Israel 1: Das Startup Webhose und die Informationsflut im Internet

Verfasst von Hartmut Wiehr am 07.11.2017 - 14:18

Die IT Press Tour (ITPT) gehört zu den besonders interessanten Veranstaltungen: Eine Gruppe europäischer Journalisten erhält seit zehn Jahren die Möglichkeit, amerikanische Startups und etablierte IT-Hersteller in San Francisco und im Silicon Valley zu besuchen und direkt mit den Gründern, CEOs und CTOs zu sprechen. Seit letztem Jahr findet die ITPT auch in Israel statt.

Ictk.ch war auch dieses Jahr in Israel dabei und konnte sich aus unmittelbaren Quellen über neueste Entwicklungen in der IT informieren. Israel ist auch deshalb ein so wichtiger IT-Hub geworden, weil aus Gründen der geopolitischen und strategischen Situation des kleinen Landes mit inzwischen etwa 8,5 Millionen Staatsbürgern (etwas mehr als die Schweiz) ein grosser Teil des Staatshaushalts in IT und IT-nahe Projekte fliesst. Viele Israelis nutzen ihre Kenntnisse und Erfahrungen aus der Mitarbeit in der speziellen Armee-Unit „8200“, um nach ihrer mindestens dreijährigen Wehrpflicht lukrative Jobs in der heimischen, stark Software-orientierten IT-Industrie oder gleich im Silicon Valley anzunehmen, während andere schon in jungen Jahren den Schritt in die Selbständigkeit eines Startups wagen.

Ran Geva, Gründer und CEO des seit 2014 aktiven Unternehmens Webhose, hat – wie er sagt – eine Lücke in der Welt des Internets entdeckt: Die Webhose-Lösung transformiert die schier unendlichen und unstrukturierten Informationen aus dem Web in strukturierte Daten, um sie so mit den Methoden von Big Data und Analytics gezielt zu erforschen und anwendbar zu machen. Geva hatte bereits zwei Firmen gegründet, die sich mit der Konvertierung von Web-Informationen beschäftigten, die jedoch – wie er freimütig einräumt – scheiterten. Den Grund sieht Geva darin, dass man noch nicht in der Lage gewesen sei, Daten über die ganze Breite des Internets einzusammeln und für ihre Auswertung vorzubereiten.

Nach einer Zeit intensiver Forschung und Entwicklung glaubt Geva, die Lösung gefunden zu haben: Mit einer eigenen lokalen Infrastruktur, was letztlich billiger als eine Public Cloud sei, oder mit der Anmietung von Ressourcen bei AWS, Google, Cloudera oder Oracle lassen sich laut Webhose grosse Datensammlungen anlegen und auswerten. Ausserdem könnten die Kunden Analyse-Applikationen von IBM Watson, Mention, Salesforce oder Hootsuite hinzuziehen.

Die Webhose-Lösung, die es in einer kostenlosen und einer Bezahlversion für grosse Unternehmen gibt, durchsucht zum Beispiel nach entsprechenden Vorgaben Online-News und -Diskussionen, Blogs, Radio- und TV-Meldungen oder E-Commerce-Seiten und selbst das Dark Web. Im Bereich von E-Commerce könnte zum Beispiel die Entwicklung von Preisen für bestimmte Produkte genau beobachtet und ausgewertet werden. Besonders vorkonfigurierte „Crawler“ übernehmen die Suche nach unstrukturierten Daten, die dann für die Analyse in strukturierte Informationen wie zum Beispiel XML, RSS oder CSV umgewandelt werden.

Webhose beschäftigt momentan 15 Mitarbeiter und verfügt über etwa 36.000 registrierte Nutzer der kostenlosen Version und 200 zahlende Kunden. Zu der letzteren Gruppe gehören die Rabobank, die sich um Finanzmodelle und Analysen auf der Basis von Web-Daten kümmert, und Salesforce.com, wo man die Daten der Marketing Cloud auswerten will. IBM benützt Webhose, um die Anwender von Watson zu schulen.

Registrierte Anwender können pro Monat bis zu 1.000 Requests kostenlos anfordern. Erst ab dieser Menge gibt es einen Einstiegspreis, der sich mit der Menge der Anfragen graduell erhöht.

Ran Geva, Gründer und CEO von Webhose (Bild: Wiehr)