Die europäische Unternehmens-Cloud ist hybrid

Verfasst von Christoph Schnidrig am 11.04.2017 - 15:12

Bei einer Reihe europäischer Staaten ist die Hybrid-Cloud in einer Mehrheit der Unternehmen bereits Realität. Statt ausschliesslich auf private oder öffentliche Cloud-Dienste zu setzen, verwenden sie hybride Cloud-Infrastrukturen. Am häufigsten finden Cloud-Dienste im Storage-Umfeld Verwendung. Es gibt allerdings länderspezifische Unterschiede.

Gastbeitrag von Christoph Schnidrig, Manager Systems Engineering, Netapp Switzerland

Die Cloud ist in der europäischen Unternehmenswelt angekommen und sie ist hybrid. So könnte die Quintessenz eines Reports des Storage-Anbieters Netapp lauten, die auf der Befragung von 750 IT-Verantwortlichen und Geschäftsleitungsmitgliedern in Deutschland, Frankreich und Grossbritannien basiert. Durchgeführt wurde die Studie vom unabhängigen Marktforschungsunternehmen Opinion Matters. Über alle drei Länder hinweg verwenden 63 Prozent der Befragten eine Form von hybrider Cloud – also einem Gemisch von öffentlichen und eigenen Cloud-Diensten (Abbildung 1). Demgegenüber setzen lediglich 23 Prozent ausschliesslich auf die private und 12 Prozent ausschliesslich auf die öffentliche Cloud. Nur gerade 3 Prozent gaben an, keinerlei Cloud-Dienste einzusetzen.

Während der Trend grenzübergreifend derselbe ist, gibt es unter den drei Ländern allerdings deutliche Unterschiede. So benutzen in Deutschland offenbar markant weniger Unternehmen ausschliesslich private oder öffentliche Clouds als in Frankreich und England. Unsere nördlichen Nachbarn setzen dafür stärker auf die gemischten Formen der Hybrid-Cloud. Interessanterweise greifen sie dabei häufiger auf die grossen Cloud-Dienstleister wie Fujitsu oder die sogenannten Hyperscale-Provider wie Amazon und Microsoft zurück als die Franzosen oder die Engländer, die mit deutlicherer Mehrheit lokale Anbieter wählen. Der Entscheid für eine Hybrid-Cloud-Infrastruktur ist übrigens nicht zwingend eine Frage der Firmengrösse: Der Anteil kleiner, mittlerer und grosser Unternehmen, die einen Hybrid-Cloud-Ansatz verfolgen, liegt über alle drei Länder hinweg zwischen 59 und 65 Prozent (mit nur geringen Ausreissern in den einzelnen Ländern).

CIO sehen vor allem Einsparmöglichkeiten

Interessant sind die Gründe für den Cloud-Einsatz (Abbildung 2). In der Gesamtheit nannten die Befragten Sicherheit und Flexibilität als ihre wichtigste Motivation, gefolgt von Kostenersparnissen und die Einfachheit im Gebrauch. Ein Blick auf die einzelnen Länder offenbart aber, dass in Deutschland neben Sicherheit und Flexibilität an dritter Stelle der Datenschutz ("Data protection") und ferner auch der Schutz der Privatsphäre ("Data privacy") überdurchschnittlich oft genannt wurde, während in Frankreich andererseits der einfache Gebrauch gar an erster Stelle steht. Einig sind sich Franzosen und Deutsche aber, dass die Zuverlässigkeit der Cloud ein Gewinn darstellt. Ganz offensichtlich ist die Hemmschwelle, Firmendaten der Cloud anzuvertrauen, in den letzten Jahren erheblich gesunken.

Gewisse Unterschiede in der Bewertung zeigen sich, wenn man die Herkunft und die Funktion der Antwortenden miteinbezieht. Dann zeigt sich, dass Sicherheit insbesondere für französische und deutsche CIOs ein Thema ist, in Grossbritannien jedoch eher für die übrigen Mitglieder der Geschäftsleitung. Andererseits erwähnen deutsche IT-Leiter überdurchschnittlich oft die Flexibilität als wichtigen Grund für den Cloud-Einsatz. Dem gegenüber ist die Aussicht auf Einsparungsmöglichkeiten mit einer Zustimmung von 70 Prozent das Topthema für CIOs. Ganz besonders den französischen CIOs (84 Prozent) liegt dieser finanzielle Aspekt augenscheinlich sehr am Herzen.

Mehrheitlich für Storage

Derzeit werden Cloud-Dienste in der grossen Mehrheit für sekundäre, datenintensive Arbeiten hinzugezogen (Abbildung 3). An erster Stelle steht dabei Storage. Ein Blick auf die Verteilung nach Unternehmensgrösse und Land zeigt hier kaum signifikante Unterschiede: Die Nachfrage nach Cloud-Storage fällt über alle Gruppen hinweg fast gleich hoch aus. Danach folgen Back-up und Dokumentenspeicher.

Seltener Verwendung findet die Cloud für Analytics, Disaster-Recovery oder Software as a Service. Fast am unteren Ende der Rangliste finden sich schliesslich die Themen Telearbeit und Kollaboration. Doch auch hier zeigen sich wieder regionale Unterschiede: So liegen die Deutschen bei der Verwendung von Cloud-Diensten für Disaster-Recovery und SaaS vorne – letztere werden vor allem von mittleren und grossen deutschen Unternehmen verwendet. Ganz allgemein zeigt sich, dass die Akzeptanz der Cloud in Deutschland in fast allen untersuchten Anwendungsbereichen überdurchschnittlich ausfällt – mit Ausnahme von Telearbeit und Kollaboration, die eher in Frankreich grossgeschrieben werden.

Ebenfalls noch wenig genannt wurde die Einhaltung regulatorischer Anforderungen. Für weniger als drei von zehn Befragten stellt die Compliance mit neuen Datenrichtlinien ein wichtiger Grund für die Verwendung einer Cloudlösung dar. Dies dürfte sich in nächster Zukunft jedoch ändern.

Abbildung 1: Durchschnittlich 63 Prozent der Unternehmen verwendet eine Form von hybrider Cloud – also einem Gemisch von öffentlichen und eigenen Cloud-Diensten

Abbildung 2: Die Gründe für den Cloud-Einsatz

Abbildung 3: Derzeit werden Cloud-Dienste in der grossen Mehrheit für sekundäre, datenintensive Arbeiten hinzugezogen (Grafiken: Netapp)

Gastautor Christoph Schnidrig, Manager Systems Engineering, Netapp Switzerland