Orchestrierung der Infrastrukturen mit Hilfe der Cloud

Verfasst von Jonas Berkmann am 10.02.2017 - 15:23

Die Cloud stelltt auch 2017 für viele Unternehmen noch ein Mysterium dar. Der Cloud-Architekt Andreas Siegrist der IT-Dienstleisterin GIA Informatik findet GIA Informatik beleuchtet im folgenden Interview die aktuellen Trends dieser moderne Art des Auslagerns von Computerfunktionen.

Interview: Jonas Berkmann

ICTkommunikation: Welche Trends sind es, die für den Bereich des Cloud Computings im laufenden Jahr bestimmend sein werden?

Andreas Siegrist: Die Entwicklung geht in Richtung Orchestrierung der Infrastrukturen. Diese basiert auf sogenannten Microservices, um die Aufgaben einfach, modular und skalierbar aufzubauen.
Durch die weitere Vernetzung von "intelligenten Gegenständen" in Projekten rund um das Internet der Dinge werden Unmengen von Daten generiert. Diese Daten werden mit Analysefunktionen (Business Intelligence/Artificial Intelligence) strukturiert und ausgewertet.

ICTkommunikation: Weshalb entstehen regelmässig Diskussionen und Unsicherheiten über Private Cloud, Public Cloud und Hybrid Cloud?

Andreas Siegrist: Die Cloud gibt es nicht. Das Pauschalisieren und Vermischen von Aussagen und Fakten zu Cloud-Themen fördert Unsicherheit. Durch das Schüren von Angst und das fehlende Wissen zum Thema Sicherheit werden diese Bedenken noch verstärkt. Die Services in der Cloud sind auch nicht sichtbar oder greifbar. In einer klassischen Infrastruktur können die Daten klar lokalisiert und "angefasst" werden.

ICTkommunikation: Was ist an der Wahl der Cloud entscheidend?

Andreas Siegrist: Die Kunden vertrauen ihrem Cloud-Provider das wichtigste Gut an: ihre Daten. Aus diesem Grund ist das Vertrauen der entscheidende Punkt bei der Wahl des Anbieters! Dazu gehört auch, dass der Provider "ein Gesicht" hat, dass er greifbar für den Kunden ist und diesen auch beraten und unterstützen kann.

Der Einstieg in die Cloud ist relativ einfach. Doch vor dem Einstieg sollte man sich bereits Gedanken zum Ausstieg machen. Denn eine vorhandene Exit-Strategie hilft, die vorstehend erwähnten Elemente der Unsicherheit zu minimieren. Ein weiterer Punkt bei der Wahl des Cloud-Anbieters ist der Datacenter-Standort. Denn der Speicherort der Daten bestimmt das anwendbare Recht.

Elementar ist auch, dass der Kunde jederzeit Eigentümer seiner Daten bleibt. Die Verantwortung für die Daten obliegt ihm und kann nicht einem Provider übertragen werden. Auch deshalb ist es wichtig, dass der Kunde einen Provider wählt, dem er vertraut.

ICTkommunikation: Gibt GIA bestimmte Empfehlungen raus?

Andreas Siegrist: Zuallererst gilt es festzuhalten, dass die Verlagerung von Capex- zu Opex-Kosten mit den verschiedenen Cloud-Formen gleichermassen erreichbar ist.
Public-Cloud-Services eignen sich vor allem für hochstandardisierte Services wie etwa Messaging oder Workloads, die während dem Betrieb skalierbar sein sollen und auch für Testsysteme, die nicht permanent verfügbar sein müssen (Pay-as-you-use). Private-Cloud-Services hingegen sind ideal, wenn niedrige Latenzzeiten benötigt werden. Durch die örtliche Nähe der Datacenter können niedrige Latenzzeiten kostengünstiger garantiert werden.
Ein Tipp: Klassifizieren Sie Ihre Daten, sodass Sie die Art und Weise der Bearbeitung und der Speicherung der Daten steuern können.

ICTkommunikation: Wie soll ein Unternehmen vorgehen, das den Weg in die Cloud beschreiten will?

Andreas Siegrist: Zuerst gilt es, die Anforderungen an die Bearbeitung und Speicherung der Daten zu definieren. Daraus lässt sich dann ableiten, ob Cloud-Services in Frage kommen und wenn ja, in welcher Form.

Sodann sind die die verschiedenen Formen und Provider gegeneinander abzuwägen. Denn Cloud ist nicht gleich Cloud und nicht alles gehört in einen Public-Cloud-Service.
Man muss nicht grundsätzliche Angst davor haben, Cloud-Services einzusetzen. Wenn ein Unternehmen seine heutige On-Premise-Infrastruktur ablösen will, sind Private-Cloud-Services oftmals eine gute Lösung.
Wichtig ist es, sich Beratung und Unterstützung bei den Spezialisten einzuholen und auf vergleichbare Referenzkunden bei den Cloud-Providern zu achten.

ICTkommunikation: In welche Richtung wird sich die Cloud weiter entwickeln?

Andreas Siegrist: Grundsätzlich sind wir bei GIA überzeugt, dass die lokalen IT-Infrastrukturen bei den Kunden kontinuierlich abnehmen werden. Zulegen wird hingegen der Anteil der Public-Cloud-Services. Selbstverständlich werden auch die nächsten Jahre Services in privaten Datacentern angeboten.
Hybride Lösungen werden den richtigen Mix zwischen Public und Private-Cloud-Services bereitstellen. Die komplette Ablösung von Legacy-Systemen wird aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Andreas Siegrist, Cloud-Architekt der Schweizer IT-Dienstleisterin GIA Informatik: 'Die Unternehmen müssen jederzeit Eigentümer ihrer Daten bleiben!'