"Die Automatisierung bestehender IT-Aufgaben ist ein Muss!"

Verfasst von Karlheinz Pichler am 22.03.2017 - 16:01

Für Christian Martin, General Manager von Cisco Schweiz, ist es fast fahrlässig, auf welch veralteter IT-Infrastruktur viele Schweizer Unternehmen ihre Digitalisierungspläne umsetzen möchten. Im Gespräch mit ICTkommunikation erläutert er unter anderem, warum eine moderne End-to-end-IT-Infrastruktur so wichtig ist, um mit Cloud, IoT, Datenanlyse oder mobilen Anwendungen die digiale Transformation vorantreiben zu können und die Sicherheit und die Komplexität und damit auch die Kosten der IT in den Griff zu bekommen.

Interview: Karlheinz Pichler

ICTkommunikation: Durch die Anbindung mobiler Mitarbeiter ans Firmennetz, Cloud-Computing, Internet of Things, Datenanalyse etc. wird die IT zunehmend komplexer. Wie sollen IT-Chefs und Administratoren diese konzeptionellen Veränderungen künftig am besten bewältigen?

Christian Martin: Absolut...und die Komplexität ist dabei nur einer der Faktoren. Wir stossen im Schweizer Markt immer wieder auf historisch gewachsene Infrastruktur-Konstrukte. Was kein Wunder ist, bei den rapiden technologischen Entwicklungen der heutigen IT-Branche. Die Nutzung vieler unterschiedlicher, nicht aufeinander abgestimmter Lösungen steigert nicht nur die Komplexität und das Sicherheitsrisiko, sondern ist auch undurchsichtig, fehleranfällig und verursacht hohe Kosten. Als Konsequenz sind die meisten IT-Abteilungen viel zu sehr mit dem Management der bestehenden Systeme ausgelastet. Mit der Folge, dass sie sich nicht damit auseinandersetzen, wie sie mit Cloud, IoT, Datananlyse oder mobilen Anwendungen die digitale Transformation in ihrer Firma vorantreiben können.

Um so wichtiger ist es, in einer End-End-Architektur zu denken. Diese muss eine durchgängig sichere Kommunikation vom Endpunkt bis zu den Ressourcen im Rechenzentrum oder in der Cloud bieten.

ICTkommunikation: Besteht nicht die Gefahr, dass die neuen Bedürfnisse an die IT, so sie nur ungenügend befriedigt werden können, die Schatten-IT beflügelt? Und rückt das Thema "Business-IT-Alignment“ nicht immer stärker in den Vordergrund?

Christian Martin: Das Thema Business-IT Alignment ist ein grosses Thema für alle Unternehmen, uns inbegriffen. Dazu kommt auch die Annäherung zwischen OT und IT – also Operations Technology und Information Technology in vielen Produktionsunternehmen. Deswegen ist es wichtig, wie vorhin erwähnt, bei den IT-Abteilungen Kapazität zu schaffen. Sodass sich diese Mitarbeitenden zukunftsweisenden, transformativen Projekten widmen können.

Die Automatisierung bestehender IT-Aufgaben ist ein Muss. Und da sich heute alles um Geschäftsanwendungen dreht, muss man im Rechenzentrum beginnen. Bei Cisco haben unsere Ingenieure einen Architekturansatz entwickelt, der die Modernisierung von Rechenzentren und IT-Infrastrukturen mit einer hybriden IT-Lösung ermöglicht. Dieser optimiert die Anwendungs-Performance, reduziert Risiken und erhöht Betriebsagilität. Wir nennen es Cisco ASAP Data Center-Architektur. ASAP steht für Analyze, Simplify, Automate, Protect. Solche neuen Ansätze machen die IT agiler und ermöglichen, die Nutzer schnell und sicher zu bedienen, so dass Schatten-IT nicht mehr nötig ist.

ICTkommunikation: Kann die IT-Security mit den rasanten Veränderungen, die IT heute mit sich bringt, noch Schritt halten? Was empfiehlt Cisco in dieser Richtung?

Christian Martin:
Auf der Seite der IT-Dienstleister sehe ich aktuell eine Blütezeit der IT-Security. Neue Technologien, wie künstliche Intelligenz und Machine Learning eröffnen zudem neue Horizonte bei der Bekämpfung von Cybercrime. Und diese Lösungen kommen unmittelbar auch den Schweizer Unternehmen zugute. Auch hier empfehle ich aber nochmals, auf durchgängige Sicherheits-Konstrukte zu setzen. Das ganzheitliche Denken ist aus unserer Sicht langfristig der richtige Weg. Wir versuchen unseren Kunden bewusst zu machen, dass es nicht ausreicht, auf Cyber-Angriffe zu reagieren. Vielmehr muss vorausschauend gedacht werden, also überlegt werden, was vor, während und nach der Attacke passiert. Es genügt nicht, das Endgerät zu schützen. Der Anfang muss bereits beim Netzwerk erfolgen. Zudem sehen wir die Verantwortung für IT-Sicherheit nicht mehr ausschliesslich beim IT-Leiter, sondern bei der gesamten Unternehmensleitung.

ICTkommunikation: Cisco hat kürzlich mit "Spark" eine neue Kollaborations-Suite lanciert. Was erwarten Sie sich von dieser Lösung in der Schweiz? Welche Zielgruppen adressieren Sie damit in erster Linie?

Christian Martin:
Cisco Spark ist unsere Antwort auf die schnellebigen Veränderungen in der Arbeitswelt. So arbeiten wir heute nicht mehr in Abteilungen, sondern in Teams. Wo früher Arbeitsaufgaben eingeordnet wurden, arbeiten heute temporär zusammengestellte, agile Teams an Projekten. Die Vorteile liegen in der Gewährung von Freiheiten und in der eigenständigen Arbeitsweise der Mitarbeiter. Gleichzeitig werden Unternehmen so aber auch kommunikativer, innovativer und sind daher besser für den nationalen und globalen Wettbewerb gerüstet. Neben dem Wandel von Kultur und Prozessen muss aber auch die Technik mitwachsen.

Unsere Zielgruppe ist Jedermann. Vom individuellen Privatnutzer bis hin zu KMUs und Grosskunden. 3, 30, 300 oder 30‘000 Benutzer; Spark hat die Flexibilität und Skalierbarkeit, überall dort eingesetzt zu werden, wo man schnell, einfach und sicher real-time Videokonferenzen abhalten und an Dokumenten zusammenarbeiten möchte. Wo sich agile Projektteams bilden, um zusammen effizient eine Lösung zu erarbeiten.

ICTkommunikation: Denken Sie, dass Cisco Spark auch in der Schweiz die Art, wie Meetings ablaufen, fundamental verändern wird?

Christian Martin: Heute ist es doch so, dass Meetings immer gleich ablaufen: Nicht alle Teilnehmer sind auf die Agendapunkte vorbereitet, man verliert Zeit damit, Adapter und Kabel zu sortieren und gegebenenfalls nicht anwesende Teilnehmer einzuwählen. Bis zum nächsten Meeting herrscht Stillstand, und wenn die Flipcharts von der Reinigungskraft entsorgt wurden, beginnt man womöglich von vorne.

Dies gilt für grosse und kleine Unternehmen über alle Branchen hinweg. Mit Spark werden Meetings bereits vorbereitet, bevor sie starten. Teams können rund um Projekte ihre Spaces bilden und alle Kollegen – ob physisch anwesend oder nicht – sind Teil des Meeting Space. Gerade in der Schweiz arbeiten Teams oft an verschiedensten Standorten zusammen, von Zürich über die Zentralschweiz bis in die Romandie. Spark bringt alle an einen – virtuellen – Tisch. Ich selbst nutze Spark als Kommunikationslösung für mein komplettes Team, welches an vier Standorten niedergelassen ist. E-Mail existiert für uns nicht mehr. Über Spark verbunden ist die Cisco Schweiz agiler und schneller geworden. Auch zur Unternehmenskultur hat Spark einen sehr grossen Beitrag geleistet.

ICTkommunikation: Ist Spark ein Vorgeschmack darauf, wie sich die Zusammenarbeit in den Unternehmen je länger je mehr verändern wird?

Christian Martin: Absolut. Früher war es oft so, dass man privat tolle Technologien und Applikationen nutzte und im Arbeitsalltag mit alten Computern arbeiten musste, gefesselt an den Schreibtisch. Mitarbeiter von heute akzeptieren dies nicht mehr. Sie möchten in allen Projektphasen und im täglichen Geschäftsleben einfach, schnell und sicher miteinander kommunizieren können. Es sollte nicht sein, dass ein Meeting 10 Minuten später beginnt, weil man vor einem Gerät steht und den Einschaltknopf sucht, die Bedienelemente nicht versteht und keine Ahnung hat wie das "Ding" funktioniert und was es eigentlich macht.

Mit Spark muss der User nicht überlegen wie man es startet oder einsetzt. Er kann einfach loslegen. Auf dem PC, dem Mobile Gerät, aus dem Browser und mit dem Sparkboard. Der User kann sich auf den Content und seine Kompetenz konzentrieren. Das Tool übernimmt nicht die Fokusrolle, sondern verhält sich dezent im Hintergrund.

Wieso ist Bleistift und Papier immer noch in Gebrauch und so weit verbreitet? Weil es einfach ist, keine Einführung braucht, man weiss wie man es benutzen muss. Genau das ist das Konzept von Spark!

ICTkommunikataion: Wie offen ist "Spark" als Cloud-Dienst wirklich?

Christian Martin: Spark ist sehr offen und wurde von Cisco von Grund auf neu konzipiert. Es ist nicht nur ein Collaboration Client, sondern eine klare Business-Outcome-Lösung. Ihre sichere Architektur bietet Flexibilität und Kreativität – also genau das, was heutige Unternehmen brauchen.

So kann die Lösung nicht nur Business-Outcome-Prozesse abbilden, sondern Entwickler können auch eigene Applikationen schreiben und diese mit Spark und den freiverfügbaren APIs einbinden. Das Handling ist sehr einfach – sowohl für eine Privatperson, die unsere fix-fertige Integrationen nutzt als auch für professionelle Programmierer, die auf das volle, offene und kostenlose API Framework zurückgreifen können.

ICTkommunikation: Die zentralen Pfeiler des Cisco-Collaboration-Business sind ja Voice, Webconferencing und Videoconferencing. Wie kommen Sie mit den einzelnen Bereichen dieses Geschäftes in der Schweiz voran? Wie läuft das Collaborationsgeschäft von Cisco derzeit generell in der Schweiz?

Christian Martin: Umfragen, wie der Harvard Business Review, zeigen, dass Führungskräften eine effektive Team-Kommunikation immer wichtiger wird. 68 Prozent der Befragten meinen, dass die Zusammenarbeit mit externen Partnern, Lieferanten, Kunden und Beratern sowie Kollegen an anderen Standorten ebenfalls an Bedeutung gewonnen hat. Diese Tendenz spiegelt sich auch in der Schweiz wider. Hier sind viele internationale Unternehmen angesiedelt, die in globalen Teams zusammenarbeiten. Die Nachfrage nach Collaboration-Tools steigt somit klar.

ICTkommunikation: Was hat Cisco im Bereich Echtzeit-Kommunikation derzeit konkret anzubieten?

Christian Martin: Wir bieten eine grosse Palette an Möglichkeiten. Neben der neuesten Spark-Lösung haben wir die klassische IP (VoIP)-Telefonie, Videosysteme und Engeräte – vom Schreibtisch bis zum Konferenzraum, sowie Online Webconferencing mit Webex, inklusive der dazugehörigen Zusatzapplikationen und durchgängigen Sicherheitslösungen.

Ich würde sagen, dass unsere Stärke vor allem im abgestimmten Gesamtportfolio der Lösungen liegt. Die Integrationen und Funktionalitäten zu Drittherstellern und deren Applikationen, wie zum Beispiel die Jabber/Spark IM und Chat Integration in die Microsoft Office Suite, oder Verzeichnissuche und Wahl per Maus sind eng in die Architektur integriert. Vermutlich liefert Cisco momentan die breiteste Endgerätepalette am Markt, deren Leistungsmerkmale aufeinander abgestimmt sind.

ICTkommunikation: Bislang war die Swisscom mehr oder weniger ein grosser Cisco-Shop. Seit vergangenen Herbst führt Swisscom aber auch Netzwerkgeräte des chinesischen Herstellers Huawei im Portfolio. Gibt es aufgrund dieser Diversifizierung von Swisscom bereits spürbare finanzielle Auswirkungen auf Ihr Unternehmen?

Christian Martin: Cisco blickt auf eine langjährige und sehr gute Zusammenarbeit mit Swisscom zurück, welche wir auch in Zukunft weiterführen werden.

ICTkommunikation: Inwieweit spielt das Thema Internet of Things (IoT) bereits operativ eine Rolle? Sind Sie diesbezüglich auch in der Schweiz aktiv? Gibt es hierzulande entsprechende Kooperationen?

Christian Martin:
Im Austausch mit unseren Kunden werden wir immer wieder darin bestätigt, dass das Internet of Things bereits in vielen Bereichen eine operative Rolle spielt. Die meisten aktuellen Projekte sind allerdings evolutionäre Verbesserungen und Optimierungen bestehender Produkte und Prozesse. Darüber hinaus interessieren sich erste Unternehmen für Business und Consumption Modelle in diesem Bereich und möchten neu entwickelte Produkte zur Marktreife bringen. Auf Cisco-Seite unterstützen wir unsere Kunden und Partner dabei, eine innovative technische Grundlage aufzubauen. Unsere Produkte und Lösungen, inkl. die IoT Plattform Jasper, sind dann Kernbestandteile vieler Digitalisierungsprojekte.

In diesem Bereich ist Cisco auch innerhalb der Schweiz aktiv. Beispielsweise beim spezifischen IoT-Thema Smart City ist Cisco Teil des Ökosystems Urban Hive. Dabei handelt es sich um eine Gruppe von "Best in Class" Unternehmen aus verschiedensten Branchen, welche das Thema der Smart Cities in der Schweiz vorantreiben und nachhaltige Modelle für das Leben von Morgen in Städten und Regionen schaffen wollen.

ICTkommunikation: Wo sehen Sie für Cisco aktuell die grössten Herausforderungen?

Christian Martin:
Durch die Digitalisierung steigen die Anforderungen an IT-Abteilungen tagtäglich. Neue Lösungen müssen schnell und effizient umgesetzt werden, ohne dass gleichzeitig die IT-Ausgaben erhöht werden. Wir sehen, dass das geringe Budget zu einem Kostendruck führt und dazu, dass viele dringend nötige Projekte nicht realisiert werden können. So ist es mit Blick auf den Schweizer Markt schon fast fahrlässig, auf welch veralteter IT-Infrastruktur unsere Kunden ihre Digitalisierungspläne umsetzen möchten. Verschiedene Themen rund um die Cyber-Sicherheit werden mit Insellösungen adressiert. Dabei übersehen die Firmen jedoch, dass ihre veraltete Infrastruktur das mit Abstand grösste Sicherheitsrisiko darstellt. Ich bin überzeugt, dass sich mit einer modernen IT-Infrastruktur nicht nur die Sicherheit massiv erhöhen lässt, sondern auch die Komplexität sowie die Gesamtkosten des IT-Systems merklich gesenkt werden können.

ICTkommunikation: Welche strategischen Ziele verfolgen Sie mit Cisco in der Schweiz mittelfristig?

Christian Martin: Gesamthaft betrachtet, möchten wir einen substantiellen Beitrag dazu leisten, dass die Schweiz ein wettbewerbsfähiges sowie innovatives Land bleibt. Wir möchten unsere Kunden bei der Umsetzung ihrer Digitalisierungsstrategien begleiten. So unterstützen wir sie bei unterschiedlichsten Projekten: Von der konsequenten Automatisierung aller Prozesse über Umsetzungen im Workspace, Internet of Things oder Core bis hin zur Realisierung neuer IT-Sicherheitsstrukturen oder Mobilitätskonzepten.

ICTkommunikation: In letzter Zeit wird in der Schweiz sehr viel Augenmerk auf die Förderung von Hightech-Startups gelegt. Bringt sich Cisco hier ebenfalls ein? Und wenn ja, in welcher Form?

Christian Martin: Konkret arbeitet Cisco in diesem Bereich zum Beispiel mit Pioneers – einer weltweiten Community für Unternehmertum, Wissenschaft und Technologie – zusammen. Gemeinsam haben wir das Cisco-Programm "Entrepreneurs in Residence'" (EIR) für den europäischen Markt lanciert. Wir unterstützen Veranstaltungen wie z.B. Hack Zurich und haben ein eigenes Developer Programm unter dem Namen Devnet, das bereits mehr als 400,000 Entwickler aus aller Welt umfasst. Und wir sind seit fast zwanzig Jahren mit dem Bildungsprogramm Cisco Networking Academy auch in der Schweiz aktiv.

ICTkommunikation:
Bislang nahm man Cisco vor allem als Connectivity-Anbieter wahr. Gilt diese Wahrnehmung heute noch, wenn man sieht, in welchen Bereichen sich Cisco mittlerweile überall engagiert?

Christian Martin:
Das Netzwerk ist und bleibt eine Grundkompetenz von Cisco. Aber das Netzwerk verbindet heute nicht mehr nur Computer, sondern Milliarden von anderen Dingen. Am Anfang unseres Gespräches hatten Sie mich über Cloud Computing, IoT, Datananalyse und Sicherheit gefragt. Inzwischen spielt das Netzwerk in all diesen Bereichen eine Schlüsselrolle. Cisco hat in den letzen Jahren in diesen Bereichen durch eigene Forschung und Entwicklung, Akquisen und Partnerschaften viele neue Innovationen angetrieben. Wir sind stolz auf unsere Tradition als Netzwerkausrüster und sehen uns als essentiellen Partner für unsere Kunden bei der Digitaliserung.

Christian Martin, General Manager von Cisco Schweiz: 'Eine End-to-End-Architektur muss eine durchgängig sichere Kommunikation vom Endpunkt bis zu den Ressourcen im Rechenzentrum oder in der Cloud bieten!"

Christian Martin: 'Die Automatisierung bestehender IT-Aufgaben ist ein Muss. Und da sich heute alles um Geschäftsanwendungen dreht, muss man im Rechenzentrum beginnen!'

Christian Martin: 'Durch die Digitalisierung steigen die Anforderungen an IT-Abteilungen tagtäglich. Neue Lösungen müssen schnell und effizient umgesetzt werden, ohne dass gleichzeitig die IT-Ausgaben erhöht werden.'