"Nur noch wenige Unternehmen investieren in neue, eigene Infrastrukturen!"

Verfasst von Karlheinz Pichler am 26.10.2017 - 14:50

Nach Ansicht von Peter Merz, CEO des IT-Dienstleisters GIA Informatik in Oftringen, werden sich die IT-Systeme der Unternehmen künftig in Private Clouds bei Service Providern wie GIA befinden und mit Anwendungen aus Public Clouds zusammenwirken. Im Interview mit ICTkommunikation erläutert Merz die Herausforderungen des Cloud Computings, von SAP Hana oder auch der kommenden europäischen Datenschutzverordnung (EU-DSGVO).

CEO-Interview: Karlheinz Pichler

ICTkommunikation: GIA bezeichnet sich als Experte im Umgang mit der Cloud, dem Internet der Dinge und der Datenhaltung in der Schweiz, wie auf der Firmenwebsite nachzulesen ist. Andererseits fokussieren Sie sich auf den KMU-Markt. Sind die angesprochenen Trendthemen für kleine und mittlere Unternehmen überhaupt relevant?

Peter Merz:
Die erwähnten Themen sind für jedes Unternehmen relevant. Die Art, wie IT-Ressourcen heute benutzt werden, hat sich verändert. Sie befindet sich weiterhin im Wandel. Wir bieten unseren Kunden Cloud-Lösungen aus unseren beiden Datacentern in der Schweiz an. Demzufolge erzielen wir aktuell auch einen Grossteil des Umsatzes damit.

ICTkommunikation:
Wie hoch ist die Nachfrage bei Ihren Kunden in Bezug auf Digitalisierung und Cloud tatsächlich? Sind diese Themen in der Praxis und auch bei Ihren Umsätzen stark spürbar?

Peter Merz: Die Nachfrage nach Cloud-Modellen hat deutlich zugenommen, und auch Software as a Service (SaaS) gewinnt an Bedeutung. Nur noch wenige Unternehmen investieren in neue, eigene Infrastrukturen.

ICTkommunikation: Der SAP-Bereich ist ein zentrales Unternehmensfeld für GIA. Welche Anforderungen und Möglichkeiten sehen Sie, wenn es um die Realisierung von Digitalisierungsvorhaben im SAP-Umfeld geht?

Peter Merz: SAP hat bereits vor Jahren mit ihrer In-Memory-Datenbank Hana eine gute Grundlage für Digitalisierungsvorhaben geschaffen. Dank deren Architektur können Informationen mit einer hohen Geschwindigkeit prozessiert werden; so etwa, um grosse Datenmengen zu verarbeiten, die bei IoT-Projekten anfallen. Zudem hat SAP mit "Leonardo" einen umfassenden Werkzeugkasten lanciert und unterstützt damit Digitalisierungsvorhaben. Dieses Toolset ist neu, wird aber wohl in naher Zukunft die Basis für zahlreiche Kundenlösungen sein.

ICTkommunikation:
Sind End-to-End-Prozesse auch für KMU schon elementarer Bestandteil digitaler Geschäftsmodelle über Unternehmensgrenzen hinweg?

Peter Merz:
Ja. Unsere KMU sind oft Zulieferer von grösseren Herstellern. Da hat die unternehmensübergreifende Zusammenarbeit schon sehr lange Einzug gehalten, und die Digitalisierung startete, bevor der Ausdruck dafür entstand. Das geht selbstverständlich immer weiter: Prozesse werden miteinander verbunden und Daten ausgetauscht, um die Wertschöpfungskette zu optimieren.

ICTkommunikation: Welche Bedeutung messen Sie hybriden Systemen zur Bewältigung der digitalen Transformation bei?

Peter Merz: Wir glauben, dass die Welt "hybrid" wird: IT-Systeme befinden sich künftig in Private Clouds bei Service Providern wie GIA und wirken mit Anwendungen aus Public Clouds zusammen. Oft spricht man in diesem Zusammenhang auch von zwei Geschwindigkeiten in der IT: "Legacy" und ähnliche Systeme werden wohl noch einige Zeit vor Ort oder in Private Clouds betrieben. Diese Kategorie wird als eher träge betrachtet. Hingegen decken Public-Cloud-Lösungen neue Anforderungen ab, die sofort und oft auch ohne grosse Projektaufwendungen konsumiert werden können. Allerdings sind diese dann kaum integriert oder es müssen Schnittstellen gebaut werden, die die Komplexität wieder erhöhen.

"IT-SYSTEME BEFINDEN SICH KÜNFTIG IN PRIVATE
CLOUDS BEI SERVICE PROVIDERN WIE GIA UND WIRKEN
MIT ANWENDUNGEN AUS PUBLIC CLOUDS ZUSAMMEN!"

GIA-CEO Peter Merz

ICTkommunikation: Wie sehen Sie als SAP-Integrator die Machbarkeit von präventiven Sicherheitskonzepten für hybride Szenarien bei Ihren Kunden?

Peter Merz:
Security ist zu einem zentralen Thema geworden; auch dem ganzen Identity- und Accessmanagement kommt eine grosse Bedeutung zu. Unternehmen sind gut beraten, dies in die Hände von Spezialisten zu geben.

ICTkommunikation: Haben S/4Hana und die SAP-Cloud-Plattform für die digitale Transformation in der Praxis bereits eine besondere Wichtigkeit?

Peter Merz: S/4Hana ist das aktuelle und zukünftige ERP-Hauptprodukt von SAP. Dieses kann man auf verschiedene Arten benutzen: Entweder on premise mit einem jährlichen Innovationszyklus oder aus der globalen SAP Cloud mit vier Zyklen pro Jahr. Unternehmen werden sich entscheiden müssen, ob sie das Cloud-Modell wählen und damit ihre Prozesse dem Cloud-Standard anpassen oder ob sie ihre Individualität wie bisher in ERP-Systeme einbauen wollen. Die nächsten Jahre werden zeigen, welche Variante sich durchsetzen wird.

ICTkommunikation: Inwieweit sind SAP-Plattformen wie etwa Ariba, Successfactors oder Concur tatsächlich in bestehende IT-Umgebungen integrierbar, und wo liegt deren konkreter Nutzen für SAP-Anwender?

Peter Merz: Jedes dieser Produkte hat seinen Nutzen und alle sind typische Cloud-Lösungen. Sie lassen sich über Schnittstellen – meist mittels standardisierter Datenübergaben – in bestehende IT-Umgebungen integrieren.

ICTkommunikation: Ist die EU-DSGVO auch für Sie respektive Ihre SAP-Kunden relevant – immerhin sind wohl etliche Ihrer Kunden exportorientiert? Wie bereiten Sie sich und die Kunden darauf vor?

Peter Merz:
Diese Datenschutzverordnung, die am 28. Mai 2018 in Kraft tritt, ist sowohl für uns als Service Provider wie auch für unsere Kunden relevant. Primär ist es ein Erlass, der den Konsumenten vor den globalen IT-Konzernen wie Google oder Microsoft schützen soll. Über die konkreten Auswirkungen im B2B-Bereich herrscht noch nicht überall Einigkeit.

GIA führt mit einer spezialisierten Anwaltskanzlei Workshops durch, um die notwendigen Massnahmen zu definieren. Des Weiteren sind unsere Prozesse nach ISO 20000 und ISO 27001 zertifiziert. Da diese Normen stärkere Vorgaben machen als die EU-DSGVO, ist der Handlungsbedarf derzeit gering. Trotzdem bleibt noch das eine oder andere zu tun – so haben wir zum Beispiel bereits einen Datenschutzbeauftragten nominiert.

ICTkommunikation: Das Jahr 2017 neigt sich dem Ende zu. Wie ist es für GIA generell gelaufen?

Peter Merz: 2017 wird als sehr intensives Jahr in die Geschichte von GIA eingehen. Mit einem schönen Wachstum beim Umsatz und der Anzahl Mitarbeitenden dürfen wir zufrieden sein. In den ersten Monaten des Jahres gewannen wir zahlreiche neue Kunden und grössere Aufträge. Die Realisierung all dieser Projekte bildete im Laufe des Jahres die eine oder andere Herausforderung und führte zu einer hohen Auslastung unserer Mitarbeitenden.

ICTkommunikation: Wo sehen Sie für das nächste Jahr die grössten Herausforderungen für Ihr Unternehmen?

Peter Merz:
Es gibt mehrere: Wir wollen weiter wachsen und damit Marktanteile gewinnen. Mit der Hybrid-Cloud-Plattform Azure Stack führen wir eine neue Technologie ein. Und im SAP-Bereich bereiten wir unsere Kunden auf die moderne Anwendungssuite S/4Hana vor. Generell sind wir überzeugt, dass wir gut aufgestellt und den anstehenden Aufgaben gewachsen sind.

Bei GIA Informatik setzt man im nächsten Jahr unter anderem auf die Hybrid-Cloud-Plattform Azure Stack

Peter Merz, CEO des IT-Dienstleisters GIA Informatik in Oftringen, sieht sein Unternehmen auf Wachstumskurs (Bild:zVg)