SATW-Studie: Big Data als ethische Herausforderung

Verfasst von ictk am 22.02.2017 - 16:20

Würden Kunden ihre Daten immer noch zur Verfügung stellen, wenn sie wüssten, was damit geschieht? Die Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften SATW präsentiert in ihrer neusten Studie die ethischen Herausforderungen von Big‐Data‐ Anwendungen sowie Empfehlungen. Für die Politik empfiehlt sie, unter anderem eine Standardisierung der AGB an die Hand zu nehmen. Firmen rät sie, neben dem "Business Case" auch den "Ethics Case" zu berücksichtigen.

Wo wir sind, was wir tun und mit wem wir kommunizieren, wird heute routinemässig von zahllosen Geräten erfasst. Dies ist keine gezielte Überwachung, sondern eine Grundeigenschaft digitaler Technologie. Zudem können Daten auf eine immer einfachere Weise gespeichert und mit immer komplexeren Verfahren ausgewertet werden. Die im Auftrag der SATW an der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur durchgeführte Studie bediente sich sowohl Literaturanalysen als auch Expertenworkshops und ‐interviews, um das Potenzial und die Herausforderungen von Big‐Data‐Anwendungen zu ergründen. Big Data sei ein immer wichtigeres Thema für Unternehmen, sagt Prof. Christian Hauser vom Schweizerischen Institut für Entrepreneurship (SIFE) der HTW Chur, der das Projekt geleitet hat. "Die rechtlichen Rahmenbedingungen kommen aber aus einer Zeit, in der Big‐Data‐Anwendungen noch nicht vorstellbar waren. Dies ermöglicht den Unternehmen, sich ethisch selbst zu positionieren."

Ein verantwortungsvoller Umgang mit Daten liege im Interesse der Unternehmen. Schliesslich seien es die Kunden, die die Rohdaten liefern und Big‐ Data‐Anwendungen überhaupt erst möglich machten. Gingen die Unternehmen damit unethisch um, ürden sie Gefahr laufen, die gesellschaftliche Akzeptanz ihrer Tätigkeit – die so genannte "license to operate" – zu verlieren, heisst es in der Untersuchung. Die Politik und die Wirtschaft müssten daher zusammenarbeiten, um die Chancen von "Big Data" angemessen zu nutzen. Die Verfasser der Studie empfehlen dazu folgende Schritte:
Für die Politik:
- Überarbeitung des Datenschutzgesetzes mit Rücksicht auf Big‐Data‐ Anwendungen und deren ethische Herausforderungen
- Kooperation von Staat und Wirtschaft, um Branchenkodizes und Prüfstellen zu schaffen
- Standardisierung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) mit Vorgaben bezüglich Inhalt, Form und Verständlichkeit
Für Firmen:
- Neben dem "Business Case" auch den "Ethics Case" betrachten und mögliche Konflikte frühzeitig eruieren
- Kundenbedürfnisse berücksichtigen: Würden Kunden ihre Daten immer noch zur Verfügung stellen, wenn sie wüssten, was damit geschieht?
- Aktive, transparente und verständliche Kommunikation über die Datenerhebung und ‐nutzung
Weitere Infos: www.satw.ch/bigdata