding-Gelder im Umfang von 23 Millionen Dollar auftreiben (u.a. von so renommierten Venture Capitalists wie Menlo Ventures, Partech Ventures, Jackson Square Ventures und von dem indischen Consulting and Service Provider Infosys). Um die Daten eines Unternehmens aus dem Eisberg "unter der Wasserlinie" herauszuholen, bietet das Startup verschiedene Tools und Applikationen an. Viele Daten seien im Laufe der Jahre komplett versteckt in einem Unternehmen und es kommt laut Waterline Data darauf an, sie zu suchen, zu entdecken, zu katalogisieren, in ihrem Ablagerungsprozess auf den Speichermedien zu verfolgen und im Bedarfsfall auch wieder zu ent-deduplizieren. Die Mitarbeiter eines Unternehmens sollen dazu in einer Art von Selbstbedienungsprozess direkt in die Lage versetzt werden. Motto: "Die richtigen Daten mit den richtigen Leuten verbinden." (www.waterlinedata.com)

Influxdata
Das Unternehmen bietet eine Opensource-Plattform für Software-Entwickler und -Architekten auf dem Gebiet Events & Metrics an, wobei sich Interessenten über Github oder andere Internet-Drehscheiben zunächst ein kostenloses Software-Trial für 14 Tage herunterladen und auf ihrer Basis individuelle Microservices entwickeln können. Erst in einem weiteren Schritt werden sie von Influxdata kontaktiert, um zu einem Geschäftsabschluss zu kommen. Laut Hersteller ist man erst 2017 komplett an die Öffentlichkeit gegangen, bisher hat man bereits mehr als 250 richtige Kunden gewinnen können. Die zusätzlich von Influxdata angebotenen Features für Unternehmen decken Bereiche wie High Availability (HA), Security oder Skalierbarkeit ab. Im Internet of Things (IoT) und seiner Verbreitung sieht man eine gute Geschäftsmöglickeit für sich selbst, da hier noch viel im Aufbau befindlich sei. Im Bereich der bestehenden IT-Infrastrukur von Unternehmen könne man von Mainframes bis zu Containern Unterstützung anbieten. (www.influxdata.com)

Crate.IO
Ebenfalls 2013 gegründet (mit Teams in Berlin, Österreich und San Francisco), will Crate.io seine Opensource-Datenbank CrateDB besonders für IoT-Aufgaben zur Verfügung stellen. Wie Gründer und CEO Christian Lutz erläutert, "bieten wir eine Opensource SQL-Datenbank auf einer No-SQL-Basis an". Man will sich gegen bisherige Lösungen wie Cassandra, Mongo, Splunk und Postgres absetzen, die oft komplexe Infrastrukturen bis zu 1.000 Cluster benötigen. Die meisten Kunden brauchen aber – so Lutz – nur Cluster bis zu zehn oder 20 Nodes. Ausserdem sei man bereit für neue Technologien wie Container und Microservices. "Und mit CrateDB lassen sich bestehende SQL- und Applikationsdaten einbinden und gemeinsam skalieren. Alle Datenformen von strukturiert bis zu unstrukturiert können in einem gemeinsamen System gespeichert werden", fügte Lutz gegenüber ictk.ch hinzu. Opensource sei gerade im IoT-Umfeld besonders gefragt, da bestehende Datenbanken wegen ihrer komplexen Struktur hier oft ihren Dienst versagen würden. (www.crate.io)

Platform.sh
Wie schon der Name ausdrückt, versteht sich Platform.sh als Anbieter einer Plattform, in diesem Fall von Platform-as-a-Service (PaaS). Das Unternehmen mit Standorten in den USA und Europa hat etwa 50 Mitarbeiter und laut eigenen Aussagen mehr als 2.000 Kunden in 114 Ländern. Im Unterschied zu bestehenden Lösungen wie Hosting oder Iaas (Infrastructure-as-a-Service) können sich die Kunden voll auf ihre Anwendungen und ihre Development-Aufgaben konzentrieren. Man bietet in Sachen Datensicherung auch Snapshots und Backup-Dienstleistungen an. Der Hersteller bietet zur Zeit zwei kommerzielle Lösungen an: Public PaaS mit einem Selbstbedienungsansatz ab 10 Dollar pro Monat und White Label PaaS mit einem voll kompatiblen Integrationsansatz in Amazon AWS (weltweit), Microsoft Azure (Deutschland) oder Orange (Frankreich). (www.platform.sh)